Kommentar
6. Januar 2020

Iran-Schock bremst Optimismus

Anfang 2020 herrscht an den Finanzmärkten eine Mischung aus Optimismus und Unbehagen. Optimismus, weil sich die Lage im Handelsstreit beruhigt hat. Unbehagen, weil sich die globalen Aktienmärkte in der Nähe von Rekordständen befinden und gleichzeitig überall potenzielle Krisenherde lauern. Ein Beleg dafür liess nicht lange auf sich warten. Die gezielte Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani am 3. Januar löste die erste Schockwelle im neuen Jahr aus. Die Racheankündigungen aus dem Iran sowie die präventiven Gegendrohungen aus Washington sorgen für Unsicherheit und haben nicht zuletzt den Ölpreis nach oben katapultiert.

Es bleibt zu hoffen, dass Donald Trump seinem bisherigen Motto treu bleibt, und keinen unnötigen Krieg im Nahen Osten vom Zaun bricht, zumal es bezweifelt werden kann, ob getötete US-Soldaten und ein steigender Ölpreis eine Wahlkampfhilfe darstellen. Neben dem Irankonflikt gibt es aber natürlich noch eine Vielzahl anderer Gefahrenherde – in Libyen, dem Jemen, Afghanistan, Hongkong oder der Kaschmirregion. Mit Blick auf Europa könnte wiederum der Brexit im laufenden Jahr ein Dauerbrenner bleiben.

Ist die Welt derzeit aber tatsächlich mit mehr Krisenherden als sonst konfrontiert? Laut Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) hat zumindest die Zahl der Kriege seit 2017 leicht abgenommen (von 32 auf 28). Oft genug konnten in der Vergangenheit zunächst bedrohliche Konflikte wieder eingedämmt werden. Erinnert sei unter anderem an den Einmarsch Russlands auf der Krim oder den Ukraine-Konflikt (Anfang 2014). An den Finanzmärkten erwiesen sich solche Ereignisse zumeist als Sturm im Wasserglas. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch im aktuellen Iran-Konflikt der Fall sein wird.

Von grösserer Bedeutung für die Finanzmärkte als die Spannungen im Nahen Osten dürfte daher weiterhin der Handelskonflikt bleiben. Er hat im vergangenen Jahr auf der ganzen Welt für Verunsicherung bei den Unternehmen gesorgt, langfristige Lieferketten in Frage gestellt und damit Investitionsentscheidungen blockiert. Hier stehen die Chancen nach wie vor gut, dass Trump die Lage im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl nicht eskalieren lässt, sondern auf Eindämmung setzt. Auch die US-Wirtschaft hat in Teilen mit Problemen zu kämpfen. Der jüngste Rückgang des ISM-Einkaufsmanagerindex auf ein 10-Jahres-Tief sollte in dieser Hinsicht Warnung genug sein.

Betrachtet man den Datenstrom in Europa und Asien ist indes Zuversicht angebracht. In den vergangenen Wochen trat keine weitere Eintrübung des konjunkturellen Umfelds ein. Im Gegenteil, Barometer wie der ifo-Index haben sich im 4. Quartal erholt. Gleichzeitig fallen die Zahlen aus den Bereichen der Konsumnachfrage und des Dienstleistungssektors anhaltend robust aus. Sollte sich das geopolitische Umfeld wieder einrenken, steht somit einer moderaten konjunkturellen Erholung in Europa in diesem Jahr nichts im Wege.

Alles in allem bleibt einem Investor angesichts der jüngsten Ereignisse nichts anderes übrig, als erst einmal auf Sicht zu fahren und abzuwarten. Nach unserem Dafürhalten ist die Wahrscheinlichkeit aber hoch, dass sich die politische Lage beruhigt und somit die Risk-on-Stimmung erneut die Oberhand gewinnt. Risikoassets sollten daher in den nächsten Monaten wieder ihren übergeordneten Aufwärtstrend aufnehmen.

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