Analyse
3. Juni 2019

Spätestens die Finanzmärkte werden Trump zur Raison bringen

Die Weltwirtschaft steht am Scheideweg. Der Start ins neue Jahr ist zunächst geglückt. In den USA, China, der EU und Japan hat das BIP-Wachstum im 1. Quartal 2019 die Erwartungen übertroffen. Darüber hinaus haben sich insgesamt die Anzeichen verdichtet, dass die Schwächephase des Vorjahres in China und Europa überwunden ist. Das Reich der Mitte hat eine Wende in der Makropolitik vollzogen. Statt Delevaraging ist seit vergangenem Herbst wieder eine expansive Ausrichtung der Wirtschaftspolitik angesagt. Dabei wurde auf der ganzen Klaviatur gespielt (Steuersenkungen, gelpolitische Lockerungen, Deregulierung der Kreditvergabe) und die ersten Früchte davon zeigen sich bereits in den Wirtschaftsdaten.

In der Eurozone sind unterdessen die Belastungsfaktoren aus dem Vorjahr abgeebbt (unter anderem WLTP-Abgastests, Gelbwestenproteste). Gleichzeitig sind die Stimmungsindikatoren nicht weiter abgerutscht, sondern in eine Seitwärtsbewegung übergegangen. Unsere eigenen Frühindikatoren signalisieren nach wie vor für das 2. Halbjahr eine namhafte konjunkturelle Belebung. Es ist somit alles für eine robuste weltwirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2019 angerichtet.

Auch der wiederauflebende Handelsstreit ändert an diesem positiven Ausblick per se nichts – dies gilt vor allem dann, wenn es sich nur um einen vor-übergehenden Störfaktor handelt. In den vergangenen Tagen haben allerdings die Indizien weiter zugenommen, dass es sich um eine länger anhaltende und tiefergehende Auseinandersetzung handelt. Zum einen machen die Chinesen bei jeder Gelegenheit deutlich, dass sie nicht gewillt sind, sofort klein beizugeben. Zum anderen hat Donald Trump gegenüber Mexiko eine neue Front eröffnet. Die Zollwaffe wird dabei erstmals auf ein Gebiet ausgeweitet (Migration), das mit Handelspolitik gar nichts zu tun hat.

Man hat somit nicht den Eindruck, dass der US-Präsident auf eine baldige Beschwichtigung der Lage aus ist. Jedenfalls scheinen Argumente, die an die wirtschaftliche Vernunft appellieren, derzeit ins Leere zu laufen. Damit ist das Risiko gestiegen, dass nur der Druck von den Finanzmärkten hilft, um Trump zur Raison zu bringen. Im Dezember 2018 hat sich zumindest gezeigt, dass der US-Präsident nicht auch noch die Verantwortung für einen Crash an den Finanzmärkten übernehmen will. Der Einbruch an den US-Börsen um 15% hat mithin selbst den harten »Dealmaker« zur Kehrtwende veranlasst.

Angesichts des Risikoszenarios einer Trump’schen Börsenkorrektur ist unser Ausblick für die Finanzmärkte zweigeteilt: Solange es zwischen China und den USA keine klaren Anzeichen für eine Deeskalation gibt, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als erst einmal auf Sicht zu fahren und in den Portfolios die Risiken zu begrenzen.

Mittelfristig halten wir indes daran fest, dass der globale Konjunkturtrend nach oben gerichtet ist, wovon Risikoasstes profitieren werden. Vor allem dürfte eine erneute Kehrtwende in der Handelspolitik (Einigung) aber die sicheren Häfen unter Druck bringen. Die Anleihenmärkte spiegeln derzeit ein Rezessionsszenario wider, dass nur bei einer extremen Eskalation des Handelsstreits realistisch ist.

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