Ampeln für die deutsche Wirtschaft stehen auf Grün

Die Stimmung für die deutsche Wirtschaft ist zu negativ. Das hat »Bantleon Chefvolkswirt« Dr. Daniel Hartmann im Interview mit der »Börsen-Zeitung« gesagt. »Wir gehen nicht davon aus, dass der konjunkturelle Abwärtstrend in Deutschland anhält und sich bis ins Jahr 2020 hineinzieht. Stattdessen rechnen wir damit, dass der konjunkturelle Tiefpunkt im laufenden Quartal durchschritten wird. Dies sollte sich auch bald in den offiziellen Frühindikatoren – wie dem Ifo-Index und dem Einkaufsmanagerindex der Industrie – widerspiegeln«, prognostizierte er. »Unsere eigenen, zehn bis zwölf Monate vorauslaufenden konjunkturellen Frühindikatoren, die sich seit 1999 als sehr zuverlässig erwiesen haben, sind bereits klar aufwärtsgerichtet. Sie signalisieren für 2020 eine spürbare zyklische Belebung in Deutschland.« So werde das Wirtschaftswachstum im Jahr 2020 wieder zwischen 0,3 % und 0,5 % pro Quartal liegen, im Gesamtjahr 2020 bei 1,1 % bis 1,2 %.

Der Grund für diese optimistische Prognose sei vor allem die Erwartung, »dass die Nachfrage aus China und den europäischen Nachbarländern nach deutschen Industriegütern wieder anzieht. Gleichzeitig sollte die Binnennachfrage, also der private und staatliche Konsum sowie die Bauinvestitionen, robust bleiben. Auch der deutsche Fahrzeugbau dürfte im Zuge dieser moderaten konjunkturellen Erholung – zumindest temporär – zur alten Stärke zurückkehren«, erklärte Hartmann. »Vor allem die von uns prognostizierte Erholung in China wäre für die Autohersteller segensreich. Die deutschen Produzenten dürften dabei auch noch mit ihrer konventionellen Produktpalette erfolgreich sein, schliesslich machen Elektrofahrzeuge nach wie vor nur einen kleinen Teil des weltweiten Absatzes aus.«

In den nächsten Monaten sei jedoch als Spätfolge der konjunkturellen Abkühlung zunächst mit einem leichten Anstieg der deutschen Arbeitslosenzahlen zu rechnen. »Mitte 2020, wenn sich das Wachstum über 1,0% stabilisiert hat, sollte sich der Trend indes wieder umkehren. Vor allem in den Dienstleistungssektoren wird sich der strukturelle Beschäftigungsaufbau fortsetzen.«

Ein Konjunkturpaket der Bundesregierung sei jedoch nicht notwendig, wenn die Konjunktur sich im laufenden Quartal stabilisiere. »Dessen ungeachtet agiert die Bundesregierung fiskalpolitisch bereits expansiv«, stellte Hartmann fest. »Die jüngsten Beispiele dafür sind das Klimapaket und die Einführung der Grundrente.«

Mit Blick auf die Versuche der EZB und der Politik, Rezessionen zu verhindern, warnte Daniel Hartmann vor den negativen Folgen dieser Massnahmen. Langfristig könne es sich als problematisch erweisen, »dass die Geld- und Fiskalpolitik in den vergangenen Jahren versucht hat, jede kleine konjunkturelle Bodenwelle glatt zu bügeln. Die Folge dieser Politik sind Vermögenspreisblasen, extrem tiefe Risikoaufschläge und eine hohe Unternehmensverschuldung. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich hier einen Crash auszumalen.«

Das vollständige Interview finden Sie in der Börsen-Zeitung vom 15. November 2019.