Analyse
5. August 2019

Finanzmärkte im Bann des Handelskonflikts – aber es gibt Hoffnung

Der Waffenstillstand im Handelskonflikt zwischen den USA und China hat nicht lange gehalten. Inmitten der erst vor Kurzem neu aufgenommenen Verhandlungen schaltete Donald Trump vergangenen Donnerstag unvermittelt auf Angriff um. Er kündigte an, die ausgesetzten Strafzölle auf die bislang unbelasteten Importe aus China im Umfang von 300 Mrd. USD nun doch ab September zu erheben.

Peking nahm den Fehdehandschuh umgehend auf. Die Regierung wies die staatseigenen Unternehmen an, alle Agrarimporte aus den USA einzustellen. Damit erteilte sie nicht nur der Forderung Trumps nach einer Steigerung der Einfuhren aus den USA eine Absage, sondern bewegte sich sogar in die entgegengesetzte Richtung. Darüber hinaus liess die chinesische Notenbank die heimische Währung deutlich abwerten. Allein zum Wochenauftakt gab der Renminbi um 1,5% gegenüber dem USD nach. Das ist der grösste Tagesverlust seit vier Jahren. Damals verlor die Währung in der Folge um weitere 9% gegenüber dem USD an Wert.

Innerhalb kürzester Zeit hat sich mithin die Lage im Handelsstreit komplett gewandelt. Eine Annäherung, wie noch vor wenigen Tagen erhofft, scheint in weiter Ferne. Vielmehr deutet alles auf eine sich immer schneller drehende Eskalationsspirale hin. An den Finanzmärkten dürfte sich folglich die Risk-off-Stimmung verfestigen – kurzfristig sind die Perspektiven für Risikoassets daher trübe.

Gleichwohl – mit Blick weiter voraus gibt es gute Gründe, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Eine Reihe von Faktoren relativiert den pessimistischen Ausblick und spricht dafür, dass Donald Trump doch nicht bis zum Äussersten geht. Erstens würde er sich damit stärker als bislang ins eigene Fleisch schneiden, weil die nun avisierten Zölle primär Konsumgüter wie Smartphones und Laptops betreffen. Demnach würden neu die US-Konsumenten stärker in Mitleidenschaft gezogen, was Trumps Chancen auf eine Wiederwahl mindert.

Zweitens befindet sich die US-Wirtschaft inzwischen nicht mehr in einer so robusten Verfassung wie am Anfang des Zollkonflikts. Die Industrie steht kurz vor einer Rezession und die Investitionsdynamik der Unternehmen hat merklich abgenommen. Das bestätigte vergangenen Freitag an prominenter Stelle der ISM-Einkaufsmanagerindex der Industrie, der immer näher auf die Stagnationsschwelle zu rutscht. In diesem Umfeld verbietet es sich eigentlich von selbst, den privaten Konsum – als letzte Stütze des Wachstums – mit Einfuhrzöllen zu belasten.

Drittens zeigen die jüngsten Vergeltungsmassnahmen Pekings, dass China durchaus noch über Mittel verfügt, um sich zur Wehr zu setzen. Nicht nur, dass mit einer Abwertung der heimischen Währung ein Grossteil der Zollbelastungen ausgeglichen werden kann. Auch der Stopp der US-Agrarimporte dürfte eine spürbare Wirkung erzielen, richtet er sich doch gegen eine wichtige Wählergruppe, auf die sich Trumps Macht stützt.

Schliesslich dürfte viertens der US-Regierung durchaus bewusst sein, dass die vermeintliche Schützenhilfe sehr begrenzt ist, die sie sich von der US-Notenbank durch Zinssenkungen erhofft. Die Fed bezeichnete ihre jüngste geldpolitische Lockerung zwar als präventive Massnahme, um mit diesem Versicherungsschritt den Risiken einer globalen Wachstumsabschwächung vorzubeugen. Sollte der Handelskrieg aber eskalieren und damit die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen, werden das auch die Notenbanken nicht verhindern können. Eine Vollkaskoversicherung kann die Geldpolitik in diesem Fall sicherlich nicht anbieten.

Alles in allem spricht also einiges dafür, dass es sich bei den jüngsten Zolltiraden Trumps einmal mehr um eine Drohkulisse handelt. Ähnlich hatte der US-Präsident zuletzt in den Auseinandersetzungen mit Mexiko agiert, um dann aber doch von zusätzlichen Zöllen abzusehen. Mithin sehen wir gute Chancen, dass mittelfristig die Risk-on-Stimmung an die Finanzmärkte zurückkehrt, was EUR-Aktien Rückenwind und den sicheren Häfen Gegenwind bescheren sollte.

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