Medienspiegel
19. Juli 2018

Vermögensverwaltende Fonds müssen sich neu ausrichten

Die Strategien vieler vermögensverwaltender Fonds müssen verändert werden. Das hat Stephan Kuhnke, Leiter Portfoliomanagement bei Bantleon, im Interview mit dem Magazin »Cash« gesagt. »Für die nächsten Jahre gilt, dass moderat steigende Zinsen und volatile Entwicklungen an den Aktien- sowie Rohstoffmärkten klassische Konzepte vermögensverwaltender Fonds an ihre Grenzen bringen werden. In diesem Umfeld reicht es nicht mehr, die Anteile einzelner Assetklassen zu verändern oder bei Aktien von Growth zu Value zu wechseln.«

Dauerhafte Erträge werden Kuhnke zufolge künftig nur noch über einen Managementansatz entstehen, der erstens jene Anlageklassen herausfiltert, die in überschaubarer Zukunft die besten Perspektiven bieten und zweitens nicht vor dem Verkauf aller Risikoanlagen zurückschreckt. »Vielleicht besteht die wichtigste Fähigkeit eines vermögensverwaltenden Fonds in Zukunft darin, sich auch einmal komplett in den Geldmarkt zurückziehen zu können. Denn im Moment fühlen wir uns alle sehr sicher, weil die Notenbanken jedes Risiko von den Finanzmärkten fernhalten.«

Grundsätzlich sollten jene Sektoren im Fokus stehen, die von den strukturellen Veränderungen profitieren. »Das sind zunächst Aktien von Technologieunternehmen, die besonders vom technologischen Wandel profitieren können. Dazu gehören die drei vertikalen Technologietrends Industrie 4.0, Healthcare-Technologie sowie Mobilität & Autonome Systeme. Hinzu kommen deren massgebliche Querschnittstechnologien, also Robotik & Fertigungstechnologie, Sensorik & Mikrochips, Big Data & Künstliche Intelligenz, Innovative Materialien und Kommunikationstechnik.« Auf Social-Media- und Lifestyle-Themen hingegen könne man gut verzichten, weil diese nicht zu nachhaltigem Wachstum führten.

»Aber auch das Thema Infrastruktur hat langfristig grosses Potential«, stellte Kuhnke fest. »In der Infrastruktur hat sich ein riesiger Nachholbedarf aufgebaut. In Deutschland beispielsweise sind inzwischen 40% aller Bundesstrassen und 50% aller Brücken in mässigem bis schlechtem Zustand. Dies hat selbst die Bundesregierung alarmiert, die das Ruder in diesem Bereich herumreissen möchte.« In anderen europäischen Ländern sehe es nicht viel besser aus. »Weil die Geldpolitik im nächsten Abschwung nicht mehr gegensteuern kann, bleibt als Ausweg nur die Fiskalpolitik, um die Konjunktur zu stützen.«

Wichtig sei ein Fokus auf regulierte Infrastruktur der Bereiche Urbanisierung, Energieversorgung, Mobilität und demografischer Wandel: »Regulierte Infrastruktur bedeutet monopolistische Geschäftsmodelle, zuverlässige Zahlungsströme und geringe Wertschwankungen. Diese Eigenschaften bieten ein Gegengewicht zu den allgemeinen Risiken am Aktien- und Anleihenmarkt.«