Herr Schubert, die KVG-Landschaft verändert sich. Wie positionieren Sie Bantleon Invest in diesem Umfeld?
Jörg Schubert: Wir positionieren uns klar als mittelständische KVG mit hoher Umsetzungskompetenz und starker inhaltlicher Tiefe. Wir stehen für Nähe, Verlässlichkeit und strukturiertes Denken. Der entscheidende Punkt ist: Eine mittelständische KVG kann und sollte sich niemals nur über Technik oder Preis definieren – das können andere vielleicht sogar besser. Unser Differenzierungsmerkmal liegt woanders: in der Fähigkeit, Mandate konzeptionell zu durchdringen und den Kunden zu verstehen.
Wie äußert sich dieses Kundenverständnis in der Praxis?
Schubert: Wir verstehen uns nicht nur als Abwickler, sondern als Gestalter von Fondslösungen. Deshalb beginnen wir nicht bei der Abwicklung, sondern bei der Zielstruktur des Kunden. Wir fragen: Was will der Anleger erreichen? Welches Vehikel passt wirklich zu seiner Anlagestruktur und zu seinem Regulierungsrahmen – zum Beispiel Fonds nach §282 oder §284 KAGB. Was sind seine Risikoziele und welche Nachhaltigkeitsambitionen gibt es? Dabei spielt unsere ESG-Kompetenz eine zunehmend wichtige Rolle – nicht nur in der Umsetzung, sondern bereits in der Mandatskonzeption. Ob SFDR-Kategorisierung, ESG-Datenintegration oder Reportingpflichten: Wir denken das von Anfang an mit – nicht, weil wir müssen, sondern weil wir es können. Zudem bieten wir wesentliche Zusatzleistungen aus einer Hand an.
Was meinen Sie konkret mit Zusatzleistungen?
Schubert: Unsere Kunden profitieren von zwei zentralen Kompetenzen, die es in dieser Qualität am Markt so nicht oft gibt: erstens unsere konjunkturbasierte Kapitalmarktexpertise durch unsere Einbindung in die Bantleon Gruppe. Zweitens unsere außergewöhnliche Kompetenz in der Risikosteuerung.
Was bringt hier die Einbindung in die Bantleon Gruppe konkret?
Schubert: Sie bringt integrative Tiefe. Die Bantleon Gruppe ist seit über drei Jahrzehnten auf das Management von Kapitalmarktrisiken für institutionelle Kunden spezialisiert. Unsere Konjunkturanalysten gehören zu den weltweit Besten und unser Overlay-Team Bantleon Risk Experts markiert den Goldstandard in der Risikosteuerung mit Overlay-Strategien und quantitativen Risikomodellen, die nicht nur robust, sondern vielfach erprobt sind. Dadurch können wir KVG-Mandate nicht nur verwalten, sondern unseren Kunden echte Steuerungslösungen bieten. Diese Expertise ist einzigartig im KVG-Umfeld und fließt in viele unserer Strukturen mit ein – sei es in Form konjunkturbasierter Overlay-Strategien oder bei der Bewertung von Marktrisiken alternativer Investments. Das heißt: Wir sind kein Verwalter, sondern ein Partner mit Marktverständnis. Und das macht einen entscheidenden Unterschied.
Der Trend geht klar in Richtung Automatisierung, Plattformökonomie und Digitalisierung. Ist ein mittelständischer Anbieter da nicht irgendwann überfordert oder gar überholt?
Schubert: Wir sehen Technologisierung als Werkzeug, nicht als Selbstzweck. Ja, wir investieren gezielt in Automatisierung und Digitalisierung – aber immer dort, wo sie echten Mehrwert schafft. Wir wollen Prozesse effizienter machen, ohne dabei die persönliche Erreichbarkeit und fachliche Tiefe zu verlieren. Unsere Kunden schätzen genau das: persönliche Erreichbarkeit und gleichzeitig einen klar strukturierten, nachvollziehbaren Ablauf.
Trotzdem: Können mittelständische Anbieter beim Tempo der Digitalisierung wirklich mithalten, wenn gleichzeitig Regulierung und Komplexität steigen?
Schubert: Wenn man sich nur über Effizienz definiert, wird das schwierig. Aber wir definieren uns über Qualität, Anpassungsfähigkeit und inhaltliche Kompetenz. Unsere IT-Struktur ist modular, unsere Prozesse sind skalierbar – und unsere Teams sind so aufgestellt, dass sie über Standards hinausdenken. Diese Haltung verschafft uns Resilienz. Gerade weil wir regulatorische Tiefe mit Investment-Know-how verbinden, können wir flexibel reagieren – sowohl auf neue Marktanforderungen als auch auf Kundenwünsche. In einem Umfeld, das sich ständig verändert, ist diese Verbindung von Stabilität und Beweglichkeit entscheidend.
Aber reicht das in einer zunehmend preissensitiven Branche?
Schubert: Natürlich müssen wir preislich wettbewerbsfähig sein – und das sind wir auch. Aber Kunden, die uns beauftragen, tun das, weil sie einen Partner suchen, der echten Mehrwert bietet. Wer mit uns arbeitet, bekommt kein standardisiertes Produkt, sondern eine durchdachte Struktur, die langfristig trägt. Am Ende zählt nicht nur der Preis, sondern die Qualität der Umsetzung und die Verlässlichkeit in der Partnerschaft. Genau dafür stehen wir.
