Renditen deutscher Bundesanleihen dürften weiter steigen

Die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen dürften im 2. Halbjahr 2026 im Bereich von 3,25% bis 3,50% liegen. Das hat »Bantleon Chefvolkswirt« Dr. Daniel Hartmann im Interview mit der Börsen-Zeitung gesagt. »Aber der Ausblick ist kompliziert, da er vom weiteren Verlauf des Irankriegs stark abhängt.«

Als Ursache für den Zinsanstieg nannte er vor allem strukturelle Faktoren, die auch den Inflationsdruck erhöhen werden: »Zum einen treibt die steigende Staatsverschuldung das lange Ende der Renditekurve nach oben. Zum anderen das höhere Inflationsumfeld«, erklärte Hartmann. »Letzteres erfährt Impulse von der Deglobalisierung, dem demografischen Wandel und der Entwicklung der Rohstoffpreise, die für die grüne Transformation der Wirtschaft nötig sind.« Aktuell sorge zudem der KI-Boom für Kapazitätsengpässe und dadurch für höhere Inflation. Erst mittelfristig dürfte KI durch die Produktivitätsgewinne die Inflation abschwächen. »Dieser Effekt wird jedoch von den anderen genannten überlagert, sodass wir uns unter dem Strich auf ein Umfeld mit höherem Inflationsdruck zubewegen«, stellte er fest.

Die EZB dürfte auf den Inflationsanstieg mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50% im Juni mit einer Zinserhöhung reagieren, »aber sie ist nicht in Stein gemeißelt. Es gibt zwar Stimmen, wie die von Bundesbankpräsident Joachim Nagel, die sich stark für eine Zinserhöhung im Juni aussprechen, wenn es nicht bis dahin zu einem Kriegsende im Nahen Osten gekommen ist, doch andere EZB-Ratsmitglieder sind da vorsichtiger. Sollte es bis zur nächsten Sitzung Anzeichen geben, dass die Euro-Wirtschaft weniger robust ist als gedacht, dann dürfte die EZB darüber nachdenken, nochmals stillzuhalten.«

Mit Blick auf die Wirtschaft der Eurozone zeigte der Chefvolkswirt sich aber optimistisch: »Vorausgesetzt, es kommt wirklich im Juni zu einer Einigung im Irankrieg, traue ich der deutschen Wirtschaft durchaus noch ein Wachstum von 1% in diesem Jahr zu, 2027 könnten es 2% werden. Bei den Auftragseingängen der Industrie sieht man ja durchaus schon Wachstumsimpulse durch die Fiskalausgaben der Bundesregierung. Nicht nur in der Rüstungsindustrie, sondern auch in angrenzenden Bereichen wie der metallverarbeitenden oder elektrotechnischen Industrie. Wir bräuchten jetzt ein paar Monate hintereinander mit guten Nachrichten, sodass die Stimmung wieder ins Positive dreht.«

Lesen Sie das Interview in der heutigen Ausgabe der Börsen-Zeitung – oder hier online (Paywall).

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