Kommentar
9. April 2018

Negativtrend bei den Konjunkturdaten der Eurozone setzt sich fort

Nach den Stimmungsindikatoren haben auch die Aktivitätsdaten der Eurozone auf der ganzen Linie enttäuscht. Die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze sind im Januar/Februar eingebrochen. Dafür verantwortlich waren auch Sonderfaktoren (Kälte, Grippewelle), weshalb eine Gegenbewegung vorprogrammiert ist. Dabei dürfte es sich aber nur um eine kurze Erholung handeln. Spätestens zur Jahresmitte sollte wieder der zyklische Abwärtstrend die Oberhand gewinnen. In Anbetracht dessen bleiben Risikoassets unter Druck.

Was ist bloss mit der Konjunktur der Eurozone los? Am Jahresende 2017 feierten die Einkaufs- und Geschäftsklimaindikatoren mehrjährige Höchststände, in einigen Fällen (IFO-Index) wurden sogar Rekordniveaus erreicht. Gleichzeitig schien sich das BIP-Wachstum auf dem komfortablen Niveau von +0,7% (annualisiert +2,8%) pro Quartal festgesetzt zu haben.

Seit Anfang 2018 ist jedoch der Wurm drin. Für die erste Unruhe sorgten die Stimmungsindikatoren, die sich zwischen Januar und März erheblich verschlechterten. Die Steilheit des Abwärtstrends hat selbst Konjunkturskeptiker wie uns überrascht. Besonders viel Federn lassen mussten die IFO-Geschäftserwartungen und der Einkaufsmanagerindex der Industrie. Alles zusammen deutet auf eine namhafte Expansionsverlangsamung hin. Hatte der Composite-EMI der Eurozone etwa im Januar noch einen BIP-Anstieg von +0,9% nahegelegt, waren es im März nur noch +0,5% bis +0,6% – Tendenz weiter fallend.

Zur Eintrübung haben zuletzt auch einige Sonderfaktoren beigetragen – allen voran das Gepolter um den Handelskrieg. Die damit verbundenen Ängste könnten sich im Endeffekt als übertrieben erweisen. Dessen ungeachtet ist aus unserer Sicht aber die zyklische Abschwächung ohnehin angelegt. So lassen in diesem Jahr die Impulse der Geldpolitik nach, der Nachfragesog aus Asien ebbt ab und die Unternehmen sehen sich mit steigendem Kostendruck konfrontiert. Die Furcht vor wachsendem Protektionismus ist mithin lediglich ein Brandbeschleuniger.

Bis sich die Tendenz in den Frühindikatoren auf die Realwirtschaft überträgt, dauert es normalerweise einige Monate. Dieses Mal ging aber alles schneller. Bereits im Januar/Februar sind die Industrieproduktions- und Einzelhandelsumsätze in Deutschland und der Eurozone eingebrochen und sorgten damit für die zweite Welle des enttäuschenden Datenflows. In der Konsequenz ist dem BIP-Wachstum kein letzter Höhepunkt im 1. Quartal vergönnt – es gerät gleich zu Jahresbeginn unter Druck.

Wie bei den Stimmungsbarometern waren auch hier einige Sonderfaktoren am Werk. Allen voran hat das kalte Wetter im Februar sowohl die Lust am Einkaufsbummel als auch die Bauaktivität gebremst. Schliesslich trieb die Grippewelle den Krankenstand Anfang März auf einen mehrjährigen Höchststand, was die Produktion in der gesamten Wirtschaft beeinträchtigte. Die Warnstreiks der IG-Metall waren dann noch das i‑Tüpfelchen.

Ein Teil der jüngsten Produktionsausfälle wird zweifellos im 2. Quartal nachgeholt. Wie oben ausgeführt, kann diese technische Gegenbewegung aber nicht auf zusätzlichen konjunkturellen Rückenwind setzen. Im Gegenteil, im 3. Quartal sollte erneut die zyklische Abschwächung die Oberhand gewinnen.

Die Finanzmärkte können einerseits darauf hoffen, dass es nach den Enttäuschungen der Vorwochen zu einer temporären Erholung der Daten kommt. Dies würde Risikoassets kurzfristig stützen. Andererseits haben viele den Ernst der Lage noch gar nicht realisiert: die besten konjunkturellen Zeiten sind vorbei. Noch weniger auf dem Radar ist ein veritabler Abschwung (mit wieder steigenden Arbeitslosenzahlen, Kreditausfällen etc.), obwohl die Risiken in dieser Hinsicht zugenommen haben.

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