Kommentar
2. März 2020

Kurzfristig ist weiter Vorsicht geboten

Seit dem Jahr 2011 hatte man das nicht mehr erlebt. Innerhalb einer Woche sackten die Kurse an den Aktienbörsen um mehr als 10% ab. Die Angst geht um, dass die Weltwirtschaft durch die unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus abstürzt. In Asien und Europa haben die stark anziehenden Infektionszahlen zu teilweise drastischen Anordnungen der Behörden geführt, was sich negativ im Konsum niederschlagen wird. Aber auch in der Produktion hinterlässt das Virus Spuren, wenn Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden und nur noch von zu Hause arbeiten dürfen. Hinzu kommt die »Produktionspause« in China. Der Weltkonjunktur droht ein schwerer Rückschlag. Wie geht es in Anbetracht dessen an den Börsen weiter?

Kurzfristig dürfte die Zahl der Neuinfizierten in Europa und Asien (ohne China) weiter zulegen. In den USA steht die Grippeepidemie erst am Anfang. Es ist somit wahrscheinlich, dass das öffentliche Leben und die Produktion weltweit noch stärker eingeschränkt werden, als es bislang bereits der Fall ist. Insgesamt ist in Bezug auf das Coronavirus von weiteren Hiobsbotschaften auszugehen, welche Aktien und andere Risikoassets belasten.

Unser Basisszenario ist indes, dass spätestens Anfang April die Infektionszahlen zurückgehen – aufgrund des wärmeren Klimas, aber auch wegen der behördlichen Massnahmen. Das Wirtschaftsleben würde sich dann allmählich wieder normalisieren und parallel dazu würden die Finanzmärkte Zuversicht tanken. Die Störungen hätten sich auf einen überschaubaren Zeitraum beschränkt, sodass langfristig keine negativen Folgen für die Konjunktur zu befürchten sind. Vielmehr sollte es ab dem Ende des 2. Quartals wieder zu einer kräftigen zyklischen Belebung kommen.

Hinzu kommt, dass die Geld- und Fiskalpolitik bereits in den Startlöchern steht. Schon jetzt signalisiert die Fed, dass sie im Rahmen der nächsten Sitzung (17./18. März) mit einer Leitzinssenkung reagiert. Auch erste Fiskalmassnahmen werden von verschiedenen Staaten (Italien, Japan, Hongkong, USA etc.) in Aussicht gestellt. Unter Umständen kommt es sogar zu einer konzertierten Aktion der Geld- und Fiskalpolitik mit der Absicht, die Weltwirtschaft vor dem Absturz zu bewahren.

Es lässt sich schwer abschätzen, wie wohlwollend diese Signale der Wirtschaftspolitik von den Finanzmärkten aufgenommen werden. Sehen die Investoren darin wenig Nutzen oder einen wichtigen Baustein zur Bekämpfung der Krise? Sollte Letzteres der Fall sein, könnte die Risk-on-Stimmung bereits im laufenden Monat zurückkehren.

Natürlich könnte auch alles ganz anders kommen – viel negativer. So könnte sich die Pandemie als hartnäckiger erweisen als gedacht. In der Folge sind noch wesentlich drastischere Massnahmen notwendig, um das Virus unter Kontrolle zu bekommen. Dann sehen sich die Unternehmen möglicherweise einem längeren Nachfrageausfall gegenüber. Sie entlassen Mitarbeiter und stellen Investitionen zurück. Aus dem Schock heraus entwickelt sich eine konjunkturelle Abwärtsspirale, die das ganze Jahr über anhält.

Dieses Risikoszenario darf nicht ausser Acht gelassen werden. In unserem Basisszenario gehen wir jedoch in den nächsten Wochen von einer Beruhigung der Lage und damit zugleich einer Rückkehr des Risk-on-Sentiments aus. Der Wiedereinstieg in Risikoassets sollte daher vorbereitet werden. Bis es soweit ist, scheint jedoch aufgrund der vielfältigen Gefahren eine neutrale bis defensive Ausrichtung der Asset Allocation angebracht.

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