Medienspiegel
22. Januar 2021

2021 dürfte ein gutes Jahr für Aktien werden

Die Corona-Krise hat eher den Charakter einer Naturkatastrophe und ist keine Rezession im herkömmlichen Sinne. Das hat »Bantleon Chefvolkswirt« Dr. Daniel Hartmann im Interview mit dem Schweizer Finanzportal Cash.ch gesagt. »Wir hatten vor der Krise keine Ungleichgewichte. Bei der Finanzkrise war der Crash der Übertreibung am Immobilienmarkt und der ausufernden Verschuldung geschuldet, während für die Corona-Krise ein exogener Schock der Auslöser gewesen ist.« Wenn die Pandemie besiegt sei, werde sich die Wirtschaft schnell wieder erholen.

Mit dem Aufschwung der Konjunktur werden sich Hartmann zufolge auch die Aktienkurse weiter nach oben bewegen. Schon jetzt sei die Stimmung vieler Anleger positiv, was die jüngsten Kurssteigerungen erkläre: »Die Marktteilnehmer sehen wegen der Impfstoffe das Krisenende vor sich. Es besteht keine langjährige Vertrauenskrise, wie wir sie bei der Finanzkrise erlebt haben. Mehr noch, die Fiskalprogramme werden Nachwirkungen haben und die Wirtschaftserholung befeuern.« Im Jahresverlauf rechnet der Chefvolkswirt mit einem deutlichen Plus an den Aktienmärkten. »Doch danach wird es viel schwieriger werden, wenn sich die Inflation auf vergleichsweise hohem Niveau verfestigt.«

Hartmann geht sowohl für die Eurozone als auch für die USA davon aus, »dass die Inflation zügig wieder 2% erreichen wird. Wir glauben entgegengesetzt zur vorherrschenden Meinung, dass sich in vielen Wirtschaftsbereichen schnell Kapazitätsengpässe einstellen werden. Preissteigerungen werden die Folge sein. Auch die Fiskalprogramme werden die Inflation anschieben, weil sie die Nachfrage befeuern: Es werden überall grosse Infrastrukturprojekte in Gang gesetzt. Zum Teil auch, um Klimaziele zu erreichen. Dies wird im Bau-, Immobilien und Handwerkssektor zu Preissteigerungen führen.« Hinzu komme der bereits bestehende Deglobalisierungstrend. »Wir sprechen über einen langwierigen Prozess, der schon vor Corona in Gang gekommen ist«, erklärte Hartmann. »Viele Unternehmen haben gesehen, dass ihre Lieferketten zu komplex sind. Die Unternehmen wollen daher die Produktion wieder stärker regionalisieren, grössere Lagerbestände anlegen und bewusst für das gleiche Zulieferprodukt mehrere Lieferanten haben. Dies verteuert den Produktionsprozess.«

Die Inflation werde in den nächsten Jahren im Bereich von 2% bis 4% liegen. »Die Notenbanken werden als Reaktion die Leitzinsen anheben müssen. Dies wird mit einem moderaten Renditeanstieg einhergehen und an den Anleihemärkten für Kursverluste sorgen. Für die Aktienmärkte bedeutet dies ebenso nichts Gutes, weil die relative Attraktivität von Aktien Einbussen erleiden wird.«

Für Anleger bedeute dieses Szenario, dass sie in Zukunft ihre Anlagen aktiver bewirtschaften müssten: »Eine gute Titelauswahl bei Aktien wird wichtiger als in der Vergangenheit. Es werden sich Aktien von Unternehmen durchsetzen, die gut geführt werden und gute Bilanzen haben sowie von langfristigen strukturellen Trends profitieren. Wir werden seltener eine Situation sehen, wo der Gesamtmarkt ansteigt und es eigentlich fast egal ist, welche Aktien ein Investor kauft.«

An den Anleihemärkten böten sich Chancen, wenn die Renditen wieder etwas gestiegen seien. »Bis dahin stehen erst mal Kursverluste ins Haus. In dieser Phase müssen Investoren ihre Portfolios aktiv steuern und Anleihen mit kürzeren Laufzeiten wählen. Alternativ bieten sich inflationsgeschützte Staatsanleihen an, die in diesem Umfeld gut performen. Auch die Anleihemärkte in den Schwellenländern sollten attraktiv bleiben, da dort bereits jetzt ein höheres Renditeniveau vorherrscht.«

Gold sieht der Chefvolkswirt in diesem Umfeld moderat positiv. Es biete sich als »Versicherungsschutz« an und könne gut 5% bis 10% im Portfolio einnehmen.

Lesen Sie hier das vollständige Interview.

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