Analyse
2. August 2018

US-Geldpolitik: vorerst weiter so wie bisher

Wie erwartet beliess die US-Notenbank die Leitzinsen gestern unverändert und hielt am Ausblick fest, sie auch künftig nur »graduell« anzuheben. Damit sind die Währungshüter auf Kurs, die Fed-Funds-Rate dieses Jahr noch zweimal um 25 Bp zu erhöhen, sodass 2018 insgesamt vier 25-Bp-Schritte zu Buche stehen. In Anbetracht der von uns erwarteten konjunkturellen Abkühlung sollten 2019 aber nur noch zwei Zinserhöhungen folgen.

Die Fed hält wie erwartet an ihrem bisherigen Rhythmus fest, die Leitzinsen nur bei jeder zweiten FOMC-Sitzung anzuheben. Nach der Zinserhöhung Mitte Juni beschlossen die Währungshüter daher im Rahmen ihrer gestern endenden Sitzung, die Leitzinsbandbreite dieses Mal bei 1,75% bis 2,00% zu belassen.

Turnusgemäss stand weder eine Pressekonferenz noch die Veröffentlichung aktualisierter Makro-Prognosen auf der Agenda. Erläuterungen zum Zinsentscheid finden sich demzufolge lediglich in der einseitigen Pressemeldung der Fed. Und hier wurde nur das Nötigste gegenüber dem Statement vom Juni-Treffen angepasst. Im Wesentlichen beschränken sich die Änderungen darauf, das aktuelle Wirtschaftswachstum als »stark« und nicht mehr als »solide« zu bezeichnen.

Abb. 1: Die US-Konjunktur dürfte 2019 deutlich an Schwung verlieren, …

Quellen: ISM, Bantleon

Alles andere blieb im Grossen und Ganzen unverän­dert, was allein schon für eine stetige Fortsetzung des bisherigen Straffungszyklus spricht. Vor allem wurde an der Ankündigung festgehalten, die Fed-Funds-Rate weiterhin »graduell« anzuheben. Das ist ein wichtiges Signal dafür, dass die Leitzinsen auch künftig einmal pro Quartal (= bei jeder zweiten FOMC-Sitzung) erhöht werden. Der nächste Zins­schritt ist folglich im Rahmen des kommenden FOMC-Treffens am 25./26. September zu erwarten.

Wie geht es danach weiter? Wir gehen davon aus, dass auch im 4. Quartal 2018 die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine erneute Zinsanhebung rechtfertigen – am Jahresende sollte die Leitzins­bandbreite damit bei 2,25% bis 2,50% liegen.

Abb. 2: … was zu einer langsameren Gangart bei den Zinserhöhungen führen wird

Quellen: Fed, ISM, Bantleon

Mit Blick auf 2019 dürfte sich das Umfeld aber ändern. Die Kerninflationsrate, die sich aktuell bei 1,9% befindet (Kerndeflator der privaten Konsum­ausgaben), sollte zwar weiter nach oben tendieren und dabei auch das 2,0%-Ziel der Notenbank leicht überschreiten. Gleichzeitig rechnen wir aber mit einer merklich nachlassenden Wachstumsdynamik infolge der verschlechterten Finanzierungskondi­tionen, die prominent in unserem abwärtsgerich­teten Long-Term Financial Conditions Index zum Ausdruck kommen (vgl. Abb. 1).

Die Fed wird auf eine derartige Wachstumsverlang­samung reagieren, wie sie es immer in den vergan­genen Jahrzehnten gemacht hat: Der Leitzinspfad dürfte flacher werden, bzw. die Notenbank sollte eine Pause im Zinserhöhungszyklus einlegen (vgl. die Gegenüberstellung der Fed-Funds-Rate mit dem ISM-Einkaufsmanagerindex in Abb. 2). Wir rechnen daher nach insgesamt vier 25-Bp-Zinsschritten 2018 im kommenden Jahr nur noch mit zwei Leitzinserhöhungen (auf dann 2,75% bis 3,00%) und sind damit etwas weniger zuversichtlich als die Fed, die derzeit von drei weiteren Zinsschritten 2019 ausgeht.

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