Kommentar
25. Mai 2021

Das Dilemma der Aktienmärkte

Die Inflationssorgen sind an den Märkten in den vergangenen Tagen etwas in den Hintergrund getreten. Ablesbar ist dies unter anderem an den rückläufigen Breakeven-Raten. Gleichzeitig haben an den Aktienbörsen die inflationssensiblen Technologie-Titel wieder Oberwasser gewonnen. Die Investoren vertrauen dabei ganz auf die Aussagen der Fed. Die Währungshüter werden nicht müde zu betonen, dass der absehbare Inflationsanstieg vorübergehend sei und ein Tapering zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Debatte stünde.

Die Aktienmärkte befinden sich aber in einem Dilemma. Der Aufwärtstrend wird hier nur dann anhalten, wenn sich in den nächsten Monaten ein Konjunkturboom einstellt. Bleibt dieser aus – z. B. weil eine vierte Corona-Welle anrollt oder die Verbraucher ihre Ängstlichkeit nicht abschütteln –, wäre dies schlecht für Dividendenpapiere. Die hochgesteckten Gewinnerwartungen für die kommenden Quartale würden sich dann nicht erfüllen. In der Folge wären Kurskorrekturen unvermeidlich.

In unseren Augen ist ein kräftiger globaler Konjunkturaufschwung jedoch weiterhin das plausibelste Szenario. Was das Coronavirus angeht, gibt es sicherlich nach wie vor Hotspots (Indien) und Risiken (gefährliche Mutationen). Zumindest in den westlichen Industrieländern verläuft die Impfkampagne aber äusserts erfolgreich. Die Neuinfektionszahlen und Hospitalisierungen sinken rasant. Die Nachholeffekte und die expansive Fiskalpolitik werden daher ihre Wirkung entfalten und das Wachstum anschieben.

Dennoch sind einige Analysten selbst in diesem Fall der Meinung, dass kein intensiver Inflationsdruck entsteht. Sobald die Fiskalimpulse auslaufen würden – so die Argumentation –, werde auch das Wachstum wieder abebben. Somit entstünde unter anderem kein Lohndruck. 

Diese Einschätzung verkennt indes das Wesen eines Aufschwungs. Dieser ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass er nicht sofort in sich zusammenfällt, sondern über einen längeren Zeitraum anhält und sich endogene Auftriebskräfte entfalten. Das Paradebeispiel dafür sind die Investitionen in Anlagen und Ausrüstungen. Die aktuell in der Industrie bereits voll ausgelasteten Kapazitäten bieten geradezu ein optimales Umfeld für eine sich selbst verstärkende Investitionsbelebung. 

Aber auch bei den Konsumenten baut sich ein Momentum auf. Sind es anfangs in erster Linie die Fiskalimpulse, die Rückenwind erzeugen, tritt später die Arbeitsmarktbelebung hinzu. Die Verbraucher werden immer mehr Vertrauen in den Aufschwung gewinnen. Zusätzlich stimuliert wird die Konsumfreude von den steigenden Vermögenspreisen. 

Wenn aber das Wachstum für längere Zeit auf hohem Niveau verweilt – was von den Notenbanken im Übrigen gewollt ist – steigt zugleich die Wahrscheinlichkeit eines nachhaltigen Inflationsschubs. Der aktuell von den Rohstoffen und Vorprodukten ausgehende Kostendruck wird zunehmend von wachsendem Lohndruck flankiert. Langfristig stellt dies für die Gewinnmargen der Unternehmen zwar ein Problem dar. Kurzfristig ist die absehbare Belebung für die Firmen jedoch ein Segen. Nur so lassen sich die ambitionierten Gewinnerwartungen für die Jahre 2021 und 2022 realisieren und nur dann wird sich auch die Aktienhausse fortsetzen.  

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