Analyse
25. März 2019

IFO oder EMI – wer hat recht?

Die deutschen Einkaufsmanagerindikatoren sind im März eingebrochen. Sie legen damit eine anhaltende Abschwächung der Konjunktur nahe. Im Gegensatz dazu hat sich das IFO-Barometer im laufenden Monat erholt. Welcher Indikator gibt das richtige Signal? Bei aller Widersprüchlichkeit sind sich beide Umfragen in einem entscheidenden Punkt einig: Die Stimmung in der Industrie hat sich weiter spürbar verschlechtert und das ist die massgebliche Richtschnur für den konjunkturellen Trend.

Die deutschen Konjunkturbarometer vom März liefern auf den ersten Blick ein widersprüchliches Bild. Am vergangenen Freitag vermeldete Markit zunächst, dass der Composite-Einkaufsmanagerindex auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren abgerutscht ist (51,5 nach 52,8 Punkten). Geradezu dramatisch stellt sich die Lage in der Industrie dar (vgl. Abb. 1). Hier ist die Auftragskomponente auf einen 10-jährigen Tiefststand eingebrochen (40,1 Punkte) und legt den schärfsten Abschwung seit der Finanzkrise nahe. Diese Hiobsbotschaft war am vergangenen Freitag einer der Auslöser für die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten und das Abtauchen der 10‑jährigen Bund-Renditen unter die Nulllinie.

Abb. 1: In der Industrie geht es steil abwärts

Quellen: IFO, Markit, Bantleon

Angesichts des EMIs schien auch beim IFO-Index ein weiterer Rücksetzer vorprogrammiert. Nicht zum ersten Mal kam es jedoch anders. Das älteste Konjunkturbarometer Deutschlands schlug einen konzilianteren Ton an. Nach sechs Rückgängen in Folge legte das Barometer von 98,5 auf 99,6 Punkte zu. Sowohl die Lage als auch die Erwartungskomponente konnten sich verbessern. Beides deutet auf ein bevorstehendes Ende des jüngsten Abschwungs hin. Welcher Indikator hat nunmehr recht?

Bei genauerem Hinsehen sind die Ergebnisse der beiden Umfragen gar nicht so widersprüchlich. So hat sich auch im Rahmen der IFO-Erhebung die Stimmung in der Industrie weiter spürbar eingetrübt. Die Geschäftserwartungen sackten in diesem Sektor auf einen neuen 6‑jährigen Tiefststand ab und vermitteln damit ein ähnlich besorgniserregendes Bild wie der Industrie-Einkaufsmanagerindex (vgl. Abb. 1). Von Erholung ist in beiden Fällen keine Spur.

Der Dienstleistungssektor hat jedoch alles überlagert. Nach dem ungewöhnlichen Einbruch des IFO-Service-Barometers im Februar kam es hier im März zu einer kräftigen Gegenbewegung (vgl. Abb. 2), die den Gesamtindex nach oben gezogen hat. Damit ist es auch bei den Dienstleistern zu einer Angleichung zwischen den IFO- und EMI-Umfragen gekommen. Der Service-Einkaufsmanagerindex deutet mit Werten zwischen 53,0 und 55,5 Punkten bereits seit längerer Zeit auf eine robuste Entwicklung im deutschen Dienstleistungsgewerbe hin.

Abb. 2: Die Dienstleister halten noch dagegen

Quellen: IFO, Bantleon

Was den aktuellen Konjunkturtrend anbetrifft, ist jedoch nicht das Dienstleistungsgewerbe, sondern die Industrie der entscheidende Sektor. Insofern sind sich beide Umfragen in ihrer zentralen Botschaft einig: Der deutsche Konjunkturtrend war bis zum Ende des 1. Quartals abwärtsgerichtet. Noch stemmt sich der Dienstleistungssektor zwar dagegen – er profitiert von den kräftigen Einkommenszuwächsen der privaten Haushalte. Würde die Krise in der Industrie jedoch länger andauern, wird dies auf den Dienstleistungssektor überschwappen und insbesondere dem Boom am Arbeitsmarkt ein Ende setzen. Erste Indizien dafür gibt es bereits: Die Beschäftigungskomponente des Industrie-EMI ist das erste Mal seit drei Jahren unter die Expansionsschwelle gefallen.

In unserem Basisszenario gehen wir allerdings davon aus, dass sich das weltwirtschaftliche Umfeld im 2. Quartal erholt. Allen voran sollte die chinesische Konjunktur zu neuem Leben erwachen und dabei stimulierend auf die Nachbarländer sowie die Weltwirtschaft ausstrahlen. In der Folge werden sich auch die Geschäftserwartungen der deutschen Industrie aufhellen, was sich positiv in den Indikatoren der Einkaufsmanager- und IFO-Umfrage niederschlagen wird. Auf den enttäuschenden März dürften mithin schon bald positive Überraschungen in den Konjunkturbarometern folgen.

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