Analyse
12. Dezember 2019

Fed – Abwarten und Tee trinken

Wie erwartet hat die US-Notenbank gestern beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu belassen. Darüber hinaus machte die Fed klar, dass sie nach den drei 25-Bp-Senkungen im 2. Halbjahr 2019 das aktuelle Zinsniveau nun für angemessen erachtet. Die Geldterminmärkte sind hingegen nach wie vor skeptisch und rechnen weiterhin mit geldpolitischen Lockerungen. Im Zuge der von unseren Frühindikatoren für Anfang kommenden Jahres vorgezeichneten konjunkturellen Erholung dürften diese Erwartungen aber angepasst werden, was Aufwärtsdruck auf Treasury-Renditen erzeugt.

Wie erwartet hat der geldpolitische Ausschuss der Fed bei seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den Leitzinskorridor unverändert bei 1,50% bis 1,75% zu belassen. Im Statement zum Zinsentscheid wird dieses Stillhalten mit der Einschätzung begründet, das aktuelle Zinsniveau sei angemessen, um den Aufschwung zu stützen und das Inflationsziel zu erreichen. Mit den gleichen Worten hatte Fed-Präsident Jerome Powell bereits des Öfteren im Nachgang der letzten Sitzung klar gemacht, dass die Währungshüter keinen Grund mehr für weitere geldpolitische Lockerungen sehen. Im jüngsten FOMC-Statement wird diese Haltung dadurch unterstrichen, dass sich – anders als bisher – kein Hinweis auf Unsicherheiten beim Konjunktur- und Inflationsausblick findet.

Powell erteilte aber nicht nur Zinssenkungen eine Absage. Auch von Zinserhöhungen wollte er nichts wissen. In den vergangenen Jahren habe die Inflation regelmässig negativ überrascht, sodass eine deutlich und dauerhaft anziehende Teuerungsdynamik nötig wäre, um eine geldpolitische Straffung zu rechtfertigen.

Kaum Anpassungen am rundum freundlichen Makro-Ausblick

Quelle: Federal Reserve; * in % gegenüber Vorjahr; ** in %; in Klammern Prognosen vom September

Die Erwartung künftig unveränderter Leitzinsen – nachdem sie zuvor im Juli, September und Oktober um jeweils 25 Bp gesenkt wurden – findet sich auch in den »Dots«, den Punktprojektionen der 17 FOMC-Mitglieder zum Ende der kommenden Jahre. Der Median erwartet 2020 keine Anpassung und 2021 und 2022 lediglich jeweils eine Anhebung um 25 Bp. Powell wiederholte darüber hinaus im Laufe seiner Pressekonferenz den Schlüsselsatz, den er schon im Oktober verwendet hatte. Demnach müsste sich der makroökonomische Ausblick substanziell ändern, um die Fed zu einer Anpassung der geldpolitischen Ausrichtung zu bewegen.

Wenn die US-Konjunktur 2020 wieder Fahrt aufnimmt, erübrigen sich weitere Zinssenkungen

Quellen: ISM, Bloomberg, Bantleon

Insgesamt sehen wir uns in der Erwartung bestätigt, wonach eine nochmalige Zinssenkung im Januar in Anbetracht der zuletzt überraschend robusten realwirtschaftlichen Daten unwahrscheinlich geworden ist. Danach schliesst sich ohnehin das Zeitfenster für eine weitere geldpolitische Lockerung. Kurzfristig dürfte die wirtschaftliche Schwächephase zwar noch andauern. Unsere weit vorauslaufenden Frühindikatoren zeichnen jedoch im Laufe des 1. Quartals eine wieder anziehende Wachstumsdynamik vor. Konjunkturelle Unterstützung vonseiten der Geldpolitik ist dann immer weniger nötig (vgl. Abb. oben). Entsprechend gehen wir davon aus, dass die Leitzinsen 2020 unverändert auf dem aktuellen Niveau verharren. Das von den Geldterminmärkten eskomptierte Szenario einer fast vollständigen 25-Bp-Zinssenkung im kommenden Jahr bietet mithin mehr und mehr Korrekturpotenzial. Die Treasury-Renditen sollten folglich mittelfristig steigen.

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