Kommentar
10. Februar 2020

US-Wirtschaft 2020 auf Erholungskurs

Anfang dieser Woche nehmen eine Reihe von Unternehmen in China nach den zwangsverlängerten Neujahrsferien wieder die Arbeit auf. Von einer Rückkehr zur Normalität kann dabei noch nicht die Rede sein. Vielerorts wird die Produktion nur in geringem Ausmass hochgefahren und es ist nach wie vor unklar, wie lange und wie umfangreich die internationalen Wertschöpfungsketten durch den Ausstand in China belastet werden.

Während die globalen Konjunkturperspektiven von dieser Seite weiterhin getrübt werden, darf nicht übersehen werden, dass die weltwirtschaftlichen Wachstumsrisiken an anderer Stelle merklich zurückgegangen sind. So hatte noch Anfang des Jahres in den USA der Absturz des ISM-Einkaufsmangerindikators im verarbeitenden Gewerbe auf den zweitniedrigsten Wert seit zehn Jahren die Angst geschürt, die Industrierezession in der grössten Volkswirtschaft der Welt würde sich immer weiter verschärfen. Hinzu war ein enttäuschend schwacher Arbeitsmarktbericht für Dezember gekommen, der die Sorgen vor einer Ausweitung dieses Abschwungs angeheizt hatte.

Die Daten der vergangenen Woche gaben hier indes – wie von uns erwartet –Entwarnung. Der ISM-Index ist im Januar regelrecht in die Höhe gesprungen (auf 50,9 Punkte) und hat dabei sogar die psychologisch wichtige Expansionsschwelle von 50,0 Punkten überschritten. Bei der Zahl neugeschaffener Beschäftigungsverhältnisse war ebenfalls ein Satz nach oben auszumachen, womit die Dezemberschwäche komplett ausgeglichen wurde. Im Mittel der vergangenen beiden Monate steht nun ein Stellenzuwachs von rund 190.000 zu Buche. Das zeigt, dass der US-Arbeitsmarkt weiterhin brummt und nach wie vor eine wichtigste Stütze des Wirtschaftswachstums ist.

Daneben liefert der Anstieg des ISM-Index einen wichtigen Beleg für die sich anbahnende Trendwende bei der Kapitalgüternachfrage der Unternehmen. Wir hatten bereits des Öfteren darauf hingewiesen, dass die 2019 dominierende und konjunkturell belastende Investitionsschwäche im laufenden Jahr in eine Erholung übergehen dürfte. Unsere weiter vorauslaufenden Frühindikatoren kündigen eine derartige Belebung bereits seit geraumer Zeit an. Zum einen sorgen die verbesserten Finanzierungskonditionen infolge der deutlich gesunkenen Zinsen für neuen Schub. Zum anderen hat der Abschluss des Phase-1-Handelsabkommens mit China die Unsicherheit hinsichtlich des protektionistischen Kurses der US-Regierung merklich reduziert. Das schafft die Basis, damit aufgeschobene Ersatz- und Erneuerungsinvestitionen nachgeholt werden.

Die gegenwärtig dominierende Verunsicherung durch den Ausbruch des Coronavirus in China sollte dieses grundlegend verbesserte makroökonomische Umfeld für die US-Wirtschaft nicht auf Dauer belasten. Es spricht vieles dafür, dass ähnlich wie in vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit die Epidemie früher oder später eingedämmt wird. Die zwischenzeitlich zu beobachtenden wirtschaftlichen Bremseffekte werden entsprechend lediglich temporärer Natur sein – der Konjunkturausblick für die grösste Volkswirtschaft bleibt mithin positiv. Zumal Donald Trump im Jahr der Präsidentschaftswahl alles daransetzen wird, die Wirtschaft zu stützen.

Daneben sind aber auch die mittelfristigen Perspektiven für die zweitgrösste Wirtschaftsnation, China, erfreulich. Hier dürften die aktuellen konjunkturellen Bremseffekte durch die Virusbekämpfung ebenfalls nur vorübergehend belasten. Die in Aussicht stehenden Stimuli der Regierung zur Milderung der wirtschaftlichen Belastungen werden sogar einen zusätzlichen Schub entfalten. Für die Weltwirtschaft insgesamt sind das gute Aussichten. Nach einem gedämpften Auftakt im 1. Quartal 2020 sollte die globale Konjunkturdynamik im weiteren Jahresverlauf merklich anziehen.

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