Kommentar
29. Juni 2020

Neuinfektionen in den USA verderben Party

Nach den US-Zahlen haben in den vergangenen Tagen auch die europäischen Wirtschaftsdaten positiv überrascht. Geradezu bilderbuchmässig sind der ifo-Index und andere Stimmungsindikatoren im Juni in die Höhe geschossen. Gleichzeitig nähert sich der Composite-Einkaufsmanagerindex bereits wieder der Expansionsschwelle an, die er im Juli überspringen sollte. Auf das niederschmetternde 2. Quartal wird somit bereits im 3. Quartal eine kräftige Gegenbewegung folgen. Mithin dürften im nächsten Vierteljahr die Spuren des Coronavirus in den Daten immer weniger zu sehen sein. Die Wirtschaftspolitik scheint bislang alles richtig gemacht zu haben. Die Lockerungsmassnahmen haben in Verbindung mit der expansiven Geld- und Fiskalpolitik eine konjunkturelle Abwärtsspirale verhindert.

In einem Punkt haben die USA allerdings kein so glückliches Händchen bewiesen. In zahlreichen Bundesstaaten (vor allem im Süden) wurden die Lockdown-Massnahmen aufgehoben, noch bevor sich ein stabiler Abwärtstrend bei den Neuinfektionszahlen etabliert hat. Die prominentesten Beispiele sind Florida und Texas. In der Folge hat die landesweite Zahl der neuen Coronavirus-Fälle in den vergangenen Tagen ein Rekordhoch nach dem anderen erklommen. Einige Indizien (unter anderem der hohe Anteil positiver Testergebnisse) sprechen dafür, dass der Aufwärtstrend vorerst anhält. Die Gouverneure von Texas und Florida haben darauf reagiert und weitere Lockerungsmassnahmen ausgesetzt bzw. teilweise sogar zurückgedreht.

Für eine gewisse Beruhigung sorgen die Todesfallzahlen, die sich nach wie vor auf moderatem Niveau seitwärts bewegen. Auch die Krankenhauskapazitäten befinden sich – von wenigen Hotspots abgesehen (z.B. Houston) – noch nicht am Anschlag. Die Hoffnung ist, dass dieses labile Gleichgewicht anhält und sich die USA weiter durchwursteln, ohne dass das Gesundheitssystem an seine Grenzen stösst. Drehen die Todesfallzahlen indes doch nach oben (wie dies in New York zu Beginn der Coronavirus-Krise geschehen ist), wird den meisten US-Bundesstaaten nichts anderes übrigbleiben, als erneut Ausgangssperren zu verhängen.

Für die wirtschaftliche Erholung wäre das fatal. Allen voran würde die Konsumnachfrage erneut abstürzen. Hierunter würde nicht nur die US-Konjunktur, sondern auch die Weltwirtschaft leiden. Wir sehen dies zwar nach wie vor nur als ein Risikoszenario an. Die Eintrittswahrscheinlichkeit einer solchen W-förmigen Erholung hat jedoch zugenommen.

Das jüngste Infektionsgeschehen in den USA und die damit verbundenen erhöhten Konjunkturrisiken sprechen in unseren Augen für eine etwas defensivere Ausrichtung in der Asset Allocation. Entsprechend nehmen wir eine leichte Korrektur vor und plädieren bei Aktien und hochqualitativen Staatsanleihen für eine neutrale Positionierung (bislang: Übergewicht bei Risikoassets). Ausgenommen davon sind Peripherie-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen (Investment Grade), die weiterhin erheblich von der Unterstützung der Notenbanken profitieren.

Darüber hinaus ändert sich auch an unserer mittelfristigen konstruktiven Einschätzung zu Risikoassets nichts. Selbst nach einem möglichen Rücksetzer wird sich die weltweite konjunkturelle Erholung übergeordnet fortsetzen. Dafür werden schon allein die Notenbanken und Finanzminister sorgen.

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