Kommentar
24. August 2020

US-Wirtschaft befeuert Aktienmärkte

Die US-Notenbank strotzt aktuell nicht gerade vor konjunkturellem Optimismus. Im Gegenteil: Bereits vor vier Wochen, nach der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses Ende Juli, hatte Fed-Präsident Jerome Powell auf eine nachlassende Aufschwungsdynamik hingewiesen. Ausserdem mahnte er, es würde sehr lange dauern, bis sich die Wirtschaft von den Belastungen durch das Coronavirus erholt, selbst wenn die Kontaktbeschränkungen nachhaltig zurückgefahren werden. Das in der vergangenen Woche veröffentlichte Protokoll zur Juli-FOMC-Sitzung bekräftigte diese Einschätzungen. Hier heisst es, der aktuelle Ausblick sei mit erheblichen Risiken behaftet.

Zweifelsohne ist die US-Wirtschaft von der Coronavirus-Pandemie schwer getroffen worden. Mehr als jeder siebte Job ging verloren – insgesamt waren es in der Spitze rund 22 Mio. Beschäftigungsverhältnisse. Mittlerweile sind zwar wieder 9 Mio. Stellen geschaffen worden – bis die verbleibenden 13 Mio. Arbeitslosen wieder einen Arbeitsplatz finden, dürfte aber noch einige Zeit vergehen.

So schlimm der Einbruch am Arbeitsmarkt ist, die wirtschaftliche Belebung nach dem Einbruch in Q2 ist ebenso atemberaubend. Das zeigen an erster Stelle die Einzelhandelsumsätze, die trotz rekordhoher Arbeitslosigkeit das Vorkrisenniveau bereits im Juli wieder überschritten haben. Ganz ähnlich präsentiert sich die Lage bei den Verkäufen bestehender Einfamilienhäuser. Möglich gemacht wurde dieses Comeback durch umfangreiche staatliche Hilfen, wie die finanzielle Unterstützung für private Haushalte (üppige Arbeitslosenhilfe und Einkommensschecks), und nicht zuletzt durch die Zinssenkungen der Notenbank.

Die erfreulichen Daten vom privaten Konsum und aus der Bauwirtschaft sind gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Sie zeigen zum einen, dass es hier zu einer echten V-förmigen Erholung gekommen ist, die kräftiger ausgefallen ist, als es sich die meisten Beobachter noch vor Kurzem vorstellen konnten. Zum anderen lassen sie erkennen, dass die im Juli gestiegenen Neuinfektionszahlen und die daraufhin ergriffenen Massnahmen zur Eindämmung des Virus die wirtschaftliche Belebung – anders als im Frühjahr – nur wenig gebremst haben.

Dem Virus haben die neu ergriffenen Kontaktbeschränkungen aber durchaus zugesetzt. Die Neuinfektionszahlen gehen seit Anfang August wieder deutlich zurück. Gleichzeitig lassen die hochfrequenten Aktivitätsdaten – wie beispielsweise die Tischreservierungen in Restaurants – eine erneute konjunkturelle Belebung erkennen. Die US-Wirtschaft ist damit auf gutem Weg, ihren Aufschwung mit hohem Tempo fortzusetzen.

Entscheidend wird natürlich sein, dass die staatliche Unterstützung nicht nachlässt. Das Gezerre um eine Verlängerung der bundesstaatlichen Arbeitslosenhilfe im US-Kongress gibt diesbezüglich kein gutes Bild ab. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich Republikaner und Demokraten früher oder später auf eine Ausweitung der Hilfe einigen. Schliesslich will sich im Wahlkampf keine Partei vorwerfen lassen, die Erholung durch unterlassene Hilfeleistung zu bremsen. Die eingangs erwähnten skeptischen Äusserungen der Fed dürften nicht zuletzt darin motiviert gewesen sein, der Politik hier Beine zu machen.

Alles in allem hat sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet, dass die US-Wirtschaft die Pandemie besser meistern kann als von vielen gedacht. Ausserdem wachsen die Hoffnungen auf einen bald zur Verfügung stehenden Impfstoff. In diesem Umfeld verwundert es nicht, dass die Börsen neue Allzeithochs markieren und vieles spricht dafür, dass in den kommenden Monaten weitere folgen werden.

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