Kommentar
16. Juli 2018

Aktienmärkte blenden Risiken aus

Die Aktienmärkte zeigten sich bis zuletzt äusserst robust. Dabei haben die Abwärtsrisiken weiter zugenommen: Unter anderem ist der Handelsstreit eskaliert, der Brexit nach wie vor in der Schwebe und die Lage in China zunehmend unübersichtlich. Nicht zuletzt befindet sich mit der Geldpolitik das globale Schmiermittel der vergangenen Jahre auf dem Rückzug. Wir empfehlen daher weiterhin eine defensive Ausrichtung der Asset Allocation.

Die Bilanz der Aktienmärkte fällt im bisherigen Jahresverlauf nicht berauschend aus, kann sich aber angesichts der Widrigkeiten durchaus sehen lassen. Passend zur Fussball-WM sticht in Europa ausgerechnet Frankreich positiv hervor (CAC 40: +2,1% versus DAX: -3,0%, jeweils ytd). Weltweit sind die US-Märkte die Überflieger (S&P 500: +4,8% ytd). Dabei gab es gerade in den vergangenen Tagen einige Gründe, die zur Vorsicht mahnen: Die USA haben den Handelsstreit mit China weiter angeheizt (die erste Stufe der Strafzölle wurde umgesetzt). Kurz darauf wurde am NATO-Gipfel der Bruch des Westens offenkundig. Gleichzeitig sind einige Konjunkturindikatoren abgestürzt (ZEW-Index auf 6-Jahres-Tief) und die Metallpreise befinden sich im freien Fall (Kupfer: -18% seit Anfang Juni).

Für viele Investoren ist dies aber offenbar kein Grund zur Sorge. Sie setzen ganz auf die Berichtssaison im 2. Quartal. Vor allem in den USA kündigen sich erneut sprudelnde Gewinne an (Analystenschätzung: +20% im Vorjahresvergleich). Dieser rückwärtsgewandten Sicht stehen aber zunehmende Risiken gegenüber, die eine Fortsetzung des ungebremsten Gewinnwachstums in Frage stellen:

Im Handelsstreit zeichnet sich nach wie vor keine Deeskalation ab. Im Raum stehen vielmehr weitere US-Strafzölle auf chinesische Waren (im Umfang von 200 Mrd. USD) sowie generell auf Autos und Autoteile (ca. 360 Mrd. USD). Verhandlungslösungen sind zwar immer noch möglich, Donald Trump scheint jedoch fest entschlossen, das US-Handelsbilanzdefizit nachhaltig zu senken. Eines steht somit auf jeden Fall fest: Das Thema bleibt auf der Tagesordnung und sorgt für Unsicherheit, was wiederum Gift für unternehmerische Investitionsentscheidungen ist.

Ähnliches gilt für den Brexit, auch wenn Theresa May nunmehr einen »weichen« Brexit-Plan vorgelegt hat. Die Vorstellungen über eine neue Freihandelszone mit der EU beim Warenverkehr und einen erleichterten Zugang britischer Dienstleistungsexporte sehen aber immer noch nach Rosinenpickerei aus und werden schwer durchsetzbar sein.

Die weitreichendste Konsequenz für die Finanzmärkte hat aber sicherlich die Wende in der Geldpolitik. Die US-Notenbank wird aller Voraussicht nach die Obergrenze der Fed-Funds-Rate am Jahresende auf 2,50% angehoben haben. Gleichzeitig steigt die EZB aus dem Anleihenkaufprogramm aus. Erstmals seit Langem werden die weltweiten Notenbankbilanzen damit schrumpfen. Die Geldpolitik, von der in den vergangenen Jahren stets Rückenwind ausging, fällt demzufolge als globaler Wachstumstreiber aus.

Unterdessen strahlt auch China immer mehr Unsicherheit aus. Einerseits steht das Land im Handelskrieg besonders stark unter Druck. Andererseits findet ein staatlich verordnetes Deleveraging statt. Die Regierung versucht zwar inzwischen mit expansiven Massnahmen gegenzusteuern. Dennoch dürften per saldo die Bremseffekte überwiegen.

Der Hort der Stabilität waren zuletzt die USA – anders als in Europa und Asien wurde dort der konjunkturelle Hochpunkt noch nicht durchschritten, was unter anderem den Steuergeschenken von Trump zu verdanken ist. Damit wurde aber zugleich das fiskalpolitische Pulver verschossen. Vieles ist inzwischen weit ausgereizt (z.B. der Abwärtstrend der Sparquote). Die wirtschaftlich besten Zeiten dürften damit auch in den USA vorbei sein.

Fazit: Beim Konjunktur- und Finanzmarktausblick überwiegen die Abwärtsrisiken klar gegenüber den Aufwärtsrisiken. Wir plädieren daher weiterhin für eine defensive Ausrichtung der Asset Allocation.

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