Analyse
23. April 2019

Die Einkaufsmanagerumfrage ist nur auf den ersten Blick eine Enttäuschung

Die Wirtschaft der Eurozone scheint auch zu Beginn des 2. Quartals in Lethargie gefangen. Dies legt jedenfalls die jüngste Einkaufsmanagerumfrage vom April nahe. Laut erster Schätzung ist der Composite-EMI von 51,6 auf 51,3 Punkte gefallen und liegt damit nur unweit seines zyklischen Tiefststands vom Januar (51,0 Punkte). Bei näherer Betrachtung enthält die Umfrage jedoch mehr Positives als Negatives. Dies beginnt mit dem Anstieg des Industrie-EMI. Das Plus (47,8 nach 47,5 Punkten) erscheint zwar auf den ersten Blick wenig beeindruckend, zu bedenken gilt jedoch, dass der Indikator in den vergangenen 15 Monaten 14 Mal gefallen ist – und dies zum Teil kräftig. Mithin wurde der zyklische Abwärtstrend der Eurozone massgeblich von der Industrieschwäche geprägt. Der leichte Zuwachs im laufenden Monat ist damit ein erstes Signal, dass die Talfahrt beendet ist.

Dies gilt nicht zuletzt für die deutsche Industrie, bei der es nach den markanten Verlusten in den Vormonaten ebenfalls zu einem Aufatmen gekommen ist (44,5 nach 44,1 Punkten). Gleichzeitig lässt sich der Servicesektor in Deutschland weiterhin nicht von der Fallsucht im verarbeitenden Gewerbe anstecken, sondern behält trotzig sein robustes Expansionstempo bei (55,6 nach 55,4 Punkten). Anders sah es in den vergangenen Monaten in Frankreich aus. Die Gelbwestenproteste haben in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Währungsunion die Stimmung im Dienstleistungssektor vermiest. Aber auch hier zeigen die jüngsten Zahlen (Service-EMI: 50,5 nach 49,1 Punkten), dass der Gegenwind spürbar nachlässt. Die französischen Serviceunternehmen blicken wieder optimistischer in die Zukunft. Im Ergebnis geben die zwei zentralen Sorgenkinder der Währungsunion (deutsche Industrie und französischer Servicesektor) erneut Anlass zur Hoffnung.

Dass der Service-EMI der Eurozone im April dennoch moderat gefallen ist (52,5 nach 53,3 Punkten), lag an den Peripherieländern Spanien und Italien. Deren Indizes hatten jedoch im März einen Satz von jeweils mehr als zwei Punkten nach oben gemacht. Die Gegenbewegung war daher absehbar und dürfte die Erholungstendenz in diesen beiden Ländern nicht in Frage stellen.

Alles in allem bestehen aus unserer Sicht gute Chancen, dass sich die Bodenbildung in den europäischen Konjunkturbarometern fortsetzt und es in den nächsten Monaten zu einer Belebung kommt. Dafür spricht, dass sich die Lage der chinesischen Wirtschaft weiter stabilisiert, wovon insbesondere die deutsche Industrie profitieren sollte. Gleichzeitig ebbt der psychologische Gegenwind ab, der den Unternehmen in den vergangenen Monaten Kopfzerbrechen bereitete. Sowohl beim Handelsstreit als auch beim Brexit gab es zuletzt mehr positive als negative Botschaften. Eine Trumpfkarte bleibt überdies die Binnennachfrage der Eurozone, die von mehreren Seiten (expansive Fiskalpolitik, Arbeitsmarktbelebung) gestützt wird.

Die Rückschlüsse für die Asset Allocation liegen auf der Hand: Die Aktienmärkte, deren Erholung im 1. Quartal noch auf tönernen Füssen stand, bekommen genau zum richtigen Zeitpunkt fundamentalen Rückenwind. Die sicheren Häfen geraten dagegen zunehmend unter Druck. Noch helfen den Anleihenmärkten die niedrigen Inflationsraten. Wir gehen jedoch davon aus, dass der Trend bei der Teuerung im 2. Halbjahr ebenfalls nach oben gerichtet ist. In diesem Zuge sollten auch die Renditen deutscher Bundesanleihen beflügelt werden.

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