Analyse
10. April 2019

EZB behält sich alle Optionen offen

Im Rahmen der Notenbanksitzung hielt Mario Draghi vor allem eine Botschaft parat: Die EZB steht bereit zu handeln und kann dabei auf ein breites Arsenal an Instrumenten zurückgreifen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es aber aus Sicht der Währungshüter noch zu früh, um über konkrete Massnahmen zu entscheiden. Die wirtschaftliche Lage sei insgesamt noch zu unklar.

Auf der einen Seite habe sich das Expansionstempo in der Eurozone spürbar verlangsamt. Mithin wachse die Gefahr, dass die Schwäche bis Ende 2019 anhalte – vor allem, wenn die globale Unsicherheit fortbestehe. Auf der anderen Seite befinde sich die Binnenwirtschaft aber auf solidem Fundament und es gebe erste Anzeichen einer Stabilisierung. Ob letztlich die positiven oder negativen Tendenzen die Oberhand behalten, werde sich in den kommenden Wochen zeigen.

Bis zur endgültigen Entscheidungsfindung wollen die Währungshüter daher noch bis zur Sitzung am 6. Juni abwarten. Dann stünden auch die neuen Inflations- und Wachstumsprognosen zur Verfügung. Wie selten zuvor macht die EZB demzufolge ihr weiteres Vorgehen vom Datenstrom der nächsten zwei Monate abhängig.

Die Optionen, um auf eine weitere konjunkturelle Abkühlung geldpolitisch zu reagieren, sind inzwischen hinlänglich bekannt:

  • Attraktive Ausgestaltung der Langfristtender: Die Zinskonditionen der neuen TLTROs könnten sich z.B. erneut an der Depositenrate (‑0,40%) orientieren. Dies würde die Bereitschaft der Banken erhöhen, einen grossen Batzen an Zentralbankgeld abzurufen, was wiederum die Kreditvergabe stimulieren könnte.
  • Nochmaliges Hinausschieben der Forward Guidance: Das Versprechen, die Leitzinsen auf dem aktuell tiefen Niveau zu belassen, könnte zum Beispiel bis zum Sommer 2020 verlängert werden (statt bis Ende 2019). Dies würde weiteren Abwärtsdruck auf die Renditen ausüben.
  • Einführung eines gestaffelten Systems an Strafzinsen: Dieser Punkt wurde von Draghi jüngst ins Spiel gebracht und nunmehr offiziell in den möglichen Massnahmekatalog der EZB aufgenommen. Würden die Banken teilweise vom Strafzins befreit (für Einlagen bei der EZB), würde dies nicht nur die Profitabilität der Banken stärken, sondern wäre zugleich das klare Signal, die Niedrigzinspolitik für lange Zeit aufrechtzuerhalten.
  • Wiederaufnahme des QE-Programms: Diese Möglichkeit wurde von Draghi nicht explizit genannt, aber auch nicht verneint. Konkrete Pläne, wie die Neuauflage der Wertpapierkäufe aussehen könnte, gibt es aber nicht.

Abb. 1: EZB im Bann der Konjunkturdaten

Quellen: EZB, Markit, Bantleon

Insgesamt hat sich die EZB grossen Spielraum bei der Ausgestaltung eines möglichen zusätzlichen Massnahmenpakets gelassen. Wir gehen davon aus, dass die EZB nicht auf das ganze Arsenal zurückgreifen muss. Vielmehr rechnen wir damit, dass sich die konjunkturelle Lage in den nächsten Monaten stabilisiert. Zum Ausdruck kommen sollte dies unter anderem darin, dass die Geschäftsklima- und Einkaufsmanagerindikatoren im April/Mai in der Summe nicht weiter fallen, sondern seitwärts marschieren
oder sogar nach oben drehen (vgl. Abbildung). Dadurch sinkt der Handlungsdruck auf die EZB.

Allerdings hat sich die EZB mit ihren zwar vagen, aber zugleich vieldeutigen Ankündigungen bereits sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Es bedarf somit nicht viel, damit die Währungshüter erneut agieren. Die Konjunkturdaten sind mithin in der »Bringschuld« und müssen klar positiv überraschen. Sollte dies nicht der Fall sein, wird die EZB die TLTROs attraktiv ausgestalten und im Zweifelsfall auch die Forward Guidance weiter ins Jahr 2020 verschieben.

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