Kommentar
6. April 2021
Renditen und Aktien haben noch Luft nach oben

Das 1. Quartal ist vorbei – Zeit, um ein erstes Zwischenfazit zum laufenden Jahr zu ziehen. Die Aktienmärkte haben sich erneut wacker geschlagen. Zwar fällt der Zugewinn beim MSCI World mit 5% nicht ganz so spektakulär aus wie im 4. Quartal 2020 (+14%), das Plus kann sich aber sehen lassen. Dies gilt umso mehr, als der Gegenwind durch die dritte Coronavirus-Welle beträchtlich war. Ausschlaggebend für die freundliche Tendenz waren letztendlich drei Faktoren: Die rasch voranschreitende Impfkampagne in Israel, Grossbritannien und den USA, die als Blaupause für die ganze Welt dient. Die Verabschiedung des riesigen – 1,9 Bio. USD – schweren Hilfspakete durch die Biden-Regierung und der weltweite Boom im verarbeitenden Gewerbe. Die Rekordstände bei den März-Einkaufsmanagerindikatoren (unter anderem in der Eurozone) sind dafür die jüngsten Belege. 

An den Aktienmärkten blieb indes nicht alles beim Alten. Vielmehr fand eine spürbare Rotation statt. Waren Ende 2020 die USA und Asien Outperformer, ist es jetzt Europa. Der Eurostoxx50 legte z.B. seit Anfang 2021 um 11% zu. Darin spiegelt sich wider, dass mittlerweile die in Europa prominent vertretenen Value-Titel und zyklische Aktien die Nase vorne haben. 

Die Hoffnung auf eine kräftige weltwirtschaftliche Erholung zeigte sich noch stärker an den Bondmärkten – speziell bei US-amerikanischen Staatsanleihen. Hier war seit Jahresbeginn die auffallendste Entwicklung zu beobachten: Die Renditen 10-jähriger US-Treasuries stiegen von gut 0,90% auf über 1,70% an. Der Konsensus hatte hingegen noch zu Weihnachten mit einer Seitwärtsbewegung um knapp 1,00% gerechnet. 

In den Augen vieler Analysten ist inzwischen der Bogen bei US-Treasuries überspannt. Sie weisen darauf hin, dass der aktuelle Inflationsanstieg lediglich temporär sei und die Fed noch lange an der Tiefzinspolitik festhalten werde. Nicht wenige rechnen daher mit wieder fallenden Renditen.

Wir sehen das Ende der Fahnenstange dagegen noch nicht als erreicht an. Das plausibelste Szenario ist aus unserer Sicht, dass die Pandemie in den nächsten Monaten abebbt und die Weltwirtschaft einen Boom erlebt. In diesem Fall werden sowohl die Inflations- als auch die Gewinnerwartungen einen zusätzlichen Schub erfahren. Die Folge sind weiter anziehende Renditen und Aktienkurse.

Lediglich im wenig wahrscheinlichen Risikoszenario eines Scheiterns der Impfkampagne (z.B. weil eine völlig impfresistente Mutation auftritt) käme es anders. Dann würde die globale Erholung auf sich warten lassen. Die Enttäuschung wäre gross, worauf eine Flucht in die sicheren Häfen einsetzen würde. Neben fallenden Renditen müsste man in diesem Fall indes gleichzeitig mit einbrechenden Aktienkursen rechnen. 

Derzeit gibt es aber keinen Grund so düster zu sehen. Vielmehr wächst von Woche zu Woche die Chance auf ein Zurückdrängen der Pandemie. Im laufenden Vierteljahr sollte das Risk-on-Sentiment daher erneut die Oberhand behalten, womit die nächsten Monate an das 1. Quartal anknüpfen würden. Erst mit Blick auf das 2. Halbjahr könnte dann ein Wetterwechsel an den Finanzmärkten eintreten, wenn der Nachschub an positiven Nachrichten abebbt. Bis dahin kann die Party bei Risikoassets aber noch weitergehen.

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