Analyse
28. Oktober 2019

2020 ist ein synchroner globaler Aufschwung möglich

Die USA haben sich lange Zeit dem seit Anfang 2018 vorherrschenden Abwärtstrend der Weltwirtschaft widersetzt. Das Wachstum hielt sich bis ins 2. Quartal 2019 robust oberhalb von 2,0% (im Vorjahresvergleich). Die gute US-Konjunktur spiegelte sich auch in der Outperformance des US-Aktienmarktes und im starken US-Dollar wider. Spätestens im Verlauf des 3. Quartals hat sich dies jedoch geändert. Das rückläufige Geschäftsklima und die schwachen Auftragseingänge der Industrie sind die auffallendsten Indizien einer sich abkühlenden Wirtschaft. Zuletzt ist auch die Beschäftigungsnachfrage abgeebbt. Die Fed dürfte entsprechend in der laufenden Woche zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins senken (um 25 Bp auf 1,50% bis 1,75%). Ob dies ausreicht und die US-Wirtschaft nicht doch in die Rezession abkippt, wird derzeit heiss diskutiert.

Während die USA am Scheideweg stehen, kämpfen Asien und Europa bereits seit Längerem mit konjunkturellem Gegenwind. In China ist das Wachstum im 3. Quartal mit 6,0% (im Vorjahresvergleich) auf einen fast 30‑jährigen Tiefststand gefallen. Parallel nähert sich die Eurozone der 1,0%‑Marke an.

Indes sind sowohl die Akteure in China als auch der Währungsunion nicht untätig geblieben. Die chinesische Regierung steuert schon längst mit expansiven Massnahmen dagegen – unter anderem wurden die Mindestreservesätze für Grossbanken in den vergangenen Monaten von 17% auf 13% reduziert. Auch in Europa hat die EZB im September ein Stimulierungspaket lanciert und die Fiskalpolitik ist expansiv ausgerichtet. Inzwischen gibt es überdies Entspannungssignale im Handelsstreit und beim Brexit, die entsprechend positiv auf die Stimmungsindikatoren ausstrahlen. Alles in allem verdichten sich in Europa und Asien die Indizien für eine Wende zum Besseren.

Auch die USA werden unserer Einschätzung nach nicht in die Rezession rutschen. Die anziehenden Hausverkäufe und Baugenehmigungen signalisieren bereits, dass der Immobilienmarkt von der expansiveren Zinspolitik profitiert. Über kurz oder lang sollte sich dies auch auf die Unternehmensinvestitionen übertragen. Wenn Donald Trump die Nerven behält und den Handelsstreit nicht erneut eskalieren lässt, sollte die US-Konjunktur nochmals den Hals aus der Schlinge ziehen und nach der Delle im 2. Halbjahr 2019 im kommenden Jahr erneut nach oben drehen.

Das Schreckgespenst einer globalen Rezession, dass der IWF zuletzt an die Wand malte, sollte sich daher nicht bewahrheiten. Vielmehr besteht 2020 die Chance auf eine weltwirtschaftliche Erholung. Da Nachholeffekte – vor allem in den USA – fehlen und die geldpolitischen Impulse erschöpft sind, zeichnet sich zwar keine kräftige Belebung ab. Dafür dürfte es sich jedoch um einen synchronen Aufschwung rund um den Globus handeln.

Wir gehen davon aus, dass Asien und Europa mehr profitieren als die USA. So haben die meisten Schwellenländer und Eurostaaten stärker unter dem Handelskrieg gelitten und starten im Konjunkturzyklus von einem tieferen Niveau aus. Entsprechend grösser ist nunmehr das Potenzial für Aufholeffekte. Die Aktienmärkte in den Emerging Markets und der Eurozone dürften daher dynamischer zulegen als diejenigen der USA. Gleichzeitig sollte der USD endgültig seinen Höhenflug beenden. Beides zusammen hätte zumindest ein Gutes für die Vereinigten Staaten: Das US-Handelsbilanzdefizit würde abschmelzen und in dieser Hinsicht Donald Trump besänftigen.

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