Kommentar
10. Mai 2021

Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten sorgen für ein Wechselbad der Gefühle

Die Fed hat zwei Bedingungen als Voraussetzung für ein Tapering genannt: substanzielle Fortschritte bei der Erreichung des Beschäftigungs- und des Inflationsziels. Bei den Arbeitsmarktdaten gab es in der vergangenen Woche eine Enttäuschung. Mit Blick auf die Inflation mehren sich jedoch die Indizien, dass sich etwas zusammenbraut. Wie so häufig scheinen die Rohstoffpreise die Speerspitze der Reflationierung zu sein.

Seit Jahresbeginn sind die Preise für Rohöl, Kupfer, Aluminium, Eisenerz, Holz und Sojabohnen um mehr als 30% angestiegen. Hinzu kommt die immense Verteuerung der Frachtkosten. Noch weisen viele Unternehmen darauf hin, dass sie sich gegen steigende Rohstoffpreise abgesichert haben. Erste Preisüberwälzungen haben aber bereits stattgefunden wie die anziehenden Erzeugerpreise zeigen. Ausserdem sind die Umfragen hinsichtlich der künftigen Richtung der Absatzpreise eindeutig: es geht nach oben. 

Bis der Teuerungsdruck bei den Verbrauchern ankommt, dauert es eine Weile. Historische Erfahrungen lassen aber keinen Zweifel, dass in einem Umfeld hoher Nachfrage eine Überwälzung stattfindet. Das Problem mit den Engpässen bei Rohstoffen und Vorprodukten dürfte sich darüber hinaus nicht so schnell lösen lassen, wie sich das viele erhoffen. Kapazitätserweiterungen verlaufen in diesen Bereichen schwerfällig.   

Kommt hinzu, dass zahlreiche Rohstoffe ein begehrtes Gut bleiben. So wurde die Corona-Krise von vielen Staaten dazu genutzt, »grüne« Investitionsprogramme aufzulegen. Sie beinhalten unter anderem den Ausbau von Stromnetzen, Windparks, des öffentlichen Nahverkehrs und der E-Mobilität. Die Programme haben eines gemeinsam: Die Nachfrage nach Rohstoffen und Baumaterialien wird weiter befeuert. Insgesamt ist aus unserer Sicht die Basis für eine Reflationierung gelegt.

Die Beschäftigungsentwicklung in den USA hat dagegen einen Dämpfer erfahren. Im April ist nur ein Viertel des prognostizierten Stellenzuwachses eingetreten (266 Tsd. statt 1 Mio.). Dies scheint aber weniger ein Problem der Arbeitsnachfrage als des Arbeitsangebots gewesen zu sein. So schrecken offenbar nach wie vor viele US-Amerikaner aus Angst vor Covid-19 vor der Arbeitsaufnahme zurück. Auch die mangelnde Kinderbetreuung wird als Jobbremse gesehen. Mit den weiteren Öffnungsschritten werden diese Probleme aber abnehmen. Der Arbeitsmarktausblick für die USA bleibt somit freundlich. Dessen ungeachtet hat die Fed erst einmal Zeit gewonnen, um den Ball bei der Tapering-Debatte flachzuhalten. Im Rahmen der kommenden Juni-Sitzung dürfte sie nochmals ihre abwartende Haltung bekräftigen. 

Während der US-Arbeitsmarktbericht enttäuschte, gab es umso mehr Positives aus Europa. Allen voran hat sich hier die Infektionslage weiter verbessert, womit sich die Perspektiven für den Dienstleistungssektor spürbar aufgehellt haben. Innerhalb der EZB wird daher die Diskussion, ob die aktuell erhöhten Wertpapierkäufe ab dem 3. Quartal wieder zurückgefahren werden sollen, einen zusätzlichen Schub erfahren.

Fazit: Der Tapering-Debatte in der USA wurde zwar nochmals eine Verschnaufpause gewährt. Insgesamt ist aber die Trendwende in der Geldpolitik nicht mehr aufzuhalten. Die Notenbanken werden, wenn auch in kleinen Schritten, in den nächsten Monaten den Fuss vom Gaspedal nehmen. 

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