Einen möglichen Ratingverlust der Bundesrepublik Deutschland sieht »Bantleon Kapitalmarktstratege« Dr. Harald Preißler relativ gelassen. Das hat er im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt: »Medial dürfte es einen großen Aufschrei geben und für die Bundesregierung eine Ohrfeige. Am Kapitalmarkt gäbe es aber voraussichtlich keine sonderlich großen Auswirkungen.« Dem Handelsblatt zufolge befürchten ranghohe Regierungsvertreter, dass der Bund sein Rating von »AAA« verlieren könnte. Preißler hält frühestens im 2. Halbjahr 2027 einen negativen Ratingausblick für möglich. Nach einer solchen Mahnung würde es dann wohl noch mal ein Jahr dauern, bis die Ratingagenturen die Bonität herabstufen.
Er gehe jedoch davon aus, dass es dazu gar nicht kommt: »Wir sind optimistisch, dass das Investitionspaket der Bundesregierung und die steigenden Rüstungsausgaben den Weg in die Industrie und die Wirtschaft finden und das Wachstum ankurbeln.«
Dies zeige sich bereits an den zuletzt gestiegenen Auftragseingängen der deutschen Industrie. Bantleon rechne deshalb mit steigendem Wirtschaftswachstum. Und bei diesem seien Schulden tragbar – auch für die Ratingagenturen. »Deutschland wird für mindestens zehn Jahre die Benchmark bleiben, weil es von den großen Anleihenmärkten der qualitativ beste ist. Das würde auch bei einem Verlust der Top-Bonität so bleiben.«
Ein Verlust des Ratings von »AAA« werde schon bevor die Ratingagenturen ihr Urteil verkünden zu einem leichten Renditeanstieg deutscher Bundesanleihen führen. »Die Ratingagenturen machen in der Regel nur das, was der Markt längst eingepreist hat«, erklärte Preißler.
