Kommentar
8. Februar 2021
Inflationserwartungen erwachen zu neuem Leben

Schon vor der Coronavirus-Krise galt sie vielen als totgesagt: die Inflation. Vergeblich hatten sich die Notenbanken rund um den Globus seit Jahren abgemüht, den Verbraucherpreisanstieg nachhaltig auf ein Niveau von rund 2% pro Jahr anzuheben. Nachdem dann die erste Pandemie-Welle Europa und die USA im Frühjahr 2020 mit voller Wucht getroffen hatte, rauschten die marktbasierten Inflationserwartungen angesichts des bevorstehenden Konjunktureinbruchs erst recht in die Tiefe. Während sie in den USA auf ein 10-Jahrestief absackten, stürzten sie in der Eurozone sogar auf ein Allzeittief.

In den letzten Wochen und Monaten sind die Inflationserwartungen jedoch zu neuem Leben erwacht. Seitdem Geld- und Fiskalpolitik zur Krisenbewältigung nicht mehr gegeneinander, sondern Hand in Hand arbeiten, haben sich scheinbar unerschöpfliche Geldquellen aufgetan. Sowohl in den USA auch in der Eurozone fliessen staatliche Mittel in nicht gekanntem Ausmass in die Wirtschaft. Während dies zum einen die Hoffnungen auf eine kräftige Konjunkturerholung angefacht hat, setzt sich zum anderen zunehmend die Einschätzung durch, dass dies nicht ohne Folgen für die Verbraucherpreisentwicklung bleiben wird. 

Folgerichtig sind die marktbasierten Inflationserwartungen – gemessen an den Break-even-Raten – in den USA zuletzt in die Höhe geschnellt und haben in vielen Fällen mehrjährige Höchststände erreicht. In der Eurozone ging es nicht ganz so steil nach oben, die Break-even-Raten liegen aber auch hier inzwischen leicht über dem Vorkrisenniveau.

Der heftige Anstieg der Euro-Inflationsrate im Januar hat den Inflationserwartungen zusätzlichen Schub verliehen. Zwar geht der stärkste jemals erfasste Anstieg der (Kern-)Teuerungsrate zu einem Teil auf Sondereffekte zurück, die sich in den nächsten Monaten teilweise wieder umkehren. Das Signal ist jedoch klar: Die Zeiten ultraniedriger Inflationsraten sind vorbei.

Erneute Rückschläge bei der Euro-Kerninflation bis zum Sommer könnten an den Märkten zeitweise für Verunsicherung sorgen und zu Rücksetzern bei den Inflationserwartungen führen. Das wären unserer Einschätzung nach jedoch nur Episoden im langfristig aufwärtsgerichteten Trend. In Folge des kräftigen Ölpreisanstiegs, in Kombination mit der ab dem Frühjahr erwarteten markanten Konjunkturbelebung, wird die Inflationsrate sowohl in der Eurozone als auch in den USA im 2. Halbjahr spürbar anziehen. Das sollte nicht ohne Auswirkungen auf die Inflationserwartungen bleiben – zumal einiges dafür spricht, dass der unterliegende Preisauftrieb 2022 weiter zunimmt.

Steigende Inflationsraten und -erwartungen führen zu Aufwärtsdruck bei den Renditen. In den USA ist das bereits seit Längerem zu beobachten: Hier hat die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen von 0,51% im August 2020 auf zuletzt 1,20% zugelegt. Bei Bundesanleihen ist ein solcher Renditeanstieg bislang zwar erst in Ansätzen sichtbar, in den nächsten Monaten und Quartalen dürfte der Druck aber auch hier zunehmen und den Renditen Rückenwind bescheren.

Insgesamt wird der Anstieg der Rendite bei Bundesanleihen jedoch weiterhin moderat ausfallen, da die EZB mit ihren Anleihenkäufen dagegenhält. In der Folge werden die Realrenditen äusserst niedrig bleiben. Dies ist ein Umfeld wie gemacht für inflationsgeschützte Staatsanleihen, die gegenüber Bundesanleihen 2021 klar outperformen dürften.

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