Im Jahr 2026 wird bei der Durationspositionierung mehr Mut belohnt

Auch das Jahr 2025 hat die Bedeutung von Durationsmanagement gezeigt: Während der Gesamtmarkt für EUR-Investment-Grade-Anleihen moderate Erträge erzielte, konnten insbesondere Unternehmensanleihen ohne Finanzwerte sowie mittlere Laufzeiten überzeugen. Die Versteilerung der Zinskurve belastete hingegen lang laufende Anleihen erheblich. Die Geldpolitik von Fed und EZB sowie geopolitische Entwicklungen, etwa in der Ukraine, bleiben im Jahr 2026 ein zentraler Einflussfaktor für die Anleihenrenditen. Insgesamt spricht das Umfeld weiterhin für eine Übergewichtung mittlerer Laufzeiten, ergänzt um selektive Engagements in längeren Laufzeiten, wenn diese wieder attraktive Renditen bieten.

Wir blicken zurück auf ein ordentliches Anleihenjahr 2025. Bezogen auf den Gesamtmarkt aller Investment-Grade-Benchmarkanleihen in der Eurozone – gemessen am »iBoxx Overall« – haben sie per 17. Dezember 2025 einen Gesamtertrag von 1,13% erzielt. Zieht man ausschließlich den Sektor Unternehmensanleihen ohne Finanzwerte heran – gemessen am »iBoxx EUR Non-Financials« – liegt der Gesamtertrag sogar bei 2,52%. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit.

Mittlere Laufzeiten dieses Jahr mit höchstem Ertrag

Ein Blick in die Laufzeitbänder verrät eine divergente Entwicklung hinsichtlich der Restlaufzeit und Duration der Anleihen, sodass auch das Jahr 2025 für die aktive Bewirtschaftung von Anleihenportfolios spricht: Im Gesamtmarkt war der höchste Ertrag im Bereich 5 Jahre mit rund 2,68% zu erzielen, während am kurzen Laufzeitende bei 2 Jahren 2,5% zu vereinnahmen waren – rund 50 Basispunkte mehr als der aktuelle Einlagenzinssatz von 2,00%. Der große Verlierer war aufgrund der Versteilerung der Zinskurve – der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen deutschen Bundesanleihen ist von 20 auf 70 Basispunkte gestiegen – das lange Laufzeitsegment. Hier lag die Performance der Anleihen im Bereich von knapp 8 Jahren, genau genommen das Laufzeitband 7 – 10 Jahre, bei gerade einmal 1,7%. Im ultralangen Ende des Anleihenuniversums, welches nur Anleihen mit einer Kapitalbindungsdauer von mehr als zehn Jahren enthält, steht ein Wertverlust von 3,5% zu Buche. Ein gutes Beispiel für die Verwerfungen am langen Ende sind 30-jährige EU-Anleihen mit einem ordentlichen Coupon von 3,00%, deren Kurs am Jahresanfang bei rund 93% lag und die nun um 10%-Punkte niedriger rentieren bei einem Kurs von 83% und einer laufenden Bestandsrendite von 4,00%. Ähnliches gilt für laufzeitgleiche Staatsanleihen und Anleihen deutscher Bundesländer, die allesamt 5%- bis 10%-Punkte niedriger rentieren als am Jahresanfang.

Das Durationsmanagement ist bekanntlich der primäre Treiber für den Erfolg von Fondsmanagern im Segment Anleihen. In den vergangenen drei Jahren war, vor allem aufgrund der Inversion und der Auspreisung ebenjener, stets eine aktive Positionierung auf der Laufzeitkurve gefragt, um einen Mehrertrag respektive Alpha gegenüber den entsprechenden Indizes zu erzielen. Das dürfte auch im Jahr 2026 gelten. Wichtig für die passgenaue Ausrichtung des Portfolios ist ein Blick auf die Entwicklung von Geld- und Geopolitik.

Fed und EZB auf unterschiedlichen Wegen

Per 10. Dezember 2025 hat die Fed den Leitzins mit der dritten 25-Basispunkte-Senkung in Folge auf 3,75% am oberen Band gesenkt. Dies markiert eine weitere Normalisierung in Richtung eines neutralen Niveaus, weg von dem Höchststand von 2024 mit 5,50%. Die Marktteilnehmer rechnen für das Jahr 2026 mit weiteren Senkungen bis auf ein Niveau von etwa 3,00%. Weitere Senkungen sind zwar grundsätzlich denkbar, aber die Erwartungen der Marktteilnehmer könnten sich als zu hoch erweisen.

Ganz anders dagegen ist die Lage der EZB. Hier überwiegen die Konjunktursorgen gegenüber den Inflationsängsten. Das Leitzinsniveau scheint zunächst zementiert, da die Inflation nur knapp über der gewünschten Zielmarke von 2% liegt und der konjunkturelle Aufschwung auf sich warten lässt. Erstmals seit knapp drei Jahren preisen Marktteilnehmer für das Ende des Jahres 2026 marginale Zinserhöhungen durch die EZB ein. Dies ist ein Regimewechsel, da sich nun die Investoren nicht mehr ausschließlich darauf konzentrieren, wann und wie weit die EZB die Zinsen senkt, sondern einen ausgeglichenen Blick einnehmen, der die Möglichkeit von Erhöhungen nach gegebener Datenlage offenlässt. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit für ein langfristiges Festhalten am Einlagenzins von 2,00% für den Großteil des Jahres 2026 aktuell durchaus plausibel.

