Durationssteuerung muss wegen des Irankonflikts revidiert werden

Das Jahr 2026 war bis Ende Februar in einem ausgeprägt konstruktiven Risk-on-Umfeld gestartet, aber der Irankrieg hat das Marktregime abrupt kippen lassen. Die jüngst vereinbarte Waffenruhe führte zwar zu einer Stabilisierung der Anleihenmärkte, das Zinsniveau bleibt jedoch strukturell erhöht, die Kurve flacher und die Laufzeitprämie deutlich reduziert. Für Benchmark-orientierte EUR-Investment-Grade-Portfolios ergibt sich daraus ein Umfeld selektiver, taktischer Durationssteuerung statt strategischer Long-Only-Durationsexponierung.

Im Jahr 2026 war das Segment EUR-Investment-Grade-Anleihen mit starkem Risk-on, hoher Liquidität und engen Spreads gestartet, bis der Irankrieg ab März einen Energiepreisschock, steigende Inflation und ein Zins-Repricing ausgelöst hat. Trotz höherer Renditen blieben die Credit-Spreads überraschend stabil. Zugleich leidet die europäische Wirtschaft stärker unter dem Nahostkonflikt als die Wirtschaft der USA, was zu divergierenden Notenbankerwartungen führte. Die jüngst vereinbarte Waffenruhe nahm zwar den Druck von den Energie- und Zinsmärkten, aber die anhaltend hohe Inflation zwang die EZB im Juni zu einer ersten Zinserhöhung.

In diesem schwierigen Umfeld haben sich hochqualitative Anleihen wie Covered Bonds (+0,9%), Quasi-Staatsanleihen (+1,37%) und Staatsanleihen der Eurozone (+1,28%) sich relativ gut gehalten: Im bisherigen Kalenderjahr 2026 erzielten sie trotz zwischenzeitlich hoher Volatilität allesamt positive Ergebnisse. Ähnlich verhält es sich bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen (+1,31%), die jedoch in Bezug auf Branchen eine hohe Diversifizierung aufweisen. Technologiewerte und die Automobilbranche erreichen im selben Zeitraum einen Gesamtertrag von nur knapp 1%, während klassische Zykliker wie Ölwerte (+1,56%) und rohstoffnahe Grundstoffunternehmen (+1,54%) klare Gewinner des Lieferkettenschocks im Zuge des Irankriegs sind. Zum Jahresende 2026 sollten die verschiedenen Anleihensegmente ihren Gesamtertrag trotz Zinsgegenwind in etwa verdoppeln. Damit wären im Investment-Grade-Universum für das Jahr 2026 Erträge von 2% bis 3% realistisch.

Ausblick für Ende 2026: Flachere Zinsstrukturkurve & höheres Basisniveau

Die von uns im November im Jahresausblick 2026 prognostizierte Zinsspanne von 2,50% bis 3,00% für 10-jährige deutsche Bundesanleihen benötigt durch die neue geopolitische Lage einer Revision. Für das 2. Halbjahr 2026 etabliert sich unseres Erachtens ein neues strukturelles Zinsregime: höheres Renditeniveau, flachere Kurve und deutlich reduzierte Laufzeitprämie (Rückgang des Spreads von 10- zu 2-jährigen Bundesanleihen von 60 bis 80 Basispunkten auf etwa 30 Basispunkte). Die 10-jährige Rendite von Bundesanleihen sollte sich in einer neuen Spanne von etwa 2,75% bis 3,25% bewegen, mit einem fairen Gleichgewichtsniveau um rund 3,00%. Duration wird damit weniger zu einem strategischen Always-on-Exposure und stärker zu einem taktisch gesteuerten Risiko innerhalb klarer Bandbreiten.

Für die Portfolioimplikationen bedeutet das: Mittlere und lange Laufzeiten bleiben investierbar, verlieren jedoch ihren alternativlosen Charakter. Entscheidend wird ein flexibles Management entlang der genannten Zinsrange – mit Durationsabbau bei Renditen unter 2,90% und selektivem Wiederaufbau oberhalb von 3,10%. Gleichzeitig gewinnt das kurze Ende an Attraktivität als stabilisierender Carry- und Liquiditätsbaustein.

Strukturell bleibt das Umfeld von zwei zentralen Unsicherheiten geprägt: erstens potenziell anhaltend hoher Inflation durch Zweitrundeneffekte, die nach der Waffenruhe jedoch zunehmend unwahrscheinlich erscheinen, und zweitens der Entwicklung der US-Treasury-Renditen als globalem Zinsanker. Ein Anstieg der 10-jährigen US-Renditen in Richtung 5,00% würde auch den europäischen Zinsaufwärtsdruck erneut erhöhen. Aktuell ist das Gleichgewichtsniveau eher bei etwa 4,50%. Sofern der neue Fed-Präsident Kevin Warsh sein Mandat in Richtung Preisstabilität und Zinserhöhungen fokussiert, wie es nach der ersten Pressekonferenz der Fall zu sein scheint, ist weiterer Aufwärtsdruck nicht auszuschließen.

Insgesamt spricht das Setup für ein positives, aber differenziertes Anleihenjahr 2026. Die absolute Rendite hochqualitativer Anleihen bleibt attraktiv; auch Credit- und Spread-Produkte sollten von der übergeordnet wieder anziehenden konjunkturellen Dynamik profitieren. Im Quervergleich erscheinen insbesondere Quasi-Staatsanleihen und Covered Bonds gegenüber EUR-Staatsanleihen attraktiver, da sie ein günstigeres Risiko-Ertrags-Profil bei geringerer Durationsexponierung auf Indexebene haben. Staatsanleihen bleiben durch potenzielle Ratingherabstufungen, wie wir sie zuletzt in Frankreich und Belgien gesehen haben, und anstehende politische Wahlen unter Druck.

Rechtlicher Hinweis

Die in diesem Beitrag gegebenen Informationen, Kommentare und Analysen dienen nur zu Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Die hier dargestellten Informationen stützen sich auf Berichte und Auswertungen öffentlich zugänglicher Quellen. Obwohl die Bantleon AG der Auffassung ist, dass die Angaben auf verlässlichen Quellen beruhen, kann sie für die Qualität, Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Angaben keine Gewährleistung übernehmen. Eine Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die sich aus der Nutzung dieser Angaben ergeben, wird ausgeschlossen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu.

nach oben