Kommentar
3. September 2018

Der IFO-Index war im August ein positiver Ausreisser

Das deutsche Geschäftsklima hat sich im August überraschend stark verbessert. Damit stand es aber innerhalb der Eurozone ziemlich alleine. Mit Blick voraus halten wir an unserem skeptischen Konjunkturausblick fest. Das Umfeld hat sich 2018 gegenüber 2017 eindeutig verschlechtert. Allen voran ist der Wachstumstrend nach China abwärtsgerichtet und die globale Geldpolitik nimmt den Fuss vom Gaspedal. In Anbetracht dessen bleiben wir gegenüber Risikoassets zurückhaltend, auch wenn ein kurzer Frühling in Q3 nicht auszuschliessen ist.

Der IFO-Index hat sich im August spektakulär zurückgemeldet. Das Barometer sprang um über 2,0 Punkte nach oben und hat damit auf einen Streich mehr als die Hälfte des Rückgangs der vorangegangenen Monate wettgemacht. In dieser Stimmungsaufhellung spiegelt sich zum einen die Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgangs des Handelsstreits zwischen den USA und der EU wider. Zum anderen lässt sich das Baugewerbe derzeit durch nichts aus der Bahn werfen und hat zu einem neuen Höhenflug angesetzt.

Ist die IFO-Bewegung das Signal für eine konjunkturelle Belebung, nachdem im 1. Halbjahr 2018 das Wachstum in Deutschland und der Eurozone so enttäuscht hat? Nicht in dieses Bild passen die anderen Konjunkturbarometer der Währungsunion, die sich im August weit ungünstiger entwickelt haben. Geradezu das Kontrastprogramm zum IFO-Index bot das italienische Geschäftsklima. Speziell in der Industrie hat hier der Optimismus in den vergangenen Monaten spürbar nachgelassen.

Für eine gesunde Skepsis gibt es nach wie vor gute Gründe. In mehrerlei Hinsicht hat sich das Umfeld in diesem Jahr im Vergleich zu 2017 verschlechtert. An erster Stelle ist die Entwicklung in China zu nennen. Während 2017 das Wachstum einen kleinen Satz nach oben machte (von 6,7% auf 6,9%) und somit der übergeordnete Abwärtstrend durchbrochen wurde, zeichnet sich für das 2. Halbjahr 2018 das niedrigste Expansionstempo seit Jahrzehnten ab (unsere Prognose: 6,6%). Die Bewegungen erscheinen auf den ersten Blick klein. Angesichts der Bedeutung Chinas (2017 war das Land für ein Drittel des globalen BIP-Wachstums verantwortlich) haben diese Ausschläge aber grosse Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Beim globalen Handelskonflikt könnte es zwar in vielen Bereichen noch zu Einigungen kommen (Nafta, USA versus EU, USA versus China), dennoch ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Zahlreiche Zölle wurden im Vergleich zu den Vorjahren angehoben (vor allem beim Handel zwischen den USA und China). Darüber hinaus wird Donald Trump bis zum Ende seiner Amtszeit nicht müde werden, mit der Zoll-Keule zu drohen und so permanent Unsicherheit erzeugen.

Schliesslich nimmt vonseiten der Geldpolitik die Unterstützung für die Weltwirtschaft ab. Überall ziehen sich die Notenbanken aus der ultraexpansiven Geldpolitik zurück. Das bekommen vor allem die Schwellenländer zu spüren. Plötzlich schauen die Investoren wieder genauer hin, wo sie ihre Anlagen tätigen. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt sein Geld einfach in 2‑jährige US-Treasuries an und bekommt dafür immerhin 2,60% p.a. Darüber hinaus ist – 10 Jahre nach Lehman – die Bereitschaft der Notenbanken gesunken, bei jeder kleineren Marktturbulenz einzugreifen. Das Risiko von Kursrückschlägen (an den Aktienmärkten) hat auch in dieser Hinsicht zugenommen.

Viele andere Probleme – wie der Brexit und die italienische Regierungskrise – seien hier nur am Rande erwähnt. Vor diesem Hintergrund bleiben wir auf mittlere Sicht vorsichtig gegenüber Risikoassets. Kurzfristig ist indes im 3. Quartal ein Zwischenhoch in den Frühindikatoren durchaus möglich, das noch einmal positiv auf die Finanzmärkte ausstrahlt.

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