Kommentar
19. Februar 2018

Aktienmärkte verkraften höhere Inflation – Gefahr droht aber vonseiten der Konjunktur

Die US-Inflation hat sich im vergangenen Monat eindrucksvoll zurückgemeldet. Die Kernrate der Verbraucherpreise verzeichnete den kräftigsten Monatsanstieg seit 13 Jahren, was die 2017 geschürten Deflationsängste wieder in den Hintergrund treten lässt. Eine noch grössere Überraschung als die Inflationszahlen an sich stellte aber die Reaktion der Finanzmärkte dar – anders als Anfang Februar reagierten die Börsen nicht mit einem Einbruch. Wir sehen darin eine erfreuliche Normalisierung. Ungeachtet dessen trübt sich der Ausblick für die Aktienmärkte ein, da die Konjunkturdynamik ihren Höhepunkt bald durchschritten haben wird. Die Enttäuschungen von dieser Seite werden entsprechend zunehmen, was die Aktienkurse unter Druck bringt.

Die US-Inflation hat sich vergangene Woche eindrucksvoll zurückgemeldet. Mit +0,349% legte der Kernindex der Verbraucherpreise (ohne Energie und Nahrungsmittel) im Januar 2018 so kräftig gegenüber dem Vormonat zu wie seit knapp 13 Jahren nicht mehr. Verantwortlich für den massiven Preisschub war gleich eine Reihe von Faktoren. An vorderster Stelle stehen die Bekleidungspreise, die im Monatsvergleich so deutlich angestiegen sind wie zuletzt im Februar 1990! Daneben verteuerten sich Kfz-Versicherungen merklich (16‑jähriger Rekord) und bei Gebrauchtwagen und Gesundheitsausgaben fielen die Preissteigerungen ebenfalls überdurchschnittlich hoch aus.

In gewisser Weise hat damit ein Regimewechsel stattgefunden. Die Serie preisdämpfender Sonderfaktoren wurde durchbrochen, die nahezu während des gesamten zurückliegenden Jahres das Geschehen diktiert hatte. Die damit verbundenen Deflationsängste treten entsprechend wieder in den Hintergrund. Nicht zuletzt dürften bei der US-Notenbank die Stimmen leiser werden, die vor einer anhaltenden Unterschreitung des 2%-Inflationsziels warnen. Wir sehen die Fed daher auf Kurs, den Zinserhöhungszyklus ungebremst fortzusetzen, was bis zu vier 25 Bp-Anhebungen der Fed-Funds-Rate in diesem Jahr entspricht.

Eine noch grössere Überraschung als die Inflationszahlen an sich stellte aber die Reaktion der Finanzmärkte dar. Hatten noch Anfang Februar die etwas kräftiger als erwartet ausgefallenen US-Lohndaten an den Börsen rund um den Globus eine massive Verkaufswelle losgetreten, zeigten sich die Aktienmärkte nach der Bekanntgabe des Rekordanstiegs der Kerninflationsrate äusserst gelassen. In unseren Augen ist das eine erfreuliche Normalisierung. Denn die nach oben drehenden Inflationsraten stellen auf dem gegenwärtig immer noch tiefen Niveau keine Gefahr dar. Die Furcht vor übermässig steigenden Leitzinsen – die angeblich den Absturz der Börsen Anfang Februar ausgelöst hatte – war und ist unbegründet.

Das heisst aber nicht, dass der Ausblick für die Aktienmärkte einhellig positiv wäre. Entscheidend ist hier die künftige Konjunkturdynamik. Die aktuelle Lage und die kurzfristigen Perspektiven sind diesbezüglich zweifellos sehr erfreulich. In den USA fungiert der Nachholbedarf bei den Unternehmensinvestitionen weiter als zentrale Triebkraft des Aufschwungs, der durch die Steuerreform kurzfristig zusätzlich befeuert wurde.

Ungeachtet dessen zeichnet sich aber eine Trendwende ab. Die Anschubwirkungen, die von der Steuerreform ausgehen, werden konstruktionsbedingt relativ schnell wieder ausklingen. Die US-Wirtschaft würde damit dem weltweiten Trend einer nachlassenden Wachstumsdynamik folgen. Denn auch für China und nicht zuletzt die Eurozone kündigt sich eine konjunkturelle Abschwächung an. Bereits eine Reihe offizieller Frühindikatoren bestätigt hier unsere zurückhaltende Sicht (z.B. IFO-Geschäftsklima, OECD-Leading Indicator).

Selbst wenn es sich dabei nur um eine Wachstumsverlangsamung und keinen massiven Einbruch handelt – für die Aktienmärkte sind das keine guten Aussichten. Allein eine Zunahme der negativen Überraschungen bei den Konjunkturdaten wird die Börsen unter Druck bringen. Die gegenwärtig zu beobachtende Erholung dürfte daher wieder enden und spätestens im 2. Quartal in eine neue Korrektur münden. Im Gegenzug erfahren die Anleihenmärkte Auftrieb. Vor allem in Europa, wo die Geldpolitik immer noch extrem expansiv ausgerichtet ist, da die EZB den Stimulus noch gar nicht nennenswert zurückgefahren hat.

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