Kommentar
24. Februar 2020

Die weltwirtschaftlichen Risiken der Virusepidemie sind gestiegen

Die jüngsten Ereignisse in Italien und Südkorea haben das Risiko einer durch das Coronavirus verursachten Pandemie spürbar erhöht. In beiden Ländern ist die Zahl der Neuinfizierten in den vergangenen Tagen sprunghaft angestiegen. Erschwerend kommt hinzu, dass der genaue Infektionsherd unklar ist. Wie in China reagieren die Behörden mit drastischen Massnahmen: Ganze Städte werden unter Quarantäne gestellt, Ausgangssperren verhängt, öffentliche Einrichtungen geschlossen, Veranstaltungen abgesagt etc. In der Folge wird es in den nächsten Wochen zu deutlich negativen Auswirkungen auf den privaten Konsum kommen. Dies gilt umso mehr, als auch die Bevölkerung in den umliegenden Regionen verängstigt ist und die sozialen Kontakte zurückschraubt.

Noch haben Italien und Südkorea den Kampf gegen die Ausbreitung der Grippeepidemie nicht verloren. Das Risiko ist indes gross, dass weitere Landstriche betroffen werden und das Virus plötzlich in anderen Staaten auftaucht. Je mehr Regionen involviert sind, desto mehr Transportwege sowie Lieferketten sind betroffen, und umso grösser ist der Schaden für die Wirtschaft. Mithin könnten weite Teile Asiens und Europas (und vielleicht auch noch Amerikas) lahmgelegt werden. Bei immer grösseren Umsatzausfällen, nimmt überdies die Gefahr zu, dass Unternehmen in Liquiditätsschwierigkeiten geraten.

Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen. Noch stehen nur wenige Tausend Menschen ausserhalb Chinas unter Quarantäne. Es besteht daher unverändert die Möglichkeit, dass die Grippewelle im Rest der Welt lokal begrenzt bleibt. Im Reich der Mitte selbst gibt es zudem erste Silberstreife am Horizont. Die Zahl der Neuinfizierten sinkt und das Wirtschaftsleben beginnt sich langsam wiederzubeleben. Ausserdem ist es nach wie vor sehr wahrscheinlich, dass die Grippewelle im Frühjahr abebbt und früher oder später ein Impfstoff zur Verfügung steht. Die Möglichkeit eines lediglich temporären weltwirtschaftlichen Rückschlags ist daher immer noch gegeben und unser Basisszenario bleibt, dass es im 2. Halbjahr 2020 wirtschaftlich wieder aufwärts gehen sollte.

Dennoch, wägt man Chancen und Risiken gegeneinander ab, schlägt das Pendel immer stärker Richtung Risiko aus. Mithin hat die Wahrscheinlichkeit zugenommen, dass die Grippewelle zum einen die Weltwirtschaft kurzfristig stärker belastet als zunächst erhofft. Selbst eine Schrumpfung des weltweiten BIP im 1. Quartal 2020 ist nicht mehr ausgeschlossen. Zum anderen könnte die Epidemie länger andauern und auch noch auf das 2. Quartal stärker ausstrahlen. Beides zusammengenommen könnte das Sentiment aufseiten der Unternehmen und Finanzmärkte nachhaltig belasten und damit eine konjunkturelle Abwärtsspirale im Jahr 2020 hervorrufen.

Die Aussicht auf eine weltwirtschaftliche Krise würde zwangsläufig auch die Notenbanken auf den Plan zurückrufen. Trotz des mittlerweile begrenzten Spielraums werden die Währungshüter im Fall der Fälle nichts unversucht lassen, um einen konjunkturellen Absturz zu verhindern.

Alles in allem hat sich das Umfeld für Risikoassets unserer Einschätzung nach in den vergangenen Tagen verschlechtert. Allen voran hat das Risiko einer Korrektur an den Aktienmärkten zugenommen. Gleichzeitig dürften die sicheren Häfen von den jüngsten Ereignissen zusätzliche Unterstützung erfahren.

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