Analyse
9. Dezember 2019

Bundesanleihen bleiben 2020 unter Druck

Deutsche Bundesanleihen erlebten dieses Jahr ein Auf und Ab. In den ersten acht Monaten fand zunächst eine massive Flucht in die sicheren Häfen statt. Entsprechend stürzten die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen von +0,25% zu Jahresbeginn bis auf -0,74% am 3. September ab. Seitdem hat eine Gegenbewegung eingesetzt, welche die Renditen in der Spitze auf ‑0,22% zurückführte. Zuletzt pendelten sie um -0,30%.

Gleich mehrere Gründe können für diesen renditeseitigen Aufwärtstrend angeführt werden: die Entspannungssignale beim Handelsstreit und beim Brexit, die Bodenbildung bei den Konjunkturindikatoren und die Lockerungsmüdigkeit der EZB. In den nächsten Tagen stehen in all diesen Bereichen wichtige Meilensteine an. Sie werden darüber entscheiden, ob es am Ende ein gutes oder doch nur ein durchwachsenes Jahr für Bundesanleihen wird.

Die am Donnerstag stattfindenden britischen Parlamentswahlen sind nicht zuletzt ein nochmaliges Plebiszit über den Brexit. Positiv für Bundesanleihen wäre eine erneute Patt-Situation im Unterhaus. Dann würde das Brexit-Drama in die Verlängerung gehen. Derzeit sieht es aber danach aus, als ob die Tories eine klare Mehrheit erringen. In diesem Fall könnte der mit der EU ausgehandelte Deal in den nächsten Wochen abgesegnet werden und Grossbritannien am 31. Januar geordnet ausscheiden. Eine Kuh wäre vom Eis, was den Risikoappetit an den Finanzmärkten beflügeln und die sicheren Häfen (Bundesanleihen) belasten würde.

Beim Handelskonflikt rückt ebenfalls eine Deadline näher (15. Dezember). Donald Trump ist es zuzutrauen, dass er erst einen Tag vorher darüber entscheidet, ob die Strafzölle in Höhe von 15% auf die restlichen – bislang noch unbelasteten – Importwaren aus China verhängt werden. Kommt es so, würden die Bund-Renditen zweifellos einen Satz nach unten machen. Dennoch dürfte beim Zollstreit das Ende der Fahnenstange allmählich erreicht sein. Wenn Trump die Daumenschrauben Anfang 2020 weiter anzieht und noch höhere Zollsätze verhängt, würde er die Weltwirtschaft endgültig auf Talfahrt schicken. Kurz vor der US-Präsidentschaftswahl kann dies nicht in seinem Interesse liegen. Es spricht somit viel dafür, dass es spätestens Anfang 2020 einen Burgfrieden mit China gibt.

Demzufolge werden auch die Belastungen vonseiten des Handelskonflikts für die Weltwirtschaft nachlassen. Davon wird vor allem die chinesische Wirtschaft profitieren, was wiederum positiv auf den Export der Eurozone ausstrahlt. Die Konjunkturbarometer der Währungsunion sollten daher in den nächsten Monaten weiter nach oben drehen. Der konjunkturelle Gegenwind für Bundesanleihen wird sich verstärken.

Die Notenbanken haben ebenfalls auf die in der Summe zuletzt stabilen Konjunkturnachrichten reagiert. Sowohl die Fed als auch die EZB werden im Rahmen der letzten Sitzungen des Jahres (am Mittwoch bzw. Donnerstag) keine weiteren expansiven Massnahmen mehr beschliessen, sondern stillhalten. Im Falle der EZB tragen dazu auch wachsende Widerstände gegen die ultraexpansive Geldpolitik bei. Immer häufiger wird – selbst in den eigenen Reihen – auf die negativen Nebenwirkungen der anhaltenden Niedrigzinspolitik hingewiesen.

Sollte sich das konjunkturelle und geopolitische Umfeld – wie von uns prognostiziert – 2020 aufhellen, wird die EZB die Gelegenheit beim Schopfe packen und die Normalisierung der Geldpolitik vorantreiben. Unter anderem gehen wir davon aus, dass das QE-Programm Ende 2020 eingestellt wird. Diese Trendwende werden die Investoren an den Anleihenmärkten vorwegnehmen. Wir rechnen daher in den nächsten Monaten mit einer Fortsetzung des renditeseitigen Aufwärtstrends bei Bundesanleihen. Donald Trump hat es indes in der Hand, ob es in den nächsten Tagen nochmals einen kurzen Frühling für die sicheren Häfen gibt.

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