Kommentar
13. Januar 2020

Umfeld für Aktienmärkte bleibt freundlich

Die ersten beiden Januar-Wochen endeten jeweils mit einer enttäuschenden US-Zahl. Zunächst wurde bekannt, dass der prominente ISM-Einkaufsmanagerindex der Industrie am Jahresende auf einen 10-jährigen Tiefststand gefallen war (47,2 nach 48,1 Punkten). Am vergangenen Freitag stiess der US-Arbeitsmarktbericht ins gleiche Horn. Im Dezember wurden statt der erwarteten 160.000 nur 145.000 Stellen neu besetzt (nach 256.000 im November).

Beide Nachrichten sind allerdings kein wirkliches Alarmsignal. Die Schwäche beim Industrie-ISM wird mehr als wettgemacht durch die robusten Ergebnisse beim Pendant des Dienstleistungssektors. Gleichzeitig ist der Rücksetzer beim Stellensaldo angesichts des Höhenflugs in den Vormonaten mehr als zu verschmerzen. Betrachtet man die vergangenen sechs Monate ist kaum etwas von Abkühlung bei den Beschäftigungszahlen zu sehen. Im Ergebnis haben bei den US-Daten die bekanntesten Headlines zwar zuletzt enttäuscht, dies stellt aber keinen Beinbruch dar. Die US-Wirtschaft expandiert nach wie vor auf ordentlichem Niveau und ist auch im elften Jahr des Aufschwungs weit von einer Rezession entfernt.

Was die Eurozone anbetrifft, ist weiterhin die deutsche Industrie der zentrale Hemmschuh. Dies spiegelt sich unter anderem im Einkaufsmanagerindex wider, der sich im Dezember mit 43,7 Punkten immer noch erkennbar unter der Expansionsschwelle bewegt. Es verdichten sich jedoch die Hinweise, dass das Schlimmste überwunden ist. So weist etwa die Auftragskomponente des EMI inzwischen einen Aufwärtstrend auf. Die deutsche Industrieproduktion dürfte daher nach einer langen Durstrecke (1½ Jahre) im 1. Halbjahr 2020 wieder zulegen.

Frankreich ist Anfang 2020 erneut mit Massenprotesten in den Schlagzeilen. Die Demonstrationen gegen die Rentenreform hinterlassen aber bei weitem nicht die gleichen Spuren in der Wirtschaft wie die Gelbwestenproteste um den Jahreswechsel 2018/2019. Damals sackten unter anderem das Verbrauchervertrauen sowie das Sentiment der Einzelhändler in den Keller. Davon ist derzeit nichts zu sehen. Frankreich sollte daher wirtschaftlich eine stabilisierende Kraft in der Währungsunion bleiben.

In Asien gibt es manche Parallele zu Deutschland. So ist das verarbeitende Gewerbe dort in den vergangenen zwei Jahren ebenfalls in schwieriges Fahrwasser geraten. Mittlerweile mehren sich aber auch in Asien die grünen Pflänzchen. Vor allem der für die Region wichtige Zyklus der elektrotechnischen Industrie beginnt wieder nach oben zu drehen und selbst bei der chinesischen Autonachfrage gibt es Silberstreifen am Horizont. Sollte nunmehr diese Woche der »Phase-1-Deal« besiegelt und damit der Handelskonflikt zwischen den USA und China besänftigt werden, käme auch noch von politischer Seite spürbarer Rückenwind hinzu.

Alles in allem bahnt sich für die globalen Aktienmärkte ein sehr freundliches makroökonomisches Umfeld an. Die Weltwirtschaft dürfte 2020 wieder Tritt fassen, ohne jedoch zu überhitzen. Die Unternehmen sollten daher im laufenden Jahr bei den Umsatz- und Gewinnschätzungen eher positiv als negativ überraschen. Mögliches Rückschlagspotenzial bieten nach wie vor die zahlreichen geopolitischen Konfliktfelder. Der bisherige Verlauf der USA-Iran-Krise macht jedoch Mut. Er zeigt, dass weder Donald Trump noch die radikalen Kräfte in Persien die Eskalation auf die Spitze treiben wollen.

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