Presse-Information, Kommentar
6. April 2020

Der Exit naht, es bleiben aber Stolpersteine

Die ersten Konjunkturdaten vom März aus Europa und den USA sind häufig noch schlechter ausgefallen als befürchtet. Schlaglichter waren zweifellos die Abstürze in den Einkaufsmanagerindizes der Eurozone sowie die negativen Arbeitsmarktdaten aus den USA und Spanien. Angesichts der Tatsache, dass Umsätze und Produktion in vielen Bereichen der Wirtschaft auf null zurückgefahren wurden, ist dies aber auch kein Wunder. Die schwerste Rezession der Nachkriegszeit, die durch staatliche Zwangsschliessungen herbeigeführt wurde, bahnt sich im 1. Halbjahr 2020 ihren Weg.

Die Hoffnungen ruhen daher auf dem 2. Halbjahr. Lange Zeit ging man davon aus, dass der Spuk ab Mai/Juni vorbei ist und alles wieder normal läuft. Inzwischen ist jedoch klar, dass erst eine Immunisierung der Bevölkerung gegen das Coronavirus den Normalzustand wiederherstellt. Mit einem Impfstoff, der breit eingesetzt werden kann, ist jedoch frühestens in einem Jahr zu rechnen. Bis dahin wird sich die Welt in einem Schwebezustand befinden.

China, das den übrigen Ländern vier bis acht Wochen voraus ist, zeigt, dass ein rasches Reopening nicht möglich ist, selbst wenn die Zahl der Neuinfizierten nahe null liegt. Vielmehr kann die Öffnung nur in kleinen Schritten erfolgen, ansonsten würde sich das Virus sofort wieder ausbreiten. Teilweise ist sogar ein Zurückrudern beobachtbar. So wurden in einigen Provinzen Kinos und Bars erneut geschlossen, nachdem sie zwischendurch versuchsweise geöffnet wurden. Negativ auf die chinesische Wirtschaft wirken überdies die anhaltend strikten Einreisebeschränkungen und die aktuell zusammenbrechende Auslandsnachfrage. Alles in allem ist eine Erholung in China erkennbar, sie geht aber nur zögerlich vonstatten.

In Europa gewinnt die Debatte um den Exit ebenfalls an Fahrt. Im Mai dürfte es in einigen Ländern zu einer ersten Lockerung der Restriktionen kommen. Es wird aber ein langsames Hochfahren sein. So kann man sich vorstellen, dass Einzelhandelsgeschäfte und Restaurants unter Berücksichtigung von Hygienevorschriften (Abstandsregeln, teilweise Maskenpflicht) wieder geöffnet werden. Die Konsumenten werden jedoch zunächst vorsichtig bleiben. Die Umsätze sollten daher in den meisten Fällen noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau bleiben. Massenveranstaltungen und Auslandsreisen dürften vorerst ohnehin verboten bleiben.

Das verarbeitende Gewerbe wird ebenfalls schrittweise zum Alltag zurückkehren. Bis zur Vollauslastung ist es aber auch hier ein weiter Weg, zumal sich in den letzten Wochen bei vielen Produktionsfirmen Lagerbestände aufgetürmt haben. Textilfirmen und Autohersteller mussten sogar zusätzliche Lagerstätten anmieten. Zugleich halten sich in der Modebranche die Abnehmer mit der Bestellung der Sommerware zurück. Insgesamt werden viele Unternehmen weiterhin mit einer verhaltenen Nachfrage konfrontiert sein. Der Staat muss daher unter Umständen nochmals Finanzspritzen gewähren.

Alles in allem wird es in den nächsten Monaten zu einer gedämpften wirtschaftlichen Belebung kommen. Gleichzeitig sollte die Zahl der Neuinfizierten zurückgehen. Beides zusammen dürfte an den Aktienmärkten kurzfristig für Rückenwind sorgen. Mittelfristig bleiben aber Stolpersteine. Die Risiken für Gewinneinbrüche und Unternehmenskonkurse sind im 2. Halbjahr weiterhin hoch, da die Normalauslastung der Wirtschaft noch in weiter Ferne liegt. Ein ungetrübtes Risk-on ist daher noch nicht in Sicht.

Rechtlicher Hinweis

Die in diesem Beitrag gegebenen Informationen, Kommentare und Analysen dienen nur zu Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Die hier dargestellten Informationen stützen sich auf Berichte und Auswertungen öffentlich zugänglicher Quellen. Obwohl die Bantleon Bank AG der Auffassung ist, dass die Angaben auf verlässlichen Quellen beruhen, kann sie für die Qualität, Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Angaben keine Gewährleistung übernehmen. Eine Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die sich aus der Nutzung dieser Angaben ergeben, wird ausgeschlossen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu.