Kommentar
13. September 2021

Aktien: Für eine Korrektur ist es noch zu früh – die Luft wird aber dünner

Nach einem spektakulären 1. Halbjahr ist das Umfeld für Aktien im 2. Halbjahr rauer geworden. Während DAX und Dow Jones seit der Jahresmitte   stagnieren, gewann der S&P nur magere 3% hinzu (1. Halbjahr: +15%). Aktien der Emerging Markets liegen sogar im Minus. Lediglich die japanischen Börsen setzten zuletzt zum Höhenflug an, was jedoch einer Sonderentwicklung geschuldet ist – der Hoffnung auf eine neue Regierung, die zusätzliche Ausgabenprogramme lanciert. 

Die Gründe für das jüngste weltweite Durchschnaufen bei Dividendenpapieren liegen auf der Hand. In Europa, den USA und zahlreichen asiatischen Ländern kündigt sich für den Herbst eine weitere Coronavirus-Welle an, die möglicherweise mit neuen Einschränkungen verbunden ist. Gleichzeitig sind – mit Ausnahme Japans – keine neuen Fiskalpakete in Sicht, die unmittelbar dagegenhalten. Auch China fällt derzeit als globale Konjunkturlokomotive aus. Das Reich der Mitte kämpft an vielen Fronten mit eigenen Problemen.

Und selbst die Geldpolitik, auf die sich die Investoren in den vergangenen Monaten stets verlassen konnten, geht den Aktienmärkten allmählich von der Fahne. So hält die Fed offenbar stur an ihren Tapering-Plänen fest – ungeachtet der zuletzt durchwachsenen Konjunkturdaten. Noch in diesem Jahr soll mit der Reduzierung der Wertpapierkäufe begonnen werden. Die EZB verlässt ebenfalls allmählich den Krisenmodus und will im 4. Quartal weniger Wertpapiere kaufen.

Alles in allem stottert die Konjunktur, während gleichzeitig die Makro-Politik in Deckung geht. Der Rückenwind für Aktien hat fraglos nachgelassen. Muss man sich ernsthaft Sorgen machen? Für eine nachhaltige Korrektur an den Börsen dürfte das beschriebene Umfeld noch nicht ausreichen. Hierzu müssten sich weltweit Rezessionsängste breitmachen. Auszuschliessen ist eine Verschärfung des konjunkturellen Abwärtstrends zwar nicht. So könnte sich die Pandemie erneut als Brandbeschleuniger erweisen, wenn im Winter doch wieder harte Lockdowns verhängt werden müssen. 

Wahrscheinlicher ist indes, dass sich die Lage in den kommenden Monaten beruhigt. Hoffnung machen in dieser Hinsicht die in vielen europäischen Ländern rückläufigen Neuinfektionszahlen. Ausserdem bestehen in den nächsten Wochen gute Chancen auf steigende Impfquoten – der Druck auf die Ungeimpften wird jedenfalls immer grösser.  

Sobald die Pandemie abebbt, werden Unternehmen und Privathaushalte schnell wieder Vertrauen zurückgewinnen. Die in den USA und Europa prall gefüllten Sparrücklagen dürften für Konsum- und Investitionszwecke angezapft werden. Die Weltwirtschaft sollte in der Folge einen Zwischenspurt einlegen, der die Aktienmärkte nochmals beflügelt. 

So weit so gut. Wird der Blick indes noch weiter nach vorne gerichtet, darf sich der Investor nichts vormachen: Die Nachholeffekte und Fiskalimpulse werden 2022 übergeordnet an Kraft verlieren. Das weltwirtschaftliche Expansionstempo dürfte entsprechend sukzessive nachlassen. Dann wird das Fahrwasser für Aktien noch ungemütlicher als jetzt, zumal mit den gestiegenen Inflationsrisiken und der Wende in der Geldpolitik weitere Belastungsfaktoren hinzukommen. Man kann es somit drehen und wenden, wie man will, die Luft für Risikoassets wird perspektivisch dünner.

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