Analyse
29. Juli 2019

EZB wird im September noch nicht alles Pulver verschiessen

Die deutschen Konjunkturbarometer der Industrie sind im Juli weiter abgesackt. Inzwischen befinden sich der Einkaufsmanagerindex und die ifo-Geschäftserwartungen auf einem Niveau, das früher nur in Rezessionszeiten (2001, 2008/2009, 2012) üblich war. Auch wenn es sich dabei möglicherweise um eine Übertreibung handelt, für die EZB war es am vergangenen Donnerstag eine Steilvorlage. In Anbetracht dessen konnte Mario Draghi fast gar nicht mehr anders, als ein neues Paket an expansiven Massnahmen der Geldpolitik für September anzukündigen.

Es bleibt indes offen, wie umfassend die Stimuli ausfallen und welche Massnahmen darüber hinaus in den nächsten Quartalen folgen werden. Reichen ein bis zwei Leitzinssenkungen sowie ein kleines QE-Programm aus oder muss Draghi bzw. seine Nachfolgerin doch noch die Bazooka auspacken? Dies hängt ganz entscheidend davon ab, ob Deutschland bzw. die Eurozone tatsächlich in eine Rezession fallen.

Auch wir wurden vom Aussmass der jüngsten Rücksetzer beim ifo-Barometer und dem Einkaufsmanagerindex der Industrie überrascht. Dessen ungeachtet gehen wir weiterhin davon aus, dass sich daraus in den nächsten Monaten keine endogene Abwärtsspirale entwickelt.

Die Krise konzentriert sich nach wie vor stark auf die deutsche Industrie und hier wiederum speziell auf den Fahrzeugbau. In anderen Sektoren und Ländern stellt sich die Lage nach wie vor nicht so düster dar. Selbst in der italienischen Industrie gab es zuletzt erste Anzeichen einer Aufhellung. Frankreich, Spanien, die Beneluxländer und Osteuropa weisen ohnehin noch ein solides Wachstumstempo auf.

Darüber hinaus stehen die Chancen gut, dass am chinesischen Automarkt, der bis Mai immer stärker unter die Räder geriet, eine Erholung einsetzt. Die Konsumnachfrage in China ist jedenfalls in stabiler Verfassung und die Regierung setzt alles daran, um die Konjunktur zu stützen. Dabei nimmt sie mittlerweile auch wieder in Kauf, dass die Verschuldung im ganzen Land ansteigt.

In Anbetracht dessen rechnen wir damit, dass sich die Nachfrage nach deutschen Industriegütern in den nächsten Monaten stabilisiert und Deutschland nicht in die Rezession rutscht. Im 2. Quartal dürfte das BIP zwar geschrumpft sein. Bereits im 3. Quartal erwarten wir aber wieder ein leichtes Plus.

Insofern gibt es aus unserer Sicht auch keinen Grund für die EZB, extreme Massnahmen umzusetzen und alles Pulver zu verschiessen. Vielmehr sollte es die Notenbank bei ein bis zwei Leitzinssenkungen um je 10 Bp belassen und nur ein kleines QE-Programm (Wertpapierkauf < 500 Mrd. EUR) umsetzen. Beides ist bereits an den Märkten eingepreist. Sobald die Investoren somit realisieren, dass sich die Konjunktur wieder belebt, sollten auch die Renditen an den Anleihenmärkten erneut anziehen. Wir gehen daher davon aus, dass der Renditetiefpunkt im laufenden Quartal durchschritten wird. Gleichzeitig sollte der neue fundamentale Rückenwind nicht nur die Kursgewinne an den Aktienmärkten absichern, sondern überdies die Basis für weitere Kursavancen legen.

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