Analyse
11. Juni 2020

Fed setzt ultraexpansive Geldpolitik ohne Abstriche fort

Die US-Notenbank zeichnet nach wie vor einen skeptischen Konjunkturausblick. Nach ihrer Einschätzung wird es lange dauern, bis die wirtschaftlichen Schäden der Coronavirus-Krise beseitigt sind. Entsprechend halten die Währungshüter nicht nur an der ultraexpansiven geldpolitischen Ausrichtung fest. Sie stellen auch eine Ausweitung des Niedrigzinsversprechens in Aussicht.

Die US-Notenbank hat im Anschluss an die gestrige Sitzung des Offenmarktausschusses ihren skeptischen Konjunkturausblick wiederholt und entsprechend die wesentlichen Eckpunkte der geldpolitischen Ausrichtung unverändert belassen:

  • Die Leitzinsbandbreite bleibt bei 0,00% bis 0,25%.
  • Beim Leitzinsausblick heisst es nach wie vor, dass am aktuellen Tiefzinsniveau so lange festgehalten wird, »bis die Wirtschaft die aktuellen Herausforderungen bewältigt hat und auf Kurs zur Erreichung des Inflations- und Beschäftigungsziels ist«.
  • Die Anleihenkäufe zur Unterstützung eines reibungslosen Marktgeschehens werden fortgesetzt. Was den Umfang der Käufe angeht, ist die Fed jedoch konkreter geworden. Bisher sollte »so viel wie nötig« gekauft werden. Nun heisst es: »die Käufe werden mit mindestens dem aktuellen Tempo fortgesetzt«. Der bisherige Trend, die Käufe von Woche zu Woche zu reduzieren, kommt damit zu einem Ende. Gemäss einer Konkretisierung durch die New York-Fed werden nun monatlich rund 80 Mrd. USD an US-Staatsanlei­hen und rund 40 Mrd. USD an MBS gekauft.

Skeptische Prognosen der Fed

Quelle: Federal Reserve; * in % gegenüber Vorjahr; ** in % in Klammern Prognosen vom Dezember 2019

Bei den turnusgemäss veröffentlichten Makroprognosen gab es keine grossen Überraschungen. Nach Einschätzung der Währungshüter wird sich die Arbeitslosenquote mit 5,5% bis 6,5% in den kommenden zweieinhalb Jahren über dem neutralen Niveau bewegen und die Inflationsrate mit 1,5% bis 1,7% unter dem 2%-Ziel. Im Einklang damit gehen die FOMC-Mitglieder von unveränderten Leitzinsen bis mindestens Ende 2022 aus (vgl. Tabelle oben).

Im Rahmen seiner Pressekonferenz ging Notenbankpräsident Jerome Powell darüber hinaus auf künftig mögliche Änderungen in der geldpolitischen Ausrichtung ein. Demnach habe man im FOMC über eine Anpassung der Forward Guidance diskutiert und sich ausführlich über die Erfahrungen anderer Notenbanken mit Zinsobergrenzen (Yield Curve Control – YCC) informieren lassen. Gegenwärtig halte man aber die aktuelle geldpolitische Ausrichtung für angemessen, wenngleich diese Themen im Rahmen der kommenden FOMC-Sitzungen weiter diskutiert werden sollen.

Wir gehen davon aus, dass die US-Wirtschaft in den nächsten Monaten auf einen Erholungskurs einschwenkt. Ungeachtet dessen dürften die Währungshüter angesichts der nur langsam abnehmenden Unterauslastung der US-Wirtschaft weiterhin alles daransetzen, die konjunkturelle Belebung mit einer anhaltend expansiven geldpolitischen Ausrichtung zu unterstützen. Powell betonte in seinen Ausführungen, vor allem am Arbeitsmarkt »gebe es noch viel zu tun«.

Darüber hinaus wird die Fed in den kommenden Monaten die Ergebnisse ihrer mittelfristigen Strategieüberprüfung bekannt geben, bei der es wahrscheinlich zu einer neuen Auslegung des Inflationsziels kommt. Anstatt sich wie bisher auf ein absolutes Zielniveau für die Inflationsrate zu fokussieren, könnte die Fed stärker zum Ausdruck bringen, diesen Wert im Durchschnitt eines längeren Zeitraums erreichen zu wollen. Auf eine lange Phase zu tiefer Inflation müsste dann ein entsprechend langer Zeitraum mit höheren Teuerungsraten folgen, was im aktuellen Umfeld ebenfalls für eine ultraexpansive Geldpolitik sprechen würde. Vor diesem Hintergrund rechnen wir im Rahmen der kommenden FOMC-Sitzungen mit einer Ausweitung der Forward Guidance (z.B. durch die Kopplung an das Beschäftigung- und Inflationsziel). Daneben sehen wir die Chance, dass zusätzlich zur Bekräftigung des Tiefzinsausblicks Zinsobergrenzen für kurz laufende Staatsanleihen festgelegt werden (YCC).

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