Analyse
15. Dezember 2021

Unternehmensanleihen: Rising Stars bleiben 2022 eine gute Wahl

Der breite Markt für EUR-Unternehmensanleihen der Bonität Investment Grade hat sich in diesem Jahr schwach entwickelt – und daran dürfte sich 2022 wenig ändern. Ohne Einzeltitelselektion sollte auch dann kaum ein positiver Ertrag zu erwirtschaften sein. Eine gute Wahl sind insbesondere die sogenannten Rising Stars – Unternehmensanleihen, die aus dem High-Yield-Bereich in den Bereich Investment Grade aufsteigen. Die zu erwartende wirtschaftliche Erholung dürfte in den nächsten Monaten zu einem weiteren Wachstum dieses Anleihensegments führen, das ein großes Outperformancepotenzial bietet.

EUR-Unternehmensanleihen der Bonität Investment Grade haben sich seit Jahresanfang (gemessen am ICE BofA Euro Non-Financial Index) mit -0,45% nur etwas besser entwickelt als deutsche Bundesanleihen (-1,09%). Wenn die Zinsen deutscher Bundesanleihen steigen, dürfte es auch im kommenden Jahr für passive Anleger schwierig werden, innerhalb der Anlageklasse noch einen positiven Ertrag zu erwirtschaften. Deshalb sollte die Einzeltitelselektion im Jahr 2022 wieder stärker in den Vordergrund rücken. Insbesondere die sogenannten Rising Stars – Unternehmensanleihen, die aus dem High-Yield-Bereich in den Bereich Investment Grade aufsteigen – sind eine gute Wahl. Diese Anleihen ermöglichen es, auch in einem schwierigeren Marktumfeld unabhängig von der Gesamtmarktbewegung hohe Erträge zu erzielen.

Netflix gutes Beispiel für Outperformancepotenzial

Die übergeordnet soliden Fundamentaldaten der High-Yield-Unternehmen im Ratingsegment »BB«, die seit Beginn der Corona-Krise ihre Bilanzen gestärkt haben, führten in Kombination mit einer stark wachsenden Weltwirtschaft bereits in diesem Jahr zu einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Rising Stars. Wie groß das Performancepotenzial von Rising Stars sein kann, verdeutlicht das Beispiel von Netflix. Die Anleihe hat seit der ersten Indikation einer Ratingheraufstufung durch die Ratingagentur Moody’s im April 2021 bereits einen Mehrertrag von 2,55%-Punkten gegenüber dem breiten Gesamtmarkt (gemessen am ICE BofA Euro Non-Financial Index) erzielt. Durch die Heraufstufung der Ratingagentur S&P im Oktober 2021 folgte eine weitere Outperformance von 0,72%-Punkten, da sich zum einen die Hoffnung auf ein Investment-Grade-Rating bestätigte und sich zudem die Aufnahme in den Investment-Grade-Index abzeichnete, welche zu vielen Käufen durch passive Anleger führt. Diesen Effekt nehmen aktive Anleger selbstverständlich vorweg.

Über den gesamten Zeitraum seit der ersten Ankündigung von Moody’s erzielte die Netflix-Anleihe einen Gesamtertrag von 4,91%, während der Investment-Grade-Index ICE BofA Euro Non-Financial Index einen negativen Ertrag von -0,45% auswies. Diese starke Outperformance veranschaulicht, welches Potenzial Rising Stars unabhängig von der Entwicklung des Gesamtmarktes haben.

Industriesektor mit größtem Zuwachs an Rising Stars

Von der zu erwartenden Normalisierung der Lieferketten durch eine Verbesserung der Pandemielage dürfte insbesondere der Industriesektor profitieren und anschließend eine große Zahl an Rising Stars hervorbringen. Deren Marktwert dürfte höher sein als in den vergangenen Jahren. Insgesamt bietet der US-Markt das größte Potenzial an Rising Stars. In unserem Basisszenario erwarten wir im US-Markt für 2022 ein Rising-Stars-Volumen von etwa 120 Milliarden US-Dollar, das im günstigsten Fall sogar auf über 200 Milliarden US-Dollar steigen könnte. Im kleineren EUR-denominierten High-Yield-Markt gehen wir im Basisszenario von einem Rising-Stars-Volumen von mehr als 20 Milliarden Euro aus. Über 35 Milliarden Euro sind möglich, wenn das Wirtschaftswachstum die aktuellen Erwartungen aufgrund einer unerwarteten Überwindung der Pandemie deutlich übertrifft. Ein prominentes Beispiel eines potenziellen Rising Stars ist der US-Automobilhersteller Ford, der sowohl auf EUR als auch USD lautende Anleihen ausstehen hat, wovon Anleger bei einer Ratingheraufstufung profitieren können.

Kaum Erträge am breiten Markt für Unternehmensanleihen zu erwarten

Auch im Jahr 2022 bleiben Unternehmensanleihen mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 0,4% grundsätzlich eine Alternative für risikobewusste Investoren, um dem Tiefzinsumfeld zu entkommen. Der wahrscheinliche Zinsanstieg dürfte allerdings die Erträge, erzielt durch sinkende Risikoprämien sowie die laufende Verzinsung, nahezu vollständig aufzehren. Ein verstärkter Fokus auf die Einzeltitelselektion und Ertragsmöglichkeiten unabhängig vom Verlauf des breiten Investment-Grade-Unternehmensanleihenmarktes – wie Rising Stars sie bieten – kann Investoren im kommenden Jahr jedoch dabei helfen, auch in dieser Anlageklasse deutlich positive Erträge zu erzielen. 

Zahl der Rising Stars dürfte weiter steigen

Quellen: Bloomberg, S&P Ratings, Bantleon
Rising Stars bei Bantleon

Bantleon bewirtschaftet Rising Stars in den Anleihenfonds Bantleon Select Corporates und Bantleon Yield Plus.

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