Aufwärtsdruck bei lang laufenden US-Treasuries

In Bezug auf die Marktrenditen bieten die beiden Leitzinstrends eine Chance für aktive Investoren. Die Staatsanleihenmärkte in den USA bergen im Jahr 2026 durchaus negatives Überraschungspotenzial und dürften sich hochvolatil zeigen. Das kurze Ende der Zinskurve ist mit 3,50% fair bepreist unter der Maßgabe, dass die Fed nur noch geringfüge Senkungen vornimmt. Das lange Ende der Zinskurve hingegen ist mit einem Niveau von knapp über 4,00% nur unzureichend bepreist, eine faire Laufzeitprämie ist deshalb nicht zu vereinnahmen. Defizite und die stetig wachsende Staatsschuldenquote der USA samt einem hohen Nettoangebot an US-Treasuries sind neben potenziell enttäuschten Senkungshoffnungen Gründe für ein mögliches höheres Renditeniveau von etwa 4,50% in den kommenden Monaten. Den Renditeanstieg begrenzen werden mögliche Liquiditätsbereitstellungen der Fed. Eine politische US-Notenbank mit Zinsschritten unter Abkopplung der realwirtschaftlichen Faktoren Konjunktur und Inflation, also Senkungen wider die Vernunft, bergen Risiken einer noch stärkeren Versteilerung der Zinskurve.

 Auch Renditen lang laufender Bundesanleihen dürften steigen

Hingegen ist die Renditeentwicklung in der Eurozone besser vorherzusehen und es zeigt sich eine faire Zinsstrukturkurve mit Kompensationen für das Eingehen von Laufzeitrisiken. Aktuell reichen die Renditen deutscher Bundesanleihen von 2,00% am kurzen Ende bis zu knapp 2,90% am langen Ende. Das Eingehen von Laufzeitrisiken wird belohnt, wenn die Inflation stabil bleibt und die Wirtschaft weiterhin langsam wächst. Risiken bergen vor allem (verfrühte) Zinserhöhungsfantasien der Marktteilnehmer, welche die Renditen der 2-jährigen Laufzeiten nach oben treiben werden, was bei einer Laufzeitprämie von rund 60 – 80 Basispunkten äquivalent auch am langen Ende zu sehen sein wird. Zum Jahresende 2026 könnten die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen bei rund 3,00% oder sogar etwas darüber liegen.

Geopolitik beeinflusst Renditen

Neben der Geldpolitik wird die Geopolitik die Anleihenmärkte bewegen. Hierbei sind die täglichen politischen Meldungen der Trump Administration ein Faktor, an die sich die Anleger im Jahr 2025 zunehmend gewöhnt haben. Diese kurzfristen Strohfeuer werden nach wie vor eine Rolle spielen, die Renditen jedoch nicht mehr entscheidend prägen – ausgenommen von diesem Szenario ist ein starker politischer Druck auf die Fed, der das Vertrauen in die US-Anleihenmärkte untergraben könnte und nachhaltige Portfolioumschichtungen verursachen würde. Dies ist jedoch nur ein Risikoszenario.

Für die Eurozone dagegen wird die Frage von Krieg und Frieden in der Ukraine entscheidend sein. Die Folgen eines Friedens wären für die Eurozone positiv. So eröffnet der Wiederaufbau der Ukraine Chancen für die gebeutelte Industrie mitsamt einem gesteigerten Vertrauen der Finanzmarktteilnehmer in die europäische Wirtschaft. In Bezug auf Durationsrisiken birgt dieses Szenario jedoch Gefahren: Zwar kann ein höheres Angebot an fossiler Energie durch die Wiedereingliederung Russlands in den Weltmarktinitial zu einem disinflationären Impuls führen. Hingegen würden die verbesserten Konjunkturaussichten infolge des Wiederaufbaus der Ukraine diesen Effekt überkompensieren und die Renditen am langen Ende steigen lassen sowie die Zinserhöhungserwartungen weiter befeuern.

Fazit: Mittlere Laufzeiten im Jahr 2026 übergewichten

Welche Durationsausrichtung ist unter Berücksichtigung der Geo- und Geldpolitik im Jahr 2026 zu empfehlen? Zweifellos ist die gestiegene Laufzeitprämie zu Beginn des Jahres 2026 ein gutes Argument für das Eingehen von Laufzeitrisiken. Die Kurvensteilheit von rund 70 Basispunkten ist fair, kann jedoch im historischen Vergleich auch bis zu 100 Basispunkte betragen, vor allem beim Eintritt positiver Ereignisse in der Geopolitik wie einem Frieden in der Ukraine. Der steigende Refinanzierungsbedarf vieler Staaten in Kombination mit der Risikoaversion der Anleger gegenüber sehr langen Laufzeiten von mehr als 10 Jahren lassen eine weitere Versteilerung der Zinskurve plausibel erscheinen. Deshalb sollten Anleger bei der Duration zu große Risiken vermeiden. Unter dem Strich sollten mittlere Laufzeiten von etwa 5 Jahren weiterhin bevorzugt werden. Anders als in den vergangenen Jahren sind diese jedoch situativ um lange Laufzeiten von 7 bis 10 Jahren zu ergänzen. Das gilt vor allem dann, wenn die als Benchmark fungierenden 10-jährigen deutschen Bundesanleihen wieder nahe 3,00% rentieren.

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