Kommentar
17. August 2020

US-Wirtschaft befeuert Aktienmärkte

Bei der Bewertung des Coronavirus muss der Investor derzeit zwei Sachverhalte abwägen. Auf der einen Seite ziehen die Neuinfektionszahlen in Europa wieder spürbar an, was die konjunkturelle Erholung dort gefährden könnte. Auf der anderen Seite hat die Wahrscheinlichkeit zugenommen, dass noch in diesem Jahr ein Impfstoff die Zulassung erhält. Das könnte den Boden für einen neuerlichen weltwirtschaftlichen Schub bereiten.

Was das Virusgeschehen in Europa anbetrifft, ist vor allem die Lage in Spanien prekär. Hier hat die Zahl der Neuinfektionen pro eine Mio. Einwohner landesweit inzwischen klar die Marke von 50 überschritten. Nach Grossbritannien hat daher auch Deutschland das Land zum Risikogebiet erklärt. Dem spanischen Tourismus droht ein zweiter massiver Rückschlag.

Aber auch in anderen Ländern nimmt die Ansteckungsgefahr zu. Dies veranlasst die Behörden zu neuen Schutzmassnahmen. In Italien müssen z.B. ab heute wieder alle Diskotheken schliessen. In Frankreich wurden Paris und Marseille zu Hochrisikogebieten erklärt (die Behörden können Einschränkungen erlassen). In Belgien gilt in Brüssel seit vergangener Woche eine allgemeine Maskenpflicht. Ausserdem wurden grössere Menschenansammlungen verboten. In Deutschland sind für Rückreisende aus Risikogebieten Tests zwingend vorgeschrieben.

All dies fällt indes noch unter die Rubrik von »weichen« Massnahmen, die keinen grösseren wirtschaftlichen Schaden anrichten dürften. Zwar ist keineswegs sicher, ob damit das Virusgeschehen unter Kontrolle zu bekommen ist. Es macht jedoch Mut, dass sich in manchen Ländern die Lage bereits wieder entspannt hat. In Portugal scheint z.B. die lokale Ausgangssperre in einigen Vororten von Lissabon ausgereicht zu haben, um den Aufwärtstrend bei den Neuinfektionen zu brechen. Ähnliches gilt für Luxemburg.

Im Ergebnis dürften sich die wirtschaftlichen Rückschläge – mit Ausnahme des Tourismus – auf Randgebiete beschränken, d.h. die Freizeit- und Eventbranche, den Kulturbereich und den Flugverkehr. In der Industrie, der Bauwirtschaft und grossen Teilen des Servicesektors sollte dagegen der Trend zur Normalisierung anhalten. Damit bestehen gute Chancen, dass sich die wirtschaftliche Belebung in Europa in den nächsten Monaten fortsetzt.

Weiter aufhellen würden sich die Perspektiven, sobald ein Impfstoff verfügbar ist. Der Wettlauf darum ist längst entbrannt. Insgesamt sind weltweit rund 170 Projekte am Laufen. Acht potenzielle Impfstoffe befinden sich bereits in Entwicklungsphase III, d.h. es werden umfangreiche klinische Tests mit mehreren Tausend Probanden durchgeführt. Experten sind mittlerweile der Meinung, dass zumindest ein Kandidat die Zulassung in den USA oder Europa noch in diesem Jahr erhalten wird. Dann ist natürlich immer noch nicht sicher, wie wirksam der Impfstoff ist und wie schnell er weltweit verfügbar ist. Dennoch könnte es der Anfang vom Ende des Virus sein.

Alles in allem beginnt die Uhr zu ticken. Wenn im Oktober die Grippesaison anläuft, dürfte die Gefahr einer zweiten Viruswelle akuter werden. Gleichzeitig könnte jedoch die Zulassung eines Impfstoffs für Entspannung sorgen. 

Werden Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen, erscheint uns derzeit das Potenzial einer positiven Impfstoff-Überraschung grösser als die Gefahr eines erneuten scharfen Lockdowns. Dies spricht weiterhin dafür, Risikoassets in den Portfolien leicht überzugewichten.

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