»Bantleon Chefvolkswirt« Dr. Daniel Hartmann rechnet nicht mit einer nachhaltig steigenden Inflation in der Eurozone. Das hat er im Interview mit der Schweizer Zeitung Finanz und Wirtschaft gesagt. »Sollte der Krieg bis spätestens Ende Mai – also innerhalb von drei Monaten – endgültig beigelegt werden, dürften die Belastungen für die Eurozone überschaubar bleiben«, stellte er fest. »Es würde sich dann um einen kurzfristigen Inflationsschock handeln, der den Konsum vorübergehend dämpft, sich aber mit fallenden Energiepreisen – etwa einem Rückgang des Ölpreises auf rund 80 US-Dollar – wieder rasch normalisiert.« Dauere der Konflikt jedoch über Mai hinaus an, erwarte er zunehmend schwerwiegende Folgen: Versorgungsengpässe, Zweitrundeneffekte bei der Inflation und eine globale Verunsicherung, die Investitionen bremst.
Auch für die globale Konjunktur zeigte Hartmann sich im Basisszenario optimistisch: »Viele Schwellenländer wachsen trotz Zoll- und Irankrieg dynamisch – Indien, Vietnam, Taiwan, Malaysia und Indonesien legen mit Raten zwischen 4% und 8% zu.« Ein wichtiger Treiber sei der anhaltende Halbleiterzyklus, erklärte er. »Für exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland ist das ein Rückenwind. Wenn die geopolitischen Spannungen nachlassen und sich die Zolldynamik beruhigt, sind in Deutschland und der Eurozone durchaus wieder Wachstumsraten von 2% und mehr denkbar im Vergleich zum Vorjahr.«
Weil die Kerninflation in den nächsten Quartalen wahrscheinlich hartnäckig bei mehr als 2% bleiben werde, dürfte die EZB bald handeln, um ihre Glaubwürdigkeit zu sichern: »Ich rechne daher mit zwei weiteren Zinsschritten – im Juni und September – auf 2,5%. Dies wäre leicht restriktiv und würde signalisieren, dass Preisstabilität Priorität hat.«
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