Kommentar
3. April 2018

Die zunehmende Unsicherheit belastet die Unternehmensstimmung

Der von den USA angezettelte Handelskonflikt lastet wie ein Damoklesschwert über der Weltwirtschaft und dies in einem Umfeld, in dem sich die Unternehmen ohnehin wachsendem Gegenwind ausgesetzt sehen. Als Letztes haben dies die Tech-Giganten zu spüren bekommen. In den Geschäftsklimaumfragen tritt die zunehmende Unsicherheit bereits offen zu Tage. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen befinden sich seit Jahresbeginn im Sinkflug und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Für Bundesanleihen sind dies gute Nachrichten. Risikoassets bleiben dagegen unter Druck.

Der von den USA angezettelte Handelsstreit hat die erste Eskalationsstufe erreicht. China schob die Antwort auf die Stahl- und Aluminiumzölle der USA nicht auf die lange Bank, sondern schlug bereits diese Woche zurück. Demnach werden seit Montag 128 US-Produkte mit Zöllen von 15% bis 25% belegt. Alles in allem eine gemässigte Reaktion, schliesslich sind davon gerade einmal knapp 2% der US-Ausfuhren nach China betroffen. Wichtige Exportgüter wie Sojabohnen fehlen auf der chinesischen Strafliste. Auch öffentlich setzt die chinesische Regierung noch auf Deeskalation: Man wolle keinen Handelskrieg. Somit besteht weiterhin Hoffnung, dass die nächste Stufe der Eskalationsleiter nicht erklommen wird und im Streit um den chinesischen Technologieklau auf eine Verhandlungslösung gesetzt wird.

Vor den im November anstehenden US-Kongresswahlen geht es Donald Trump vor allem darum, Trophäen nach Hause zu bringen. Er muss seinem Wahlvolk bessere Deals präsentieren, z.B. niedrige Zölle auf amerikanische Autos oder günstigere Ursprungsregelungen innerhalb der NAFTA (ein möglichst grosser Teil eines Produkts muss aus den USA stammen, um zollfrei innerhalb der NAFTA zu zirkulieren). Gelingt ihm das, kann alles noch gut ausgehen.

Dennoch schwebt der Handelskonflikt wie ein Damoklesschwert über der Weltwirtschaft und erzeugt Unsicherheit. Dies geschieht in einem Umfeld, in dem das Vertrauen in die Goldilocks-Wirtschaft und die stetig wachsenden Unternehmensgewinne ohnehin Risse bekommen hat. Die Zweifel werden unter anderem von den Notenbanken geschürt, die sich weltweit aus der ultraexpansiven Geldpolitik verabschieden und damit den Boden für steigende Zinsen und Risikoprämien bereiten.

Gleichzeitig sehen sich die Unternehmen weltweit mit Forderungen nach mehr Steuer- und Lohngerechtigkeit, Datenschutz sowie schärferen Umweltauflagen konfrontiert. Das erste »Opfer« dieser Welle waren die Autohersteller, die parallel dazu grösste technologische Herausforderungen meistern müssen. Zuletzt bekamen aber vor allem die Tech-Giganten (Facebook, Amazon, Google) den Unwillen der Politik und der Bevölkerung zu spüren, deren hemmungslose Expansionsstrategie damit ernsthaft in Gefahr gerät. All dieser Gegenwind belastet die Geschäftsperspektiven der Unternehmen, was inzwischen auch in den Umfragen überdeutlich sichtbar wird. Allen voran in der Eurozone haben sich seit Jahresbeginn die vorausschauenden Komponenten der Konjunkturbarometer spürbar verschlechtert. In der deutschen Autoindustrie sind etwa die Geschäftserwartungen von einem 4-Jahres-Hoch auf ein 2-Jahres-Tief abgestürzt. Eine nachhaltige Aufhellung ist in den nächsten Monaten nicht zu erwarten. Wir rechnen vielmehr mit einer weiteren Eintrübung. Auch von der Makropolitik ist keine Hilfe in Sicht. Die Geldpolitik hat inzwischen den Aufwärtstrend bei der Inflation fest im Blickfeld. Die Fiskalpolitik wird in Europa erst bei einer drohenden Rezession einschreiten und in den USA ist in dieser Hinsicht das Pulver bereits verschossen.

In Anbetracht dessen ist der Boden für eine moderate Abkühlung der Konjunktur bereitet. An den Finanzmärkten sind damit ebenfalls die Würfel gefallen: Während der Abwärtsdruck auf Risikoassets anhält, bleiben sichere Häfen weiter unterstützt.

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