Analyse
25. März 2019

Rückgang des Eurozonen-EMI als Weckruf für die Finanzmärkte

Klarer konnte die Botschaft der neusten Einkaufsmanagerumfrage in der Eurozone nicht sein. Der Rückgang des Industrie-Index um fast zwei Punkte auf den tiefsten Stand seit annähernd sechs Jahren zeigt, dass sich das verarbeitende Gewerbe in einem Abschwung befindet, der sich immer mehr zu einer echten Krise auswächst. Die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Stabilisierung nach dem Ausklingen verschiedener belastender Sonderfaktoren (z.B. WLTP-Problematik, niedriges Rheinwasser) haben sich einmal mehr nicht erfüllt.

Für die Finanzmärkte war das ein unüberhörbarer Weckruf. Vor allem die Aktienmärkte hatten seit Anfang des Jahres den anhaltenden Strom enttäuschender Konjunkturindikatoren nahezu vollständig ignoriert. Getrieben durch die Erwartung abklingender politischer Störfeuer (u.a. Handelskrieg und Brexit) wurde der Kurseinbruch vom vergangenen Dezember wieder wettgemacht. Rückenwind ging dabei auch von den skeptischen Währungshütern aus, die sowohl in den USA als auch in der Eurozone vor den wirtschaftlichen Gefahren warnten und mit einem expansiven Kurs Risikoassets stützten.

In der Eurozone hat sich diese Vorsicht der Notenbanken nun als nicht unbegründet erwiesen. Wie der März-Absturz des Einkaufsmanagerindex zeigt, drückt nach wie vor die weltwirtschaftliche Schwäche der exportorientierten Eurozone ihren Stempel auf. Die Aktienmärkte quittierten diese Enttäuschung umgehend mit fallenden Kursen. Als Bremsklotz fungiert vor allem weiterhin China – hier zeigen die realwirtschaftlichen Aktivitätsdaten zum Jahresanfang eine fortgesetzte Abschwächung an. Letztlich bestätigt sich damit unsere Einschätzung, wonach sich die Finanzmärkte gegenwärtig immer noch in einem Risk-off-Umfeld bewegen. Erst wenn der Konjunkturtrend in einen neuen Aufwärtstrend einschwenkt, entwickelt sich ein tragfähiges Fundament für eine nachhaltige Belebung an den Aktienmärkten.

Ungeachtet dieser skeptischen Beurteilung des aktuellen Umfelds ändert der jüngste Rückgang des EMI jedoch nichts an unserem mittelfristig positiven Ausblick. In China deutet sich für den weiteren Jahresverlauf eine wirtschaftliche Stabilisierung an, die sich aus den verschiedenen Fiskalimpulsen der Regierung und den verbesserten Finanzierungskonditionen entwickeln sollte. Vor diesem Hintergrund dürfte der weltwirtschaftliche Gegenwind für die Eurozone im Laufe der kommenden Monate nachlassen und der Konjunkturtrend wieder nach oben drehen. Das kündigen nicht nur unsere weit vorauslaufenden Frühindikatoren an, sondern mit den ZEW- und den Sentix-Erwartungen sowie dem OECD-Leading-Indicator inzwischen auch die ersten offiziellen Konjunkturbarometer.

Auf Sicht der kommenden Monate spricht somit vieles dafür, dass sich der aktuelle Risk-off-Modus schliesslich doch noch zu Risk-on wandelt. Gleichwohl gibt es dabei einige Stolpersteine. Zu achten ist hier nicht zuletzt auf die US-Wirtschaft, für die wir bereits seit geraumer Zeit angesichts des nachlassenden Fiskalstimulus und der Bremswirkungen durch die bisherigen Zinserhöhungen mit einer deutlich nachlassenden Wachstumsdynamik rechnen. Die jüngst zu beobachtende Inversion der Zinskurve (10 Jahre – 3 Monate) unterstreicht die dabei vorhandenen Risiken eines scharfen Einbruchs, der unser Basisszenario einer moderaten Abschwächung übertreffen würde.

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