Medienspiegel
8. März 2021

Inflation beendet goldene Zeiten an Finanzmärkten

Die Finanzmärkte müssen mit einem langfristigen Wandel im Inflationsklima rechnen – mit weitreichenden Folgen für die Assetklassen. Das hat Dr. Harald Preißler, Aufsichtsratsvorsitzender der Bantleon AG und Vizepräsident des Verwaltungsrates der Bantleon Bank AG, im Interview mit der Börsen-Zeitung gesagt. Als wichtige Treiber für die Teuerungsraten nannte er Demografie, Staatsverschuldung, Deglobalisierung und expansive Fiskalpolitik.

»Die Baby Boomer gehen in den nächsten Jahren in Rente, der Nachwuchs fehlt, weshalb wir eine massive Überalterung erfahren«, erklärte Preißler. »Die Folge wird eine Knappheit an Arbeitskräften sein und damit wird es zwangsläufig ein deutlich höheres Lohnwachstum geben, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.« Die steigende Staatsverschuldung stehe im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung: »Sie macht mit Corona einen gewaltigen Sprung und wir werden sie wahrscheinlich nicht mehr abbauen können, weil wir einen wachsenden Anteil der Staatsausgaben für die Finanzierung der Sozialversicherungen aufwenden müssen.«

Zur Deglobalisierung stellte Preißler fest, dass sie bereits vor Donald Trumps Präsidentschaft aufgetreten sei, nämlich seit 2008, als eine Folge der Finanzkrise. »Seither ist eine zunehmende Tendenz hin zu Protektionismus und Abschottung zu beobachten. Hinzu kommt der Trend zur Renationalisierung von Produktionsprozessen, weil viele Unternehmen feststellen mussten, dass die globalen Lieferketten nicht zuverlässig genug sind.« Produktionsstandorte würden künftig nicht mehr primär unter Kostengesichtspunkten ausgewählt, sondern zunehmend nach der Stabilität der Wertschöpfungsketten. »Der von dieser Seite seit 30 Jahren wirkende deflationäre Effekt kehrt sich mithin um.«

Die Fiskalpolitik sei dabei, eine völlig neue Rolle zu spielen. »Die Geldpolitik stösst an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, auch die rechtlichen«, erklärte Preißler. »Sie hat in den vergangenen Jahren zwar eine unglaubliche Menge an Liquidität geschaffen, damit aber nur sehr überschaubare Effekte in der Realwirtschaft erzielt.« Die weltweiten Corona-Hilfen führten zusammen mit den Investitionen für die Bekämpfung des Klimawandels sowie der Modernisierung der Infrastruktur zu stärkeren realwirtschaftlichen Ausschlägen sowie zu höheren Inflationsraten. In den nächsten Jahren sei mit einem nachhaltigen Anstieg über die 2%-Schwelle zu rechnen »und durchaus auch mal wieder eine 4 oder sogar eine 5 vor dem Komma« zu sehen.

An den Finanzmärkten müsse als Folge der markant steigenden Inflation mit deutlichen Auswirkungen gerechnet werden: »Die Geldpolitik wird über kurz oder lang ihre schützende Hand von den Finanzmärkten wegziehen müssen, weil sie juristische Grenzen erreicht haben wird«, prognostizierte Preißler. »Bei Inflationsraten von 3% bis 5% können die Zinsen nicht nahe der Nulllinie verharren.  Sie werden dann ebenfalls anziehen und könnten beispielsweise für 10-jährige Bundesanleihen auf 3% steigen.«

Mit der Leichtigkeit der vergangenen Jahre – alle Assetpreise steigen – werde es dann vorbei sein. »Für die Asset-Management-Branche bedeutet das eine Umstellung. Im Anleihenbereich gewinnt das Durations-Management, also aktives Laufzeitenmanagement, das wir bei Bantleon schon lange betreiben, massiv an Bedeutung. Nur so lassen sich Verluste begrenzen beziehungsweise Gewinne sichern. Inflationsindexierte Anleihen werden die Assetklasse dieses Jahrzehnts, weil der Coupon mit der Inflation steigt, was einen automatischen Schutz für den Anleger bietet. In den Fokus rücken wird ferner die aktive Bewirtschaftung von Risikoprämien, auch entlang des Konjunkturzyklus.« 

An den Aktienmärkten seien die Herausforderungen wegen der hohen Bewertungen noch grösser: »Die Geschichte hat uns gelehrt, dass die Aktienmärkte in der Dekade nach solch extrem hohen Bewertungen stets weit unterdurchschnittlich abgeschnitten haben. Für den MSCI World errechnet sich auf diese Weise für die nächsten zehn Jahre ein Ertrag von knapp unter 0% – kein gutes Umfeld für marktbreite ETFs«, stellte Preißler fest. »Diesem makroökonomischen Regime wird sich niemand vollends entziehen können. Aber man kann die Renditen im eigenen Portfolio steigern, indem man Aktien von denjenigen Unternehmen auswählt, die schwer ersetzbare oder einzigartige, überlegene Geschäftsmodelle mit Preissetzungsmacht haben.«

Das vollständige Interview können hier lesen.

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