Kommentar
10. August 2020

Mehr Chancen als Risiken

An den Finanzmärkten wimmelt es wieder einmal nur so von Risiken. Erstens grassiert in Europa zunehmend die Angst vor der zweiten Coronavirus-Welle. Zweitens scheint sich der Konflikt zwischen China und den USA abermals hochzuschaukeln. Drittens konnten sich die US-Regierung und der Kongress immer noch nicht auf ein weiteres Hilfspaket einigen. Viertens sorgt der Absturz der türkischen Lira erneut für Unruhe.

Befinden wir uns bei der Abwägung von Chancen und Risiken zunehmend im roten Bereich? Nicht einmal Virologen können heute präzise prognostizieren, ob es im Herbst eine ausgeprägte zweite Pandemie-Welle gibt. Was sich jedoch sagen lässt: Die Bevölkerung und die Politik haben aus dem ersten Ausbruch gelernt. Die Hygienemassnahmen sind eingeübt. Ausserdem sind neue Instrumente der Virusbekämpfung verfügbar (Masken, schnellere Testverfahren, Tracing-Apps), die Krankenhäuser sind besser vorbereitet und es ist offenbar möglich, mit gezielten Massnahmen (z.B. dem Verbot von Massenveranstaltungen) recht grosse Wirkung zu erzielen. Ein erneuter scharfer Einbruch der Wirtschaft aufgrund des Coronavirus ist daher in unseren Augen eher unwahrscheinlich.

Die Auseinandersetzung zwischen China und den USA wurde von Donald Trump zuletzt neu befeuert. Der Frontalangriff gegen die chinesischen Apps Tiktok und WeChat (und die dahinterstehenden Firmen) weist Parallelen zu den Huawei-Sanktionen auf. Ausserdem soll am 15. August der Phase-1-Deal auf den Prüfstand kommen. Insgesamt handelt es sich dabei jedoch hauptsächlich um Wahlkampfgetöse. Trump dürfte es bei Nadelstichen gegenüber dem Rivalen belassen und eine ernsthafte Eskalation vermeiden.

Ähnlich ist der Konflikt im US-Kongress gelagert. Vor dem Urnengang wollen weder die Demokraten noch die Republikaner Schwäche zeigen. Am Ende will sich aber auch niemand vorwerfen lassen, die Wirtschaft abgewürgt zu haben. Die Streitparteien haben sich überdies angenähert. Die Republikaner sind mit zusätzlichen Ausgaben in Höhe von einer Billion USD einverstanden. Die Demokraten haben ihre Forderungen von 3,0 auf 2,0 Billionen USD reduziert. Am Ende könnte ein Paket von 1,5 Billionen USD stehen.

Die Situation in der Türkei hatte sich 2019 entspannt. Der Einbruch im Tourismus und die aggressiven Leitzinssenkungen der Notenbank haben jedoch die türkische Lira erneut unter Druck gesetzt. Die Lage ist zweifelsohne ernst, die weltwirtschaftliche Erholung und eine Umkehr der Geldpolitik könnten aber wieder für eine gewisse Beruhigung sorgen. Es sollten überdies nicht alle Schwellenländer über einen Kamm geschoren werden. Gerade in den aufstrebenden asiatischen Staaten dürfte die Dollar-Schwäche im Verbund mit einer wieder anziehenden chinesischen Wirtschaft für Aufwind sorgen.

Alles in allem sind wir zuversichtlich, dass das Pendel nicht weiter in Richtung grösserer Risiken ausschlägt. Stattdessen dürften die Chancen wieder stärker ins Blickfeld rücken. Die Konjunkturzahlen der vergangenen Wochen haben nahezu ausnahmslos positiv überrascht. Teilweise bezogen sich die Daten bereits auf den Juli und haben somit gezeigt, dass der von der Pandemie ausgehende Gegenwind begrenzt ist. Ausserdem sind die Aussichten auf die baldige Verfügbarkeit eines Impfstoffes gestiegen. Immer häufiger ist – auch aus seriösen Quellen – davon die Rede, dass bereits Ende 2020 bzw. Anfang 2021 ein wirksames Serum vorliegen könnte. In Anbetracht dessen gehen wir davon aus, dass an den Märkten das Risk-on-Sentiment die Oberhand behält und Risikoassets ihren volatilen Aufwärtstrend fortsetzen.

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