Analyse
28. Januar 2019

Weltwirtschaft enttäuschend ins Jahr gestartet

Die Weltwirtschaft lässt zu Jahresbeginn noch kein Aufbäumen erkennen. Die erhoffte Stabilisierung in der Eurozone ist im Januar ausgeblieben. Auch aus Asien treffen negative Meldungen ein. Das Exportwachstum gerät dort unter zunehmenden Druck. Die Geldpolitik in der Eurozone und anderswo versucht sich bereits wieder als Feuerwehr – die Spielräume sind aber begrenzt. Die Hoffnungen auf neuen weltwirtschaftlichen Rückenwind ruhen daher primär auf China – hier sind hinsichtlich der Wirksamkeit der neu lancierten Impulse aber ebenfalls Zweifel angebracht. Fazit: In Anbetracht der vielfältigen Risiken sollte die Asset Allocation vorerst defensiv ausgerichtet bleiben.

Die Weltwirtschaft ist mit einem Dämpfer ins neue Jahr gestartet. In der Eurozone ist die erhoffte Gegenbewegung auf die schwachen Umfrageergebnisse vom Dezember ausgeblieben. Stattdessen haben sich die Abwärtstrends in den meisten Frühindikatoren sogar versteilert.

Neben den anhaltenden Rückschlägen in Frankreich stechen die IFO-Geschäftserwartungen hervor, die im Januar ihren grössten Monatsrückgang seit sieben Jahren verzeichneten. Die deutschen Unternehmen bewerten den Geschäftsausblick inzwischen so negativ wie seit Ende 2011 (Beginn der Eurokrise) nicht mehr. Parallel ist der Einkaufsmanagerindex der Industrie erstmals seit sechs Jahren unter die Expansionsschwelle gefallen. Besorgniserregend ist, dass sich die Stimmungseintrübung nicht mehr nur auf das verarbeitende Gewerbe konzentriert, sondern mittlerweile auch andere Sektoren erfasst hat.

Das trübe Bild wird von Meldungen aus Asien ergänzt. In Japan hat sich das Abwärtsmomentum zu Jahresbeginn ebenfalls beschleunigt. Der Einkaufsmanagerindex der Industrie erlitt laut erster Schätzung den stärksten Rückschlag seit fünf Jahren und steht mit 50,0 Punkten an der Schwelle zur Kontraktion. Dazu korrespondieren die Aussenhandelsdaten vom Dezember, die eine wachsende Abkühlung des Exports nach Asien offenbaren. Die japanischen Ausfuhren nach China unterschreiten das Vorjahresniveau mittlerweile deutlich, nachdem sie bis vor Kurzem noch mit zweistelligen Raten expandiert sind. Vor allem die Nachfrage nach Halbleiterprodukten lässt nach.

Dies trifft auch andere Nachbarländer Chinas wie Taiwan, dessen Exportaufträge im Dezember parallel eingebrochen sind. Alles in allem wird die Weltwirtschaft weiterhin von den vielen geopolitischen Unsicherheiten und der lahmenden Konjunktur in China belastet. Wer könnte Abhilfe schaffen?

Die Geldpolitik steht bereits Gewehr bei Fuss. Die jüngsten dovishen Kommentare der Fed und der EZB haben die Renditen auf ein- bis zweijährige Tiefststände (10 Jahre Laufzeit) gedrückt. Der damit verbundene expansive Effekt wirkt aber erst zeitverzögert und dürfte mit Blick auf die Eurozone zu vernachlässigen sein. Insgesamt ist – nach den Exzessen der Vorjahre – das Arsenal an Instrumenten zur Konjunkturstimulierung erschöpft.

Gleichzeitig dürften sich die politischen Risiken in den nächsten Wochen nicht in Luft auflösen. In der Brexit-Debatte und im Handelsstreit zeichnet sich kurzfristig keine Lösung ab und selbst der vorerst beigelegte Government Shutdown in den USA könnte Mitte Februar wieder aufflammen.

Die Hoffnungen ruhen daher vor allem auf China. Die Regierung und die Notenbank versuchen mittlerweile über verschiedenste Kanäle (Steuersenkungen, Liquiditätsspritzen, Ausgabensteigerungen) die Wirtschaft anzukurbeln. Erste Lichtblicke – etwa die Stabilisierung der Kreditvergabe – gibt es bereits. Dennoch bleiben Zweifel, ob die vielen kleinen (und oftmals indirekten) Stimulierungsmassnahmen rechtzeitig, d.h. noch im Laufe des 1. Halbjahres zum Erfolg führen.

Ales in allem ist es zwar nach wie vor wahrscheinlich, dass sich die chinesische Konjunktur und die Weltwirtschaft in den nächsten Monaten wieder fangen. Es bleiben jedoch Risiken. Darüber hinaus dürfte die Belebung weniger dynamisch als in früheren Jahren ausfallen. Mit Blick auf die Asset Allocation ist es daher zu früh, um alles auf Risk-on zu setzen. Wir präferieren nach wie vor eine defensive Ausrichtung.

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