Kommentar
19. März 2018

Politische Unsicherheiten verstärken Konjunkturrisiken

Nach einem Winterschlaf drängen politische Themen wieder vermehrt in den Vordergrund. Beim Handelsstreit mit den USA sind zwar noch Verhandlungslösungen denkbar, die sogar auf mehr Freihandel hinauslaufen könnten. Wahrscheinlicher ist indes, dass der Protektionismus schleichend die Oberhand gewinnt. Eine zweite Baustelle bietet Italien – die Lage ist hier nach den Wahlen völlig verfahren. Mithin droht im Herbst ein erneuter Urnengang. In Anbetracht dieser Gemengelage und der von uns prognostizierten zyklischen Abschwächung dürfte das Fahrwasser für die Finanzmärkte in den nächsten Monaten rauer werden.

Nachdem politische Themen lange Zeit keine grosse Rolle an den Finanzmärkten spielten, treten sie nunmehr wieder mit Macht in den Vordergrund. Am meisten Sorge bereitet derzeit die Gefahr eines von den USA angezettelten Handelskriegs. Daneben verursacht aber auch der Ausgang der Italien-Wahl Kopfzerbrechen.

Beim Handelsstreit laufen die Akteure diese Woche auf den Abgrund zu: Wer bis Freitag, 23. März, keine Ausnahmeregelung ergattern kann, wird von den USA mit Importzöllen auf Stahl und Aluminium belegt. Die Betroffenen haben dann 60 Tage Zeit, um bei der WTO Gegenmassnahmen anzumelden. Die EU hat bereits eine Liste an US-Gütern publiziert, auf die gegebenenfalls Zölle erhoben werden (neben Stahl- und Aluminiumerzeugnissen die vieldiskutierten anderen Produkte wie Erdnussbutter, Whiskey, Orangensaft, T-Shirts, Motorboote, Heizlüfter etc.). Macht die EU ihre Drohungen war, wollen die USA wiederum mit Einfuhrbeschränkungen auf Autos zurückschlagen. Spätestens dann hätte sich das Scharmützel zu einem veritablen Krieg ausgeweitet.

Die Tür für Verhandlungen ist aber noch nicht zugeschlagen. Ein Vorschlag lautet, dass die EU statt Gleiches mit Gleichem zu vergelten, lieber mit den USA über einen Abbau von Handelsbeschränkungen diskutieren sollte. So könnte die EU z.B. ihre vergleichsweise hohen Zölle auf US-Autos (10%) senken. Im Gegenzug wäre eine Reduzierung der exorbitanten US-Tabakzölle (teilweise über 300%) denkbar. Das anfängliche Gepolter von Donald Trump würde sich damit im Endeffekt in einen Impuls für mehr Freihandel wandeln. Dieses Szenario ist jedoch zu schön, um wahr zu sein. Wahrscheinlicher ist, dass der US-Präsident zumindest kleine Nadelstiche setzt, um seine Wählerschaft zu befriedigen. Hinzu kommt, dass er an mehreren Fronten kämpft und sich insbesondere noch China vorknöpfen will.

Global nicht ganz so wichtig, für die Eurozone aber von fundamentaler Bedeutung, ist die Regierungsbildung in Italien. Der Sieg der beiden populistischen Parteien (5-Sterne-Bewegung, Lega) bei den jüngsten Wahlen hat einen Scherbenhaufen hinterlassen. Die Suche nach einer stabilen Regierungskoalition scheint nahezu aussichtslos. Die Sozialdemokraten (Partito Democratico) schliessen – als Wahlverlierer – bislang ein Zusammengehen mit M5S oder Lega strikt aus. Auch zwischen der Wählerschaft der beiden Gewinner tun sich Welten auf. Das M5S wurde von den ärmeren Bevölkerungsschichten Süditaliens gestützt und setzt auf eine kräftige Umverteilung. Die Lega wird hingegen traditionell vom Bürgertum des Nordens gewählt, das Steuersenkungen und weniger Transfers präferiert.

Dennoch ist im Gespräch, dass die beiden Protestparteien ein temporäres Zweckbündnis eingehen, um einmal mehr das Wahlrecht zu reformieren. Zum Beispiel könnte der stärksten Partei doch wieder ein Bonus eingeräumt werden, womit die Siegchancen von M5S bzw. Lega (+Bündnispartner) bei der nächsten Wahl weiter steigen würden. Neuwahlen in diesem Herbst sind daher ein wahrscheinliches Szenario in Italien.

Zieht man ein Fazit, braut sich sowohl beim Thema Handelsstreit als auch Italien Ungemach zusammen. Hinzu kommen die von uns prognostizierten schwächeren Konjunkturdaten. Für die Finanzmärkte wird das Umfeld ungemütlicher und die sicheren Häfen gewinnen an Attraktivität.

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