Kommentar
15. März 2021
Virusmutationen sind kein Game Changer

Während sich der Würgegriff der Pandemie in den USA dank sinkender Neuinfektionszahlen und rascher Impffortschritte langsam lockert, ist die Zahl der Neuerkrankungen in einigen Euroländern zuletzt wieder gestiegen. Bereits beschlossene Öffnungsschritte stehen damit zur Disposition (Deutschland, Frankreich, Österreich) oder es müssen sogar nochmals Verschärfungen umgesetzt werden (Italien). Ein wesentlicher Grund für die erneute Ausbreitung des Erregers in der Eurozone sind ansteckendere Virusmutationen, wie beispielsweise die erstmals in Grossbritannien entdeckte Variante B.1.1.7, die bereits für mehr als 50% der neuen Fälle in Deutschland verantwortlich ist.

Wir sehen in den Virusmutationen jedoch keinen Game Changer hinsichtlich des mittelfristigen Konjunkturausblicks, sondern mehr ein Störfeuer, das die wirtschaftliche Belebung verzögert. Entscheidend hierbei ist, dass die bisher in den USA und in der Eurozone zugelassenen bzw. kurz vor der Zulassung stehenden Impfstoffe allesamt eine gute bis sehr gute Wirksamkeit auch gegen die veränderten Virusstämme erzielen bzw. zumindest in der Lage sind, schwere Krankheitsverläufe in einem äusserst hohen Ausmass zu verhindern.

Sobald also der Grossteil der gefährdetsten Bevölkerungsgruppen – Menschen über 70 Jahre und Menschen mit Vorerkrankungen – geimpft ist, wird sich die Situation im Gesundheitssystem auch bei gegebenenfalls noch relativ hohen Neuinfektionszahlen spürbar entspannen. Zusätzliche Unterstützung kommt daneben von ganz anderer Seite: Ab Mai wird es wegen der günstigeren Witterung deutlich einfacher sein, die Neuinfektionszahlen unter Kontrolle zu behalten.

Die Aussichten auf eine spürbare wirtschaftliche Belebung im Verlauf des 2.  Quartals in den USA und in der Eurozone bleiben mithin günstig. Dabei sollte die erwartete Belebung sogar besonders kräftig ausfallen. Hintergrund sind die enormen Sparüberschüsse, welche die Konsumenten in beiden Wirtschaftsräumen in den vergangenen zwölf Monaten gebildet haben. In den USA macht dieser Sparüberhang bereits etwa 8% des BIP aus und dürfte vor dem Hintergrund des in der abgelaufenen Woche verabschiedeten Stimuluspakets weiter anschwellen. In der Eurozone haben die Verbraucher bis Ende 2020 eine Überersparnis in Höhe von gut 4% des BIP aufgebaut. 

Dies- und jenseits des Atlantiks resultiert der grösste Teil des Sparüberhangs aus dem (erzwungenen) Verzicht auf Restaurantbesuche, Urlaub und andere Freizeitaktivitäten insbesondere der breiten Mittelschicht. Genau das spricht dafür, dass ein grosser Teil des Geldes genutzt werden wird, um verstärkt entgangene Urlaubs- und andere Lebensfreuden nachzuholen. Wir halten daher einen Konsumboom in vielen konsumnahen Servicebereichen für das wahrscheinlichste Szenario, sobald die entsprechenden Restriktionen fallen. 

Die sich entladende Konsumnachfrage wird die Konjunktur befeuern und über Monate hinweg auch bei den wichtigsten Frühindikatoren für einen positiven Datenfluss sorgen, welcher die Aktienmärkte weiter stützen sollte. Ungeachtet der hohen Bewertungsniveaus rechnen wir daher in den nächsten Monaten mit einer Fortsetzung der globalen Aktienhausse.

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