Staatsanleihen haben einen positiven Jahresauftakt verzeichnet. Erste Turbulenzen löste jedoch Japans Premierministerin Sanae Takaichi aus. Mit ihrem politischen Kurs einer Ausweitung des Haushaltsdefizits versetzte sie die Anleihenmärkte in Unruhe. Die Renditen lang laufender japanischer Staatsanleihen stiegen zeitweise um rund 30 Basispunkte und zogen auch die Renditen lang laufender deutscher Bundesanleihen sowie von US-Treasuries mit nach oben. Aus heutiger Sicht spricht wenig dafür, dass Japan zum dauerhaften Belastungsfaktor wird. Zum einen ist die Volatilität am Anleihenmarkt – gemessen am MOVE-Index – seither sogar gesunken, was darauf hindeutet, dass die Marktteilnehmer die Ereignisse nicht als nachhaltig ansehen. Zum anderen mehren sich Spekulationen, dass die BoJ bei einer Zuspitzung zunächst über flexible Marktoperationen dämpfend eingreifen könnte. Eine Rückkehr zu einer expliziten Kurvensteuerung (Yield Curve Control) gilt am Anleihenmarkt derzeit jedoch eher als unwahrscheinlich.
Short-Positionen auf historischen Höchstständen
Die Anleihenvolatilität nähert sich gemessen am MOVE-Index erstmals wieder den Niveaus aus dem Jahr 2021 – also der Zeit, bevor der kräftige Zinsanstieg die Anleihenmärkte durchrüttelte. An der Positionierung der Marktteilnehmer zeichnet sich jedoch noch keine erhöhte Nachfrage ab. So liegen die Short-Positionen gemäß CFTC-Daten in 2- und 10-jährigen US-Treasuries mit 75% und 70% der ausstehenden Kontrakte weiterhin auf historischen Höchstständen. Auf Long-Positionen entfällt entsprechend nur ein Anteil von 25% und 30%. Die starke Nachfrage nach Sachwerten, allen voran Gold und Silber, belastet den Anleihenmarkt zusätzlich. Es ist davon auszugehen, dass Staatsanleihen erst wieder an Popularität gewinnen, wenn die Preisdynamik bei Edelmetallen anhaltend nachlässt.
Ein weiterer wesentlicher Treiber steigender Renditen ist die zunehmende Skepsis gegenüber US-Treasuries – beispielhaft erkennbar an der Entscheidung des dänischen Pensionsfonds AkademikerPension, die Bestände in US-Staatsanleihen zu veräußern. Gleichzeitig nimmt die Sorge vor mangelnder Budgetdisziplin und weiter steigenden Schuldenständen vielerorts zu, was die Renditen am langen Ende der Zinskurve zusätzlich steigen lässt. Frankreich etwa hat den Haushalt 2026 nur mithilfe des Notparagrafen 49.3 durch das Parlament gebracht. Trotz dieses Kraftakts steht weiterhin ein Defizit von über 5% im Raum. Die Renditen 30-jähriger deutscher Bundesanleihen sind im Jahr 2025 um 88 Basispunkte gestiegen, während die Renditen 5-jähriger Bundesanleihen nur einen Anstieg von 29 Basispunkten verzeichneten. Es ist davon auszugehen, dass die Zinskurven ihren Versteilerungstrend fortsetzen.
Laufender Ertrag auf Niveau der Dividendenrenditen
Ein Nebeneffekt steiler werdender Zinskurven ist die zunehmende Relevanz des Roll-down-Effekts. Dieser tritt ein, wenn sich die Restlaufzeit von Anleihen im Zeitverlauf verkürzt und ihre Rendite durch die positive Kurvensteilheit fällt. In einem Umfeld unveränderter Zinskurven ermöglicht dies einen Ertrag oberhalb der Rendite auf Endfälligkeit. Im Fall einer 5-jährigen italienischen Staatsanleihe mit einer aktuellen Rendite von 2,80% würde sich die Rendite unter der Annahme einer unveränderten Zinskurve innerhalb eines Jahres um 0,22%-Punkte auf 2,58% reduzieren, was bei einer durchschnittlichen Duration von 4,5 Jahren einem zusätzlichen (Roll-down-)Ertrag von 0,99% entspricht. Die Ertragserwartung für ein Jahr läge damit bei 3,79%. Vergleicht man dies mit der Dividendenrendite des Eurostoxx, der die rund 300 liquidesten Titel der Eurozone umfasst, (2,9%) oder des Dow Jones Select Dividend Index (3,7%), wird deutlich, dass der laufende Ertrag von Anleihen mit der Dividendenrendite von Aktien konkurrieren kann.
Verkaufssignal für US-Treasuries
Das charttechnische Bild ist sowohl für 10-jährige US-Treasuries als auch für deutsche Bundesanleihen negativ. Bei US-Tresauries liefern der MACD-Indikator sowie der exponentielle Moving Average und diverse kurz laufende gleitende Durchschnitte ein Verkaufssignal. Darüber hinaus haben die 10-jährigen Treasury-Renditen mit dem Anstieg auf 4,30% ihre seit September anhaltende Seitwärtsrange nach oben verlassen und dabei die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen. Kurzfristig ist damit zu rechnen, dass die Renditen ein weiteres Mal die Marke von 4,30% testen. Nach dem Überschreiten würden die Renditen Kurs auf die zyklischen Hochs bei 4,40% und anschließend 4,50% nehmen, wo sie auf einen starken Widerstand treffen. Wird die Marke von 4,20% nachhaltig unterschritten, so wäre die jüngste Bewegung als Fehlausbruch zu werten und die Renditen würden sich weiterhin zwischen 4,00% und 4,20% einpendeln.
Renditen deutscher Bundesanleihen im Aufwärtstrend
Bei 10-jährigen deutschen Bundesanleihen zeigt sich ein ähnliches charttechnisches Bild. Zusätzlich zu den genannten Indikatoren liefern die Bollinger-Bänder ein negatives Signal. Die zyklischen Hochs vom Sommer 2025 wurden Anfang Dezember überschritten, wobei die Renditen nun die kritische Marke von 2,90% (Hoch vom März 2025) testen. Nach der Überschreitung wäre das Hoch vom September 2023 bei 3,00% eine starke Widerstandsmarke. Auf einem Niveau über 3,00% lägen die Renditen für 10-jährige Bundesanleihen erstmals seit 2011 wieder oberhalb von 3,00% und würden mittelfristig Kurs auf die 3,50%-Marke (Hoch vom April 2011) nehmen. Im Fall einer Unterschreitung der Marke von 2,80% wäre auf dem Niveau der 200-Tage-Linie bei 2,70% mit der nächsten Unterstützungsmarke zu rechnen. Damit ist das charttechnische Bild für US-Treasuries und Bunds negativ zu werten.
