US-Währungshüter geben sich beim Wachstumsausblick optimistisch
Erwartungsgemäss hat die Fed im Rahmen der gestrigen Notenbanksitzung zum dritten Mal in Serie den Leitzinskorridor gesenkt – von 3,75% bis 4,00% auf 3,50% bis 3,75%. Ausschlaggebend dafür war zum einen, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt in den vergangenen Wochen weiter eingetrübt hat. Zum Beispiel erreichte die Arbeitslosenquote im September mit 4,4% ein 4-Jahres-Hoch. Zum anderen hat sich die Inflation etwas schwächer entwickelt als es die Währungshüter noch im Oktober erwartet hatten. Die Kerninflation (gemessen am PCE-Deflator) verharrte trotz rekordhoher Importzölle bis zuletzt unter 3,0%.
Mit grosser Spannung wurde dann aber vor allem der Zinsausblick erwartet und hier gaben sich Notenbankpräsident und der Offenmarktausschuss eher falkenhaft. So betonte Jerome Powell, dass die Fed nach Zinssenkungen im Umfang von mittlerweile 175 Basispunkten am oberen Rand der neutralen Zone der geldpolitischen Ausrichtung angelangt sei. Die Währungshüter seien daher in einer guten Position, um erste einmal abzuwarten, wie sich die Wirtschaft weiter entwickeln würde. Damit machte Powell klar, dass die Fed aller Voraussicht nach im Januar eine Zinspause einlegen wird und die Latte für weitere geldpolitischen Lockerungen generell hoch liegt.
Dazu korrespondieren auch die neuen Projektionen zum voraussichtlichen künftigen Leitzinspfad, die vierteljährlich von allen FOMC-Mitgliedern erstellt werden (sogenannte Dots, vgl. Tabelle am Ende). Demnach geht der Median der Notenbanker unverändert jeweils nur von einer weiteren Leitzinssenkung im Jahr 2026 und 2027 aus. Sieben von 19 Fed-Vertreten würden 2026 sogar ganz stillhalten. Der Widerstand in Teilen des Offenmarktausschuss gegen eine noch lockerere Geldpolitik kam auch darin zum Ausdruck, dass zwei Mitglieder (Jeffrey Schmid und Austan Goolsbee) sich bereits offen gegen die aktuelle Leitzinssenkung ausgesprochen haben. Vier weitere gaben über die Dots ihre Präferenz für unveränderte Leitzinsen im Dezember zu Protokoll. Im Gegenzug konnte Stephan Miran keine weiteren Mitstreiter gewinnen, die sich explizit für einen 50-Basispunkte-Schritt aussprachen.
Als eher falkenhaft kann ausserdem der optimistische Wachstumsausblick der Notenbank interpretiert werden. So wurde die Wachstumsprognose für 2026 im Vergleich zu September markant von 1,8% auf 2,3% angehoben. Damit setzte sich die Fed an den oberen Rand der Konsensusschätzungen. Powell gab sich denn auch in der Pressekonferenz sehr zuversichtlich: Der Konsum sei resilient, die KI-Investitionen würden boomen und die Fiskalpolitik werde expansiver. Alles zusammen würde das Wachstum spürbar anschieben. Das ist in der Tat kein Umfeld, indem die Leitzinsen noch kräftig gesenkt werden müssen.
Inflationsrisiken haben in den Augen der Fed abgenommen
Gleichzeitig gab es mit Blick auf die Inflation aber auch taubenhafte Töne. Hier nimmt Powell mittlerweile eine sehr gelassene Haltung ein. In seinen Augen wird immer deutlicher sichtbar, dass die Zölle keinen nachhaltigen Inflationsschub erzeugen, sondern allein in der Güterinflation einen gewissen Effekt verursachen. Bei den Dienstleistungen zeichne sich stattdessen mehr und mehr nachlassender Teuerungsdruck ab. Dies spiegelte sich auch in der neuen Inflationsprognose der Fed wider (siehe Tabelle am Ende). Bei der Kerninflation liegt der Medianwert mit 2,5% nicht nur deutlich unter dem Niveau des Jahres 2025 (3,0%), sondern auch erkennbar unter der aktuellen Konsensusschätzung (2,8%).
Die Divergenz in der Beurteilung der Wachstums- und Inflationsrisiken liefert denn auch laut Powell die Erklärung für die starke aktuelle Spreizung beim Zinsausblick innerhalb des Offenmarktausschusses. Noch nie in seiner Laufbahn als Fed-Mitglied seien die Spannungen zwischen den beiden Zielen der Notenbank (Preisstabilität und hoher Beschäftigungsstand) so gross gewesen wie aktuell.
Neben dem Inflationsausblick ist die Ankündigung von umfangreichen Wertpapierkäufen das zweite taubenhafte Element der jüngsten Notenbanksitzung. Die Fed will demnach ab Dezember bis auf Weiteres monatlich 40 Mrd. USD an T-Bills erwerben, um die Lage am US-Geldmarkt zu entspannen. Das Volumen liegt eher am oberen Rand der Erwartungen und bringt einen neuen Liquiditätsschub für die Märkte.
Makro-Umfeld rechtfertigt keine expansive Geldpolitik – eigentlich
Alles in allem hat es Powell geschafft, eine gewisse Balance zwischen falkenhaften und taubenhaften Tönen herzustellen. Die Erwartungen an weitere Zinssenkungen hat er einerseits gedämpft, aber auch nicht ganz abgewürgt. Dass – anders als etwa bei der EZB – nach wie vor eine gewisse Neigung zu gelpolitischen Lockerungen besteht, kam auch in der Bemerkung zum Ausdruck, dass Leitzinserhöhungen gegenwärtig von niemand im FOMC in Betracht gezogen werde.
Wir stimmen mit einem Grossteil der Einschätzung der Notenbank überein – dies gilt speziell für den Wachstumsausblick, bei dem wir ähnlich optimistisch sind wie die Fed. Etwas weniger zuversichtlich sind wir hingegen beim Disinflationstrend gestimmt. Hier gehen wir nur von einem leichten Rückgang im Jahr 2026 aus. Entsprechend rechnen wir in unserem Basisszenario bestenfalls noch mit einer weiteren Leitzinssenkung um 25 Basispunkte (wenn dann im März 2026) – an den Geldterminmärkten sind hingegen weiterhin noch zwei bis drei Zinssenkungen um 25 Basispunkte bis Ende 2026 eingepreist. Ein Leitzinsniveau erkennbar unter 3,50% passt jedoch aus unserer Sicht nicht in ein Umfeld, bei dem die Investitionsnachfrage brummt und die Inflation nahe der 3,0%-Marke laviert.
Es bleibt natürlich das Risiko, dass mit der Neubesetzung der Fed-Spitze und dem massiven politischen Druck der Trump-Regierung am Ende doch mehr Zinssenkungen von der Fed umgesetzt werden. Mit Blick auf die langfristigen Inflationserwartungen und Kapitalmarktrenditen würde sich die US-Notenbank dann aber auf ein sehr gefährliches Spiel einlassen und sich letztendlich einen Bärendienst erweisen.
Makroprognosen der Fed vom 10. Dezember 2025

Quelle: Federal Reserve; * in % gegenüber Vorjahr; ** in %; in Klammern Prognosen vom September 2025
