Analyse
7. Oktober 2019

Weltwirtschaft wird positiv überraschen – wenn Trump mitspielt

Für viele Konjunkturbeobachter ist der Fall inzwischen klar: Aufgrund der Verunsicherung durch den Handelsstreit und den drohenden No-Deal-Brexit befindet sich die Weltwirtschaft auf direktem Weg in die Rezession. Mit am stärksten davon betroffen ist die exportabhängige deutsche Industrie, für die China und Grossbritannien wichtige Abnehmerländer sind. Darüber hinaus gibt es erste Anzeichen, dass die Industrieschwäche auf den Dienstleistungssektor überschwappt. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern mit gewissen Abstrichen für ganz Europa. Hauptzielscheibe des vom US-Präsidenten angezettelten Handelsstreits ist indes China. Es verwundert daher nicht, dass auch im Reich der Mitte das verarbeitende Gewerbe verunsichert ist und unter Druck steht.

Die Daten der vergangenen Woche haben nunmehr zusätzlich den Blick auf die USA gelenkt und die Sorge geschürt, wonach der Handelskonflikt auch die US-Wirtschaft nach unten zieht. Nicht von der Hand zu weisen ist die Gefahr, dass die Strafzölle auf chinesische Importe zunehmend die amerikanischen Verbraucher treffen, die darauf mit Kaufzurückhaltung reagieren.

Alles zusammengenommen wächst die Angst vor einem weltwirtschaftlichen Flächenbrand. Diese Furcht hat auch die Finanzmärkte erfasst und in der vergangenen Woche zu Rückschlägen an den Aktienbörsen geführt. Allen voran in Europa lagen die Kursabschläge bei knapp 5,0%.

Aus unserer Sicht muss die globale Konjunkturlage jedoch etwas differenzierter betrachtet werden. In den USA hat tatsächlich seit Jahresbeginn eine Wachstumsverlangsamung eingesetzt. Die Gründe dafür liegen aber weniger im Handelsstreit, sondern in den endogenen Kräften des Konjunkturzyklus. Zum einen geht von den im Jahr 2018 lancierten Fiskalimpulsen immer weniger Rückenwind aus. Zum anderen spürt die Wirtschaft die Nachwirkungen der vergangenen Zinserhöhungen. Diese Abkühlung verläuft jedoch in geordneten Bahnen – für Panik gibt es keinen Grund.

Blicken wir auf Europa, überwiegen sogar die endogenen Auftriebskräfte. Im Unterschied zur Fed ist die EZB in den vergangenen Jahren noch gar nicht auf die Bremse getreten. Vielmehr haben die monetären Impulse bis zuletzt weiter zugenommen. Was die Fiskalpolitik betrifft, würden sich zwar viele ein noch expansiveres Vorgehen wünschen, ohne Zweifel geht von dieser Seite aber bereits Rückenwind aus. Zu guter Letzt besteht weiterhin Nachholbedarf in der Eurozone – trotz mehrjährigem Aufschwung.

Auch in China ist kein beschleunigter Abwärtstrend, sondern eine zyklische Erholung angelegt. Die Regierung hat im grossen Umfang fiskalpolitische Impulse gesetzt (in Höhe von über 1,0% des BIP) und die Währung kontinuierlich abgewertet. Beides zusammen sollte eigentlich schwerer wiegen als die Strafzölle.

Nichtsdestotrotz wäre es ein Segen, wenn die Streitparteien im Rahmen der kommenden Verhandlungsrunden weiter zur Deeskalation beitrügen. Dies würde die schlummernden positiven Konjunkturimpulse in Europa und Asien endgültig wachküssen. Alles in allem sollte man die Weltwirtschaft somit nicht abschreiben, sondern im Gegenteil auf eine baldige Erholung setzen. Dies wird entsprechend an den Finanzmärkten Risikoassets neuen Auftrieb verschaffen.

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