Renditen von US-Treasuries und deutschen Bundesanleihen bleiben unter Aufwärtsdruck

Deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries sind zuletzt stark von geopolitischen Entwicklungen geprägt worden. Im Zuge des Irankriegs stieg die Volatilität deutlich, hat sich mit der Aussicht auf eine Entspannung des Konfliktes jedoch wieder normalisiert. Gleichzeitig sind Investoren weiterhin stark auf fallende Anleihenkurse positioniert, was kurzfristig das Risiko von Gegenbewegungen birgt. Trotz gestiegener Renditen und einer Attraktivität der laufenden Rendite auf dem Niveau von Dividendenaktien bleiben Anleger angesichts unsicherer Inflationsperspektiven vorsichtig. Strukturelle Faktoren wie die hohe Staatsverschuldung sprechen zudem für nachhaltig erhöhte Renditen. Insgesamt deutet das Marktumfeld für die nächsten Monate auf eine Seitwärtsbewegung der Renditen auf hohem Niveau hin, wobei kurzfristige Schwankungen durch geopolitische und makroökonomische Impulse wahrscheinlich bleiben.

Infolge des Irankriegs ist die Volatilität von US-Treasuries temporär wieder auf Niveaus gestiegen, die nach dem starken Renditeanstieg im Jahr 2022 erreicht worden waren. Die Aussicht auf eine Einigung und die damit verbundene Hoffnung auf die Öffnung der Straße von Hormus ließ die Volatilität aber wieder auf moderatere Niveaus nahe dem langfristigen Durchschnitt fallen. Die ohnehin stark ausgeprägte Short-Positionierung der Anleger in Anleihen hat sich zugleich weiter verschärft: Während die Short-Positionen für 2-jährige US-Treasury-Futures gemäß CFTC-Daten im Januar mit 75% ohnehin schon auf sehr hohem Niveau lagen, stieg ihr Anteil zuletzt auf 81% und damit auf ein Niveau nahe den Höchstständen von 2022/2023. Bei 10-jährigen US-Treasuries blieben die Short-Positionen auf einem hohen Level von 70%. Auf Long-Positionen entfällt entsprechend nur ein Anteil von 19% und 30%. Dies deutet auf stark ausgeprägte Absicherungen hin und birgt kurzfristig das Risiko eines Short-Squeeze: Sollte sich eine unmittelbare Lösung des Konflikts am Persischen Golf abzeichnen oder die Rezessionswahrscheinlichkeit wegen der gestiegenen Energiepreise steigen, könnten Anleger gezwungen sein, ihre Short-Positionen zu schließen.

Angesichts der gestiegenen Anleihenrenditen und der rückläufigen Dynamik bei Edelmetallen scheinen Anleihen wieder an relativer Attraktivität gewonnen zu haben. Solange die Auswirkungen des Irankriegs auf die Inflation noch nicht abschätzbar sind, dürften Anleger bei der Investition in Anleihen aber dennoch eher vorsichtig sein. Deshalb sind nennenswerte Renditerückgänge zunächst nicht zu erwarten.

Relative Attraktivität zu Dividendentiteln bleibt bestehen

Die anhaltend hohe Staatsverschuldung wurde durch die geopolitischen Ereignisse nahezu vollständig aus den Medien verdrängt. Dieser Aspekt dürfte die Renditen lang laufender Staatsanleihen unabhängig vom Ausgang des Irankriegs auf erhöhtem Niveau halten. Sollte der Konflikt sich innerhalb weniger Wochen lösen, ist mit einer Versteilerung der Zinskurven vom kurzen Ende her zu rechnen. Unabhängig davon bleibt die relative Attraktivität zu Dividendentiteln bestehen. So erwirtschaften Euro-Investment-Grade-Anleihen mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 4 Jahren eine Rendite auf Endfälligkeit von 3,1% p.a. Dies entspricht exakt der erwarteten Dividendenrendite des Eurostoxx, der die rund 300 liquidesten Titel der Eurozone umfasst. USD-denominierte Investment-Grade-Anleihen bieten bei einer durchschnittlichen 4-jährigen Laufzeit eine Rendite von 4,3%, was die erwartete Dividendenrendite des »Dow Jones Select Dividend Index« sogar um 0,2%-Punkte übertrifft. Der laufende Ertrag von Anleihen kann deshalb durchaus mit der Dividendenrendite von Aktien konkurrieren.

Renditen deutscher Bundesanleihen im Aufwärtstrend

Wie schon im Januar bleibt das charttechnische Bild für 10-jährige US-Treasuries und deutsche Bundesanleihen negativ. Der Ausbruch über die kritische 2,90%-Marke führte bei Bundesanleihen dazu, dass die Renditehöchststände vom Oktober 2023 bei 3,00% getestet und temporär überschritten wurden. Diese Bewegung kann als ein mittel- bis langfristiger Trendbruch gewertet werden und spricht für weiter steigende Zinsen. Gestützt wird dies von nahezu allen gleitenden Durchschnitten sowie dem exponentiellen gleitenden Durchschnitt, die allesamt aufwärtsgerichtet sind. Der Trendfolgeindikator MACD bestätigt das Bild ebenfalls. Solange die Marke von 3,10% nicht überschritten wird, sollten die Renditen sich auf erhöhten Niveaus seitwärts entwickeln. Sollte sie jedoch gerissen werden, dürften die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen Kurs auf das zyklische Hoch vom April 2011 bei 3,50% nehmen. Fallen die Renditen hingegen unter die 2,90%-Marke, wäre der Weg zunächst bis zur 200-Tage-Linie bei 2,80% geebnet, wobei sie auf diesem Niveau auf eine starke Unterstützung treffen würden.

Auch US-Treasuries stehen unter Druck

Die Renditen 10-jähriger US-Treasuries zeichnen ein ähnlich negatives Bild: Der erneute Ausbruch aus der Seitwärtsrange im März und das Verlassen des übergeordneten Abwärtstrends bilden zusammen ein negatives Signal für US-Treasuries. Nahezu alle gleitenden Durchschnitte (5-, 20-, 50- und 100-Tage) deuten auf steigende Renditen hin. Einzig der 200-Tage-Durchschnitt ist noch abwärtsgerichtet. Die 200-Tage-Linie bewegt sich auf einem Niveau von 4,18% und liegt damit nahe dem Niveau des Ausbruchs aus der Seitwärtsrange. Diese Marke dürfte eine starke Unterstützung darstellen. Erst wenn sie unterschritten wird, kann mit nachhaltig fallenden Zinsen gerechnet werden. In diesem Fall würden die Renditen 10-jähriger US-Treasuries wieder in die Seitwärtsrange einschwenken und die zyklischen Tiefs bei 4,00% testen. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Fortsetzung des Handels auf erhöhtem Niveau zwischen 4,20% und 4,50%. Sollten die Renditen die kritische Marke von 4,50% überschreiten, würden sie weiter Kurs auf die zyklischen Hochs vom Oktober 2023 bei 5,00% nehmen.

